Was Erwerbstätige über Lohn und Zuschüsse wissen sollten

Der Lohn eines Vollbeschäftigten ist per Gesetz indexgebunden und darf keinesfalls niedriger sein als der gesetzliche Mindestlohn – seit dem 1. August dürfen Erwerbstätige, die älter als 18 sind, bei Vollzeitarbeit also nicht weniger als 2.048,54 Euro, im Alter von 15 bis 17 Jahren nicht weniger als 1.536,41 und im Alter von 17 bis 18 Jahren nicht weniger als 1.638,83 Euro (jeweils brutto) verdienen.

Erwerbstätigen, die eine berufliche Ausbildung (Lehre) erfolgreich abgeschlossen haben, steht ein qualifizierter Brutto-Mindestlohn von 2.458,25 € zu. Gleiches gilt für Lohnabhängige, die entweder im Besitz eines »certificat d’aptitude manuelle« (allerdings erst nach mindestens zweijähriger Berufserfahrung) oder eines »certificat d’initiation technique et professionnelle« (nach mindestens fünfjähriger Berufserfahrung) sind. Dieser qualifizierte Mindestlohn steht allerdings auch Arbeitern zu, die während mindestens 10 Jahren ununterbrochen in einem und dem gleichen Beruf tätig sind, ohne die hierfür benötigten Zeugnisse vorweisen zu können. Gleiches gilt auch für Beschäftigte, die keinen offiziellen Abschluss über theoretische Kenntnisse besitzen, den Beruf aber bereits seit mindestens sechs Jahren ausüben und damit über eine gleichwertige praktische Ausbildung verfügen.

Freizeitausgleich oder Zuschüsse

In der Regel besteht eine Lohnabrechnung aus einem fixen Stunden- oder Monatslohn, aus Prämien. Zuschlägen und Sonderzuwendungen. Die Zuschläge für Sonntagsarbeit (70%), Feiertagsarbeit (100%) und Überstunden (Freizeit oder +40%) sind per Gesetz festgehalten. Höhere Zuschläge werden allerdings geschuldet, wenn sie in Kollektivverträgen ausgehandelt wurden. Niedriger dürfen sie nicht sein.

Seit Einführung des Einheitsstatuts werden Überstunden meistens nur mehr mit bezahlten Ruhezeiten abgegolten, wobei auf eine geleistete Überstunde anderthalb Stunden bezahlte Freizeit entfallen. Besteht auf Anweisung der Betriebsleitung die Möglichkeit nicht, dass der Lohnabhängige von der ihm zustehenden Freizeit Gebrauch machen kann, so ist die Überstunde mit einem Zuschlag von 40 Prozent zu entlohnen (steuer- und sozialabgabenfrei).

Die an Sonn- und Feiertagen verrichtete Arbeit kann ebenfalls unterschiedlich vergütet werden. Entweder wird dem Arbeiter der übliche Stundenlohn plus einen Zuschuss von 70 Prozent (100 Prozent bei Feiertagen) bezahlt, oder die Sonn- oder Feiertagsarbeit wird ihm mit einem Freizeitausgleich und dem gesetzlich vorgegebenen Zuschuss vergütet. Wobei der Freizeitausgleich aus einem ganzen Wochentag bestehen muss, wenn der Lohnabhängige sonntags mehr als vier Stunden gearbeitet hat.

Neue Überstundenregelung

Am legalen 8-Stundentag und der 40-Stundenwoche hat sich trotz Reform des PAN-Gesetzes nichts geändert. Fallen Überstunden an, so hält das Gesetz fest, dass keinesfalls mehr als 10 Stunden am Tag und 48 Stunden die Woche gearbeitet werden darf.

Bei einer Referenzperiode zwischen einem und drei Monaten darf die monatliche Gesamtarbeitszeit nicht mehr als 12,5 Prozent über der normalen Arbeitszeit liegen. Bei einer Referenzperiode von mehr als drei Monaten liegt die Grenze bei 10 Prozent. Wird über diese Grenzen hinaus gearbeitet, so muss die Mehrarbeit mit einem Überstundenzuschuss vergütet werden.

Ebenfalls neu ist, dass künftig bei Änderungen des »plan d’organisation de travail« (POT) die Betroffenen bei Referenzperioden bis zu drei Monaten drei Tage im Voraus über die Änderung informiert werden müssen, vier Tage bei Referenzperioden von mehr als drei Monaten. Erfolgt die Vorwarnung nicht, so werden im abgeänderten POT die beiden ersten Stunden normal bezahlt (wenn es sich um keine zusätzliche Arbeitszeit handelt), während ab der dritten Stunde die Arbeitszeit mit dem 1,2-fachen des Stundenlohns vergütet wird. Regelungen, die ein jeder Erwerbstätige kennen sollte. Nur so wird er seine Lohnabrechnung, die ihm per Gesetz allmonatlich zugestellt werden muss, auf eventuelle Fehler kontrollieren können. Gilbert Simonelli

Gilbert Simonelli : vendredi 24 août 2018