Wählt Ihr die, so wisset:

Chaos wird geschafft

Als Dipl. Ing. Georges Schummer das Projekt des direkten Zugs im Tunnel unter Oberstadt, Limpertsberg und Kirchberg unter www.busbunn.net vorstellte, hatte die Stadt Luxemburg 150.000 Arbeitsplätze, und alle damaligen Verkehrsprobleme hätten sich damit lösen lassen. Schöffenrat wie Regierung wollten das nicht mit der Begründung, die Leute würden nicht gerne Lift fahren und natürlich auch nicht im Tunnel.

Heute sind in der Stadt Luxemburg bereits über 215.000 Arbeitsplätze, 48% aller landesweiten, und weitere 27% liegen in den Anrainergemeinden, die auch kräftig zugelegt haben. Im ganzen restlichen Land sind also nur 25% aller Arbeitsplätze, was dazu führt, daß auch sehr viele Landesbewohner sich der stetig wachsenden Zahl Grenzgänger beim Pendeln zur Arbeit anschließen müssen. Und alles muß in einen kleinen, zentralen Raum, was nicht ohne in Zeit und Raum sich ausdehnende Staus abgeht.

Weiterer Zuwachs kann seit einiger Zeit nicht mehr von Zug und Bus aufgefangen werden, weil in denen zu der Zeit, wo es gilt den Arbeitsplatz zu erreichen, kein Platz mehr frei ist. Aus einem französischen Pendlerzug steigen so mehr Leute aus, als drinnen sein dürften, wenn nicht gerade Ferienzeit herrscht.

Zwar kam es mit den Jahren noch zum Vorschlag eines Monorails aus Frankreich bis zur Hauptstadt sowie der rasch und günstig zu errichtenden Seilbahn Kockelscheuer – Hauptbahnhof – Kirchberg – Findel, was ohne Lift und Tunnel möglich ist, aber auch das gefiel den politisch Unverantwortlichen (denn Verantwortung sieht anders aus!) nicht.

Alles, was in 20 Jahren geschehen ist, war Klein-Klein, das durchaus im Rahmen einer großen Lösung interessantes Beiwerk sein könnte: Wege fürs Fahrrad, Autoteilen und Aufrufe, für Wege unter 500 Metern doch zu Fuß zu gehen, was ja durchaus auch nebenbei ein Beitrag zur Volksgesundheit ist. Die große Lösung ist das nicht.

Realitätsverweigerung

Regelrecht kontraproduktiv waren in den 20 Jahren die bewußte Behinderung des fließenden Verkehrs mit der Beseitigung der grünen Welle und der Busbuchten. Dies in der irrigen Annahme, damit kriege man Leute aus den Autos auf den öffentlichen Personennahverkehr. Daß der sie gar nicht mehr aufnehmen kann und obendrein in etlichen Fällen zu unmöglich langen Fahrzeiten führen würde, wird dabei völlig ausgeblendet.

Fakt ist, daß heute jeder Mensch, der einen Arbeitsplatz in der Hauptstadt oder in den direkten Anliegergemeinden ergattert, gezwungen ist, den mit dem eigenen Auto anzusteuern. Das trotz der restriktiven Parkplatzpolitik dieser wie der vorigen Schöffenrats-Koalition, die völlig lebensfremd ist, und auch wieder auf Glaube basiert: Parkplatznot soll Leute abhalten, mit dem Auto zu kommen; weniger Stellplätze bei Neubauten soll zu weniger Autobesitz führen.

Das Problem ist wohl, daß die Leute, die da agieren, sich gar nicht mehr in die Haut eines Lohnabhängigen hineinversetzen können. Dem handelnden politischen Personal ist es offensichtlich völlig fremd, daß diese Leute gezwungen sind, auf dem Arbeitsplatz zu erscheinen, damit sie am Ende des Monats ihre Rechnungen bezahlen können. Sie haben keine Wahl, sie müssen pünktlich da sein. Da kein Platz mehr frei ist in Zug und Bus, kann niemand, der frisch zum Arbeitsplatz kommt, den er braucht, diese benutzen. Schlimmstenfalls kurvt er dann eben herum, um doch einen Parkplatz zu finden, schlimmstenfalls riskiert er einen Strafzettel, aber er hat nicht die Wahl, nicht zu kommen.

Obendrein ist es absurd, einem Betrieb nicht die Stellplätze zu genehmigen, die für die betriebseigenen und für den Betrieb unverzichtbaren Fahrzeuge nötig sind. Aber auch das schafft dieser Schöffenrat mit Billigung und Lob der Regierung!

Dazu kommt die Tram, die so weit sie nicht im Drei-Minuten-Takt fährt am Kirchberg nur zu kleinen Problemen führt. Sie könnte sogar Sinn machen von der Roten Brücke bis zum Flughafen, weil sie auf der Strecke keinem anderen Verkehrsmittel den Platz streitig macht. Allerdings das auch nur, wenn darauf verzichtet würde, den RGTR-Bussen einen Terminus bei der Foire zu verordnen und damit diese Bus-Passagiere zum oftmaligen Umsteigen zu verdonnern!

Dieses Übel ist eine Folge davon, daß die Tram trotz der Hungerlöhne nicht nur Geld, sondern auch Platz frißt. Daher bleibt dann keiner mehr für Busse in der Stadt, sobald man darauf besteht, die Tram müsse dort fahren. So kommt es leider zu einer Verringerung der Kapazität des öffentlichen Personennahverkehrs, der das Problem verschlimmert anstatt es zu verbessern.

Denn Fakt ist, daß bevor einem Bauträger erlaubt wurde, mit dem Royal-Hamilius ein großes Geschäft zu machen (seit er das Ganze an den Scheich von Katar verkauft hat, hat er seinen Profit realisiert), 12.500 Plätze in den Bussen waren, die zwischen Bahnhof und dem zentralen Busbahnhof am Aldringen fuhren, die sich davor und danach in alle Richtungen verzweigten. Da war Umsteigen bequem, und es war fast überall hinzukommen mit einmaligem Umsteigen.

Im »Modu 2.0« wird nun auf den Seiten 48/49 die Kapazität der Tram im Dreiminutentakt (bei dem es sich unweigerlich bei allen kreuzenden Straßen staut, wenn die Tram automatisch grün kriegt) nicht mehr mit den 10.000 Passagieren von vor den Gemeinderatswahlen geführt, sondern nur noch mit 7.000, wobei sich die kommerzelle Geschwindigkeit von 25 auf 18-22 km/h reduziert wird. Es hat aber niemand erklärt, wie die dadurch entstehende Kapazitätslücke gefüllt wird! (wird fortgesetzt)

jmj

Freitag 24. August 2018