Nachwuchsrekrutierung

Zum zehnten Mal findet derzeit die Spielemesse »Gamescom« in Köln statt. Dort wird nicht nur für kreative Freizeitgestaltung geworben, sondern auch für das Töten: Die Bundeswehr nutzt die Gelegenheit, um die junge Generation ans Militär heranzuführen. Auf Kritik wegen mehrdeutiger Werbeparolen der Armee erwiderte ein Bundeswehr-Sprecher am Donnerstag: »So wie andere Arbeitgeber auch wollen wir dort mit IT-affinen jungen Menschen ins Gespräch kommen und ihnen die beruflichen Chancen bei der Bundeswehr nahebringen.«

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) protestierte am Donnerstag in einer Pressemitteilung gegen die Werbung der Bundeswehr auf der Videospielmesse »Gamescom«, die bis zum heutigen Samstag in Köln stattfindet:

Mehr als 300.000 Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr zur Videospielmesse Gamescom nach Köln. Während sich die zumeist sehr jungen Leute auf der Messe über die neuesten Spiele informieren, versucht die Armee, sie für den Dienst an der Waffe zu gewinnen. Die Grenzen zwischen Spiel und Militärdienst versuchen die Bundeswehr-Rekrutierer dabei zu verwischen, heißt es in der Erklärung. So wirbt die Bundeswehr im Umfeld der gerade stattfindenden Gamescom auf Plakaten mit den Slogans »Multiplayer at its best« (übersetzt: »Mehrspieler(-Modus) vom Feinsten«) und »Mehr Open-World geht nicht« – offene Spielwelten sind seit Jahren ein Trend in Videospielen. Friedensaktivi­stinnen und -aktivisten sehen darin einen klaren Trend zur Verharmlosung des Dienstes an der Waffe.

»Auslandseinsätze in Mali und Afghanistan sind kein Open-World-Spiel, sondern tödlicher Ernst«, so Kathi Müller von der DFG-VK. Die Bundessprecherin des Verbandes ist selbst vor der Messe in Köln aktiv, um die jungen Besucherinnen und Besucher vor dem Eintritt in die Armee zu warnen: »Die Bundeswehr verschweigt die negativen Aspekte des Dienstes an der Waffe und lockt junge Menschen mit Versprechen, die sie nicht halten kann«, so Müller. Die Karrierechancen seien etwa angesichts eines absehbaren Beförderungsstaus schlecht. Statt Abenteuer drohten jungen Rekrutinnen und Rekruten Traumatisierungen im Auslandseinsatz. »Wir fordern ›Game Over‹ für die Bundeswehr auf der Gamescom (…) «, so Kathi Müller. (jW/ZLV)

Ein Junge sitzt bei der »Gamescom« am Stand der Bundeswehr auf dem Sitz eines Kampfflugzeugs »Tornado« und wird von einem Soldaten eingewiesen (Foto: dpa)

Freitag 24. August 2018