Aktion der Studentenorganisation UNEL

Jede Arbeit gehört bezahlt!

Die fortschrittliche Organisation Luxemburger Studierender hat gestern mit einer symbolischen Aktion am Knuedler, bei der mit Bällen mit der Aufschrift »Arbeitserfahrung« auf einen Heben geschossen und damit ein symbolischer Stagiar ins Wasser befördert wurde, auf den Mißstand aufmerksam gemacht, daß Stages, die obligatorisch von den Unis verlangt werden und für die sie eine Konvention mit den Betrieben vorgelegt kriegen müssen, in Luxemburg nicht bezahlt werden.

Das vom LSAP-Arbeitsminister vorgelegte Gesetzesprojekt will mit diesem Skandal ausdrücklich nicht aufräumen, verbindet es aber mit dem Bonbon, freiwillige Stages seien zu entlohnen. Die Folge von so einem Gesetz wird natürlich sein, daß kein Betrieb mehr freiwillige Stagiare aufnimmt.
Regelrecht pervers ist das angesichts der Tatsache, daß Ferienjobs von Gesetzes wegen zu entlohnen sind, und zwar je nach Alter und damit angenommener Leistungsfähigkeit. Selbiges verlangt die UNEL nun auch für die Stages und fordert eine Verbesserung des am 5.3.2018 deponierten Gesetzes mit der Nummer 7265, das im letzten Abdrücker nicht mehr durch die Chamber ging.

Damit gelang es der Regierung, die mit jugendfeindlichen Kürzungen beim Cedies 2014 begonnen hatte, es mit der Jugendgarantie fortsetzte, indem jugendliche Arbeitslose zur Verschönerung der Statistik in unterbezahlte Maßnahmen abgeschoben werden, zumindest nicht mehr, auch noch mit einer jugendfeindlichen Maßnahme aufzuhören. Daß es dazu den Segen der unpolitischen Acel gab, wurde gestern nicht erwähnt, sollte die Sänger und Trinker aber trotzdem beschämen. Es darf geraten werden, ob es der UNEL gelingt, von den kandidierenden Listen die Zusage vor der Wahl für eine Verbesserung des Gesetzestextes zu kriegen.

Bemerkenswert ist, daß in Frankreich alle Stages bezahlt werden, und im EU-Parlament auch. Es sollte also möglich sein, sich daran zu orientieren mit einer Gleichstellung von obligatorischen und freiwilligen Stages, die bei Aufnahme in ein Dienstverhältnis auf die Probezeit angerechnet werden. Je nach bereits erreichtem Studienerfolg sollte die Bezahlung gestaffelt und die Rolle des Tutors klar definiert sein, worauf das vorliegende Gesetzesprojekt vergißt. Den Betrieben sollte eine Qualitätssicherung abverlangt werden und der Staat sollte einen Fonds auflegen, aus dem Klein- und Mittelbetriebe unterstützt werden, wenn sie Stages anbieten. Das würde zu mehr Praktikumsplätzen führen, und das wird gebraucht! Damit wäre dann auch der Zugang zu Stages garantiert, was aktuell nicht vorgesehen ist.

Die Ausrede, den Studierenden stehe ja sowieso ein Stipendium zu, um die Nicht-Bezahlung zu begründen, zeigt die Kurzsichtigkeit Bessergestellter. Denn in der Zeit eines Stages ist es weder möglich wie neben dem Studium noch einer bezahlten Arbeit nachzugehen, noch gibt es bei einem Stage in Luxemburg die Mobilitätsbörse von 1.000 €. Und wenn die Studienzeit bereits überzogen ist um die zwei Zusatzsemester (z.B. weil wer nach dem ersten Jahr die Studienrichtung gewechselt hat), gibt es gleich gar kein Stipendium.

Bei aller Patronatsfreundlichkeit der Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei sollte es nicht möglich sein, Studierende im Stage als billige Arbeitskräfte auszunutzen, denn wenn sie die Arbeit, die sie da leisten, nicht erledigen, muß das ja wer anderer tun, der entlohnt wird. Am Ende verschwindet dadurch ein bezahlter Arbeitsplatz. Daß das kein Hirngespinst ist, wurde unfreiwillig damit demonstriert, daß einer der Berichterstatter, die zu dieser Aktion geschickt wurden, das für lau im Stage tat.

jmj

Vom Regen in die Traufe beim Stage: UNEL mit symbolischer Aktion gegen die Prekarität durch unbezahlten Stage, zum Glück für den Betroffenen bei über 30 Grad

Mittwoch 22. August 2018