Folter im Geheimgefängnis

Schwere Vorwürfe gegen Vereinigte Arabische Emirate im Krieg gegen den Jemen. Inhaftierte werden mißhandelt, zivile Ziele bombardiert

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sollen im Süden des Jemen 27 geheime Gefängnisse unterhalten, in denen Soldaten die inhaftierten politischen Gegner foltern und sexuell mißbrauchen. Das meldete der Fernsehsender Al-Dschasira auf seiner Onlineseite. Der TV-Sender aus Katar beruft sich auf Berichte ehemaliger jemenitischer Militärs, die für die Kriegsallianz aus Saudi-Arabien und den VAE arbeiteten.

Die Haftanstalten sollen unter anderem in Hadramaut, Aden, Sokotra und auf der Vulkaninsel Perim liegen. Manche Inhaftierte würden auch nach Eritrea verschleppt, wo die Emirate einen Militärstützpunkt unterhalten. In den Berichten ist die Rede davon, daß Gefangene mit Elektroschocks an den Genitalien gefoltert werden. Häftlinge sollen an der Decke aufgehängt und mit Kabeln, Peitschen, Eisenstangen oder Baseballschlägern verprügelt werden. »Danach werden ihre Wunden mit Salz bedeckt«, schreibt Al-Dschasira. Mindestens 49 Menschen sollen an den Folgen der Folterungen gestorben sein.

Die Vorwürfe gegen die Vereinigten Arabischen Emirate sind nicht neu. Im Juni berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) über die geheimen Kerker, deren Zahl damals mit »mindestens 18« angegeben wurde. Einer der größten Folterknechte war demnach ein Mann namens Awad Raschad, genannt »die Bestie«. Er soll inzwischen an einem unbekannten Ort leben. An seine Stelle ist offenbar ein gewisser Ali Al-Emirati gerückt.

Die Regierung in Abu Dhabi nahm zu den Vorwürfen bislang keine Stellung. Das USA-Kriegsministerium teilte auf Anfrage von AP mit, daß es keine Hinweise auf Folter im Jemen gebe. »Wir haben keine glaubwürdigen Berichte erhalten, die diese Vorwürfe belegen«, sagte ein Sprecher des Pentagon damals. US-amerikanische Offiziere, die nicht genannt werden wollen, geben dagegen zumindest zu, an Verhören beteiligt gewesen zu sein.

Die Emirate kontrollieren weite Teile des Südjemen. Dabei sollen sie geheime Abkommen mit den Kämpfern des Ablegers von Al-Qaida im Jemen, AQAP, geschlossen haben, bei deren Zustandekommen auch Geld geflossen sein soll, wie AP am 7. August berichtete. Die Recherchen der Nachrichtenagentur haben ergeben, daß mehrere hundert Mitglieder der Terrororganisation für mit den VAE verbündete Truppen rekrutiert worden sind, um gegen die »Huthi-Rebellen« zu kämpfen, wie die Ansarollah in westlichen Medien genannt wird.

»Diese Vereinbarungen und Allianzen erlauben militanten Al-Qaida-Mitgliedern das Überleben, um irgendwann weiterzukämpfen, und riskieren, den gefährlichsten Zweig des Terrornetzwerks zu stärken«, warnt AP. Die USA seien darüber informiert und hätten deshalb ihre Drohnenangriffe auf die Dschihadisten eingestellt. Die Eindämmung des iranischen Einflusses in der Region habe für Washington Priorität. Ein ungenannt bleibender hoher USA-Offizieller räumte am Mittwoch gegenüber AP ein, daß die Emirate Stammesführer bezahlen, damit diese die Islamisten aus ihren Dörfern und Städten vertreiben. Viele der lokalen Scheichs haben Al-Qaida lange gewähren lassen, weil es für sie lukrativ war.

Die VAE streiten eine Zusammenarbeit mit der Terrororganisation ab. »Die wollen nicht verhandeln. Die meisten von ihnen sind harte Kerle. Die wollen kämpfen«, sagte Brigadegeneral Musallam Al-Raschedi gegenüber AP.

Seit März 2015 führen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate mit logistischer Unterstützung durch die USA einen grausamen Krieg gegen den Jemen. Die Ansarollah hatte 2014 die Kontrolle über große Teile des Jemen einschließlich der Hauptstadt Sanaa erlangt. Die von Riad geführte Allianz will jedoch den damals aus dem Amt gejagten jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi wieder einsetzen.

Der Krieg wird mit großer Brutalität geführt. Am 9. August kamen bei einem Bombenangriff in der Provinz Saada mehr als 50 Menschen um. Die meisten von ihnen waren Kinder, die gerade auf dem Weg zu einer Koranschule waren. »Im Juni führten Saudi-Arabien und die VAE 258 Luftangriffe auf den Jemen aus, beinahe ein Drittel von ihnen auf nichtmilitärische Einrichtungen«, so Al-Dschasira. Zu den attackierten Zielen gehörten Wohngebiete, Wasser- und Elektrizitätswerke, Krankenhäuser und ein Flüchtlingslager.

Gerrit Hoekman

Kinder, die mit ihrer Familie aus der Küstenstadt al-Hudaida vertrieben wurden, am 17. August vor einer notdürftig zusammengezimmerten Unterkunft in Sanaa (Foto: dpa)

Dienstag 21. August 2018