Damit Löhne nicht gekürzt und Prämien nicht weiter gestrichen werden

Seit Jahren sind Lohnfragen immer häufiger die Ursache dafür, dass Kollektivvertragsverhandlungen in der Sackgasse landen und das Nationale Schlichtungsamt eingeschaltet werden muss.

Besonders seit dem Beginn der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise gibt es Beispiele zuhauf, die belegen, dass das Patronat alles aus der Welt geschafft sehen möchte, was die Finanzen des Betriebs belastet. So drücken die Unternehmer besonders bei Lohnfragen immer fester aufs Bremspedal. Dies, mit der fadenscheinigen Begründung, Lohnforderungen, und seien diese auch noch so gering, würden die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gefährden.

In so manchen Firmen wurden bereits aus diesem Grund die Anfangslöhne nach unten revidiert. Hinzu kommt, dass das Patronat immer weniger Bereitschaft zeigt, über die Aufrechterhaltung bestehender oder das Schaffen neuer Lohntabellen, die Betriebszugehörigkeit und Berufserfahrung berücksichtigen sollen, zu verhandeln. Lohnaufbesserungen sind so manchen Unternehmern nicht mal mehr eine Diskussion wert.

Was zur Folge hat, dass die Zahl von Erwerbstätigen, die während ihrer gesamten Laufbahn nicht oder kaum mehr als den Mindestlohn verdienen, ständig wächst. Ihr Einkommen wird lediglich nur dann aufgebessert, wenn die Löhne an die Preisentwicklung angepasst werden. Was aufgrund des mehrfachen Indexklaus seit 2007 allerdings nur mehr selten der Fall war. Doch damit nicht genug. Auch Abzüge werden so langsam zur Regel, gilt doch bereits heute in immer mehr Betrieben die Regelung, dass Fehlstunden («absentéisme») dazu führen, dass aufgrund von Krankmeldungen das Auszahlen von Gratifikationen, Produktivitätsprämien, Urlaubsgeld oder Jahresendprämien entweder gekürzt oder ganz vorenthalten werden.

Doch nicht nur bei Lohnfragen zeigen Unternehmer heutzutage immer deutlicher ihr wahres Gesicht. Auch andere Zugeständnisse aus früheren Jahren, die aus ihrer Sicht die Lohnmasse zu sehr belasten, sollen, trotz deutlich schlechter werdender Arbeitsbedingungen, zunehmender Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitszeitorganisation, abgeschafft, zumindest beschnitten werden. Dies gilt in erster Linie für Prämien, hart erkämpfte Zuschüsse und Sonderregelungen, die nicht im Arbeitsrecht festgehalten sind.

Wenn man die vielen Unannehmlichkeiten betrachtet, mit denen sich die Personalvertreter täglich auseinandersetzen müssen, muss einem bange vor der Frage sein, wie groß eigentlich die Probleme und Schikanen in Betrieben sind, in denen es weder Personalvertretungen, noch Kollektivverträge gibt. Immerhin betrifft dies fast die Hälfte aller Schaffenden.

Mit der Absicht der Unternehmer, Löhne zu »torpedieren« und Errungenschaften der arbeitenden Menschen reihenweise platt zu walzen, muss endlich ein für allemal Schluss sein. Solche und ähnliche vom Patronat beabsichtigte Verschlechterungen können allerdings nur dann erfolgreich abgewehrt werden, wenn sich die Gewerkschaften diesen mit aller Macht entgegen setzen, und dabei, wie zuletzt bei den Streiks im Pflegebereich, vom betroffenen Personal tatkräftig unterstützt werden.

Gilbert Simonelli

Freitag 17. August 2018