Hoch gepokert

USA wollen Weltraumstreitkraft gründen

Die Supermacht bäumt sich auf. Hat da jemand von globalen Kräfteverschiebungen gesprochen, vom Aufstieg Chinas, von der machtpolitischen Konsolidierung Rußlands, vom Einflußstreben der EU – und vom relativen Abstieg der USA, der mit all dem zusammenhängt? Nun, da mögen die Außenpolitikexperten noch so viel über das Ende der unipolaren Ära schwadronieren: Die Trump-Administration schlägt Pflöcke ein.

Mit Strafzöllen und Sanktionen attackiert sie alle Rivalen, und jetzt spielt sie zusätzlich eine neue Karte in ihrer Trumpffarbe aus, dem Militär: Das Pentagon wird seine kriegerischen Aktivitäten im Weltraum in einer eigenen Teilstreitkraft zusammenführen, in der neu zu schaffenden Space Force. Einschlägige Experten sollen darin zu »Weltraumkriegsführungsprofis« fortgebildet werden und die Ressourcen erhalten, um die US-amerikanische »Weltraumkriegsführung zu verbessern und zu entwickeln«: »Wir müssen amerikanische Dominanz im Weltraum haben«, hat Vizepräsident Michael »Mike« Pence am Freitag geäußert, »und das werden wir.«

Werden sie? Man wird sehen. Der Grundgedanke, der die Trump-Administration antreibt, ist simpel: Gelingt es, die künftige US Space Force zur beherrschenden Weltraumstreitmacht auszubauen, dann können die USA ihre militärische Dominanz zumindest eine Zeitlang sichern. Und vielleicht bleibt ja auch der eine oder andere Rivale, Rußland etwa, zuvor auf der Strecke, weil er im teuren globalen Wettrüsten finanziell nicht mehr mithalten kann und aufgeben muß – die Methode Reagan, sozusagen; Star wars à la SDI läßt grüßen. Washington, könnte man meinen, ist mit dem bewährten alten Rezept auf Siegeskurs.

Ganz so einfach liegen die Dinge allerdings nicht. China ist nicht die Sowjetunion der 1980er Jahre: Es befindet sich ökonomisch und politisch nach wie vor im Aufschwung – und es rückt inzwischen auch militärtechnologisch immer weiter nach vorn. In der vergangenen Woche hat Peking mitgeteilt, erfolgreich ein Hyperschallfluggerät getestet zu haben; als Waffe genutzt, ist es mit konventionellen Abwehrmitteln auch der USA-Streitkräfte kaum aufzuhalten. Erst im Juni warnte Robert Work, der unter Obama und Trump als Vize-Kriegsminister gedient hatte, die USA drohten auch auf weiteren Gebieten, etwa bei der elektronischen Kriegführung, gegenüber der Volksrepublik ins Hintertreffen zu geraten.

Und: Die Sache mit dem Wettrüsten kann finanziell ebenso nach hinten losgehen wie der Trumpsche Handelskrieg, der mittlerweile so manchem USA-Unternehmen durchaus schmerzhafte Einbußen bringt. Auch mit Blick darauf, daß das USA-Haushaltsdefizit sich rasant der Schwelle von einer Billion US-Dollar nähert, beschwert sich so mancher Republikaner, Gewißheit bestehe bei der künftigen Space Force nur darin, daß sie die Kosten explodieren lassen wird. Ob sich das Handelskriege führende, offen als globaler Strafmeister auftretende Washington nicht so langsam überhebt, ist noch längst nicht ausgemacht.

Jörg Kronauer

USA-Vizepräsident Michael »Mike« Pence am Freitag im Pentagon: »Wir müssen amerikanische Dominanz im Weltraum haben« (Foto: EPA-EFE)

Montag 13. August 2018