Wachstum auf dem Findel und die Folgen:

Lärm als Gefahr für die Gesundheit

In diesen Spalten war gestern im Detail zu lesen, wie sich die Zahl der Flugbewegungen am Findel seit 2009 entwickelt hat. Im vergangenen Jahr wurden nie dagewesene Höchststände erreicht, auch in der Nacht. Durchschnittlich wird die Nachruhe zwischen 23 und 6 Uhr sechsmal jede Nacht gestört, während es von 6 bis 23 Uhr im Durchschnitt 176 Flugbewegungen sind. Das sind zehn Prozent mehr als jener Deckel, den die Flughafenanrainer jahrelang gefordert haben, und zwar einschließlich der Privatfliegerei, die in diesen Zahlen nicht enthalten ist. Von einer definitiven Obergrenze bei den Flugbewegungen am Findel wollte die aktuelle Regierung jedenfalls nichts mehr hören: Wachstum war ihr einziges Ziel. Das ist wohl ursächlich damit verbunden, daß die beiden Hauptgesellschaften am Findel, die Cargolux und die Luxair, Firmen in direktem oder indirektem Staatsbesitz sind, und beide kaum Geld verdienen. Die Luxair ist dabei wohl das einzige Flugunternehmen weltweit, das in keinem einzigen Jahr ihres Bestehens Geld mit dem Fliegen verdient hat.

Nun ist es leider so, daß ein Mensch die Augen, nicht aber die Ohren schließen kann. Ständiger Lärm hat jedoch nachweislich negative Auswirkungen auf die Gesundheit, ganz besonders im kardio-vaskulären Bereich. Fluglärm ist dabei durch das An- und Abschwellen besonders unangenehm. Alle drei Minuten eine Kiste ist daher eine Schreckensvorstellung für Anrainer, die den Wunsch nach einer Obergrenze hervorgerufen hat. Ob wer anderer als die KPL diese Forderung zu unterstützen bereit ist? Aktuell hat sich noch keine zweite kandidierende Liste dafür ausgesprochen. Dabei ist es für das deutsche Bundesumweltamt absolut unbestreitbar, daß Lärm ein erhebliches Umweltproblem ist und dauerhafter Fluglärm zu Risikoerhöhungen für Erkrankungen führt. Ohne Deckelung der Flugbewegungen kommt es aber zu dauerhaftem Fluglärm!

WHO-Empfehlungen

In der Nacht wird die Störung des Schlafs durch Fluglärm noch problematischer. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, den Wert von 40 Dezibel in der Nacht nicht zu überschreiten. Das ist bereits ein Kompromiß, da nur bis 30 Dezibel keine wesentlichen biologischen Effekte festgestellt wurden. Darüber beginnen schon moderate Auswirkungen wie Körperbewegungen und Aufwachreaktionen, ganz besonders beim Anschwellen des Lärms beim Herannahen eines Flugzeugs. Ab 40 Dezibel beginnen aber negative Folgen für die Gesundheit, über 55 Dezibel wird die Gesundheit zunehmend beeinträchtigt. Ganz besonders das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten steigt an, aber auch von Migräne und Allergien.

Über individuelle Unterschiede hinaus ist das Schlafbedürfnis vom Lebensalter abhängig. Bis zum ersten Monat schläft ein Säugling 16 bis 17 Stunden pro Tag. Bis vier Jahre braucht ein Kleinkind 12 bis 15 Stunden Schlaf. Bis zehn Jahre sind es immer noch acht bis zehn Stunden, bis 12 Jahre acht bis neun und erst ab 18 Jahren nur noch sieben bis acht Stunden.

Kinder am meisten gefährdet

Festzustellen ist also, daß Kinder, je kleiner sie sind, umso mehr unter Fluglärm leiden. Bei Kindern wurden zudem durch Fluglärm hervorgerufene Alpträume festgestellt, nach denen das erneute Einschlafen besonders schwer fällt. Schlafmangel wirkt sich jedoch nicht nur in übler Laune, sondern auch in Konzentrations- und Leistungsmangel in der Schule aus. Das ist negativ für das ganze Leben der Betroffenen.

Daraus leitet die WHO die Mindestanforderung für den Schutz der Nachruhe von acht Stunden ab, die in Luxemburg nicht einmal dann eingehalten würde, wenn am Findel zwischen 23 und 6 Uhr überhaupt nicht geflogen würde.

Das war nicht immer so. Bis Mitte der 80er Jahre war zwischen 22 und 7 Uhr absolute Ruhe, weil da weder Gendarmen noch Zöllner noch Feuerwehrleute vor Ort waren. Allen, die bis Mitte der 80er Jahre eine Wohnung oder ein Haus rund um den Findel gekauft oder gebaut haben, kann somit nicht vorgeworfen werden, gewußt zu haben, neben einem Flughafen zu wohnen. Denn für sie war wohl klar, in der Nähe eines Flughafens zu wohnen, aber in der Nacht herrschte absolute Ruhe, während die Belästigungen am Tag ebenfalls längst nicht den heutigen entsprachen.

Interessant ist in dem Zusammenhang übrigens, daß es das Umweltbundesamt aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes für erforderlich hält, bei stadtnahen Flughäfen ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr einzuhalten. Und der Findel ist zweifelsfrei ein stadtnaher Flughafen.

Denn, immer laut Umweltbundesamt, lösen Schallschutzfenster das Fluglärmproblem nicht. Dies weil Untersuchungen in der BRD ergeben haben, daß auch bei solchen Fenstern gestiegene Arzneimittelverordnungen und nachtflugbedingte Erhöhungen von Gesundheitsrisiken zu verzeichnen waren. Dazu kommt die Feststellung, die Bevölkerung fühle sich belästigt, wenn sie die Fenster wegen des Lärms schließen muß. Besonders im Sommer möchten viele ihre Fenster nachts öffnen, weil dies angenehmer ist als das Nutzen von Belüftungsanlagen.

Die nächste Regierung wird daher im Interesse der Volksgesundheit und des CNS-Budgets gut beraten sein, sich am Erfordernis einer mindestens acht Stunden dauernden Nachtruhe zu orientieren. Um das zu erreichen, sind KPL-Abgeordnete natürlich die beste Hilfe!

jmj

Mittwoch 1. August 2018