Bei Tag und Nacht mehr Fluglärm am Findel:

Geschäftsziel: Immer mehr

Das Wahljahr 2009 wurde am Findel mit 51.801 Flugbewegungen (ohne Privatfliegerei) abgeschlossen, von denen nur 915 in der Zeit zwischen 23 und 6 Uhr erfolgten. Daß das niedrige Nachtflugergebnis dem Wahljahr geschuldet war, zeigte das Jahr danach, wo die Zahl auf 1.550 hochschoß, obwohl die Gesamtzahl der Flugbewegungen auf 51.636 leicht sank.

Im Verlauf der Legislaturperiode gingen dann die Nachtflüge nach unten, jene am Tag nach oben. Als das Land 2013 im Spitzeldienstfieber lag, kam es zu 54.246 Flugbewegungen, von denen wieder 1.492 Nachtflüge waren.

Dann kamen drei Gréng ins Nachhaltigkeitsministerium und alles wurde besser: 2014 bilanzierte mit 55.703 Flugbewegungen, davon 1.554 Nachtflüge; 2015 mit 56.874 Flugbewegungen, davon 1.806 Nachtflüge; 2016 mit 61.483 Flugbewegungen, davon 1.991 Nachtflüge und 2017 mit nie dagewesenen 66.332 Flugbewegungen, davon nie dagewesene 2.226 Nachtflüge. Oje, nichts wurde besser, alles wurde schlechter! Zumindest für die Flughafenanrainer.

Bemerkenswert ist, daß da keinesfalls nur gelandet wurde nach 23 Uhr. In 895 Fällen wurde auch gestartet, also in 40,21%! Nun entfallen zwar 63,12% der nächtlichen Flugbewegungen auf die Zeit von 23:01 bis 23:59 Uhr. Das ist nicht wirklich tröstlich, ist das doch die Zeit, in der endlich ein Einschlafen möglich sein sollte, denn zwischen 22 und 23 Uhr kommt fast alle drei Minuten eine Lärmkiste in der Luft. Und diese 1.405 Flugbewegungen – 686 Landungen und 719 Starts – bedeuten durchschnittlich fast vier Flüge pro Nacht! Ruhe sieht anders aus, umso mehr in der Stunde danach weitere 186 Landungen und 116 Starts folgen, also fast jede Nacht eine Bewegung.

Dabei gilt es im Vorbeigehen noch eine Propagandabehauptung zu enttarnen. Die neueste Boeing der Cargolux macht nicht ein Drittel weniger Lärm, sondern ein Drittel weniger lang Lärm. Für die Schlafstörung, bewußt oder unbewußt, was laut Weltgesundheitsorganisation WHO beides gesundheitsschädlich ist, macht das überhaupt keinen Unterschied.

Das Sündenkonto

Richtig spannend ist, wer diese Nachtflüge durchführte. 51% oder 1.111 gehen tatsächlich auf das Konto des Hauptverdächtigen Cargolux, 26% oder 558 auf das Konto der Luxair, die zweite Staatsfirma am Findel. Bleiben völlig unerklärliche 23%: 6% oder 130 nächtliche Bewegungen für die »General Aviation«, also das bessere Pack, das sich Privatflüge leisten kann. Regierungsmitglieder aller EU-Länder sind da auch dabei. Für die gibt’s leider rechtlich freien Flug egal zu welcher Uhrzeit, für einfach nur Reiche aber nicht. Aufgegliedert ist das leider nicht, weswegen wir nicht sagen können, was davon leider legal und was auf jeden Fall illegal ist.

Klar aber ist, daß alles weitere illegal ist: 141 Nachtflüge für Qatar Airways, 74 für Cargolux Italia, 37 für die Frachtfluggesellschaft China, 33 für die Ryanair, 23 für Easyjet, 16 für Silk Way, 14 für KLM, 12 für Vueling, 10 für Lufthansa und zwei für TAP. Letztere sündigte 2017 gegenüber dem Vorjahr 43 Mal weniger, die Lufthansa sündigte sechsmal weniger, die General Aviation fünfmal weniger, China blieb gleich, alle anderen legten zu, am meisten Luxair (+112) und Qatar Airways (+93) aber auch Cargolux Italia (+35) und Ryanair (+30). Nach welchem grünen Gummiparagraphen das ging, ist unbekannt.

Versprochen, gebrochen

Im Hinblick auf die Wahlen kam aus dem Nachhaltigkeitsministerium die Ankündigung, in diesem Jahr werde für die Stunde vor Mitternacht eine Rechtfertigung für Verspätungen bei der Landung verlangt. Für die Zeit nach Mitternacht sollte es noch strenger sein, während die Anstrengungen zur Vermeidung von Starts nach Mitternacht verstärkt werden sollten.

Das hat bereits den Nachteil, butterweich zu sein und nicht strikt die Einhaltung der Vorschriften zu versprechen. Tatsächlich muß festgehalten werden, daß es in den ersten drei Monaten 2018 nicht weniger wurde zwischen 23 und 6 Uhr, sondern 80 mehr als 2017. Das waren somit 485, und in den drei Monaten danach kamen noch einmal 583 hinzu. Das erste Halbjahr schloß also mit 1.068 Nachtflügen, und das ganz ohne die Stunde zwischen 6 und 7 Uhr, die laut EU auch noch zur Nachtruhe zu zählen ist: Acht Stunden Schlaf braucht der Mensch offiziell! Fix ist somit bereits heute, daß das Versprechen der Gréng im Nachhaltigkeitsministerium 2018 nicht eingehalten wird. Und die sollen wirklich bis 2023 so weitermachen dürfen? Bitte nicht!

jmj

Dienstag 31. Juli 2018