Saudische Kriegsallianz behindert Öltransporte

Sperrung der Route durch das Rote Meer soll Ausweitung des Krieges im Jemen provozieren

Nach einem Angriff auf zwei Öltanker am vergangenen Mittwoch, hat Saudi Arabien die wichtige Schiffahrtsroute durch das Rote Meer geschlossen. Der Vorfall ereignete sich nach offiziellen saudischen Angaben nördlich des Bab al Mandab, einer wichtigen Passage in das Rote Meer. Riad macht die Bewegung Ansar Allah der Huthis verantwortlich. Die saudische staatliche Ölgesellschaft Aramco teilte mit, daß einer der zwei Tanker, die Rohöl transportierten, leicht beschädigt worden sei. Umweltschäden habe es nicht gegeben.

Analysten warnen davor, der Vorfall könnte die westliche Intervention in den Jemen-Krieg ausweiten, um die Ölrouten zu sichern. Im Magazin »Forbes« schrieb Ellen Wald vom Atlantic Council, sollte es im Roten Meer zu Unterbrechungen der Schifffahrtswege kommen, hätten »europäische Mächte, Ägypten und die Vereinigten Staaten allen Grund, (gegen die Huthis) zu intervenieren«. Möglicherweise, so die Autorin weiter, sei das genau, was Saudi Arabien erreichen wolle.

Nach Angaben der US-amerikanischen Behörde für Energieinformationen (EIA) werden täglich etwa 4,8 Millionen Barrel Rohöl und raffinierte Produkte durch das Rote Meer Richtung Europa transportiert. Der kuwaitische Ölexperte Kamel al-Harami geht davon aus, daß sich die Lieferungen um zwei Wochen verzögern werden, da die Tanker um Südafrika umgeleitet würden. Die Spannungen würden zunehmen, sollte die internationale Marinepräsenz im Golf von Aden zunehmen.
Generalmajor Qassem Solimani, Kommandeur der iranischen Al Quds-Brigaden sagte, das früher sichere Rote Meer sei »nicht mehr sicher, seit die Amerikaner dort sind«.

Bab al Mandab (Tor der Tränen) ist eine strategisch wichtige Meerenge, die das Arabische Meer und den Golf von Aden mit dem Roten Meer, dem Suez-Kanal und dem Mittelmeer verbindet. Sowohl für Militär als auch für die Ölindustrie ist Bab al Mandab eine der wichtigsten strategischen Meerengen weltweit. Auch die deutsche Bundesmarine ist dort im Rahmen der Auslandsoperation Atalanta im Einsatz.

Im März 2015 hatte Saudi Arabien den Jemen militärisch überfallen, um in einem internen Machtkampf zugunsten des im Exil lebenden Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi einzugreifen. Sein Gegenspieler, der frühere Präsident Ali Abdullah Saleh stand auf der Seite der Huthis, die vom Iran unterstützt werden. Saleh wurde im Dezember 2017 ermordet.

Nach Angaben der UNO sind in dem Krieg mindestens 10.000 Menschen getötet worden, darunter mindestens 2.200 Kinder. Mehr als 20 Millionen Jemeniten sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, die medizinische Versorgung im Land ist weitgehend zusammengebrochen. Ansteckende Krankheiten wie Cholera gehören wieder zum Alltag. Zivile Infrastruktur und große Teile der einzigartigen jemenitischen Architektur, die zum Weltkulturerbe gehört, wurden bei Luftangriffen der unter saudischer Führung operierenden Kriegs-Allianz zerstört.

Anfang des Jahres riegelte Saudi Arabien die Hafenstadt Hodeida am Roten Meer von der Seeseite her ab und stoppte Hilfslieferungen aus dem Ausland. Hodeida ist der einzige Weg für die UNO und internationale Hilfsorganisationen, Nahrungsmittel und Medikamente für die bedrängte Bevölkerung im Norden und Zentrum des Jemen zu liefern.

Im Juni startete die von Saudi Arabien geführte Koalition eine Militäroffensive auf den Hafen Hodeida unter dem Vorwand, die Huthis würden durch den Hafen angeblich Waffen schmuggeln und von dort die internationale Schifffahrt angreifen. Der Angriff auf Hodeida wurde maßgeblich von Truppen der Vereinigten Arabischen Emirate geführt. Die französische Tageszeitung »Le Figaro« berichtete damals, daß französische Spezialeinheiten Milizen Saudi Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate unterstützten.

Unter internationalem Druck und UNO-Vermittlungsbemühungen wurden Mitte Juli die Angriffe der Vereinigten Arabischen Emirate auf Hodeida vorerst eingestellt. Abdel Malek al-Huthi, Führer der revolutionären Bewegung Ansar Allah (Houthis) erklärte sich in einem Gespräch mit »Le Figaro« bereit, der UNO die Kontrolle über den Hafen zu überlassen. Voraussetzung sei allerdings, daß Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Offensive vollständig stoppen müßten.
Die Huthis gehören der religiösen Richtung der Zaiditen an, einer Strömung der schiitischen Muslime.

Karin Leukefeld
(Foto: AFP)

Dienstag 31. Juli 2018