Weltwirtschaft im Umbau

USA-Handelskrieg und seine Auswirkungen

Drei Städte, drei Treffen, drei Baustellen, auf denen die maßgeblichen Mächte der Welt an deren künftiger Gestaltung schraubten: Der Mittwoch dieser Woche ist für die globale Wirtschaft ein wichtiger Tag gewesen. In Washington sprach EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei USA-Präsident Donald Trump vor; in Tokio verhandelte der deutsche Außenminister Heiko Maas mit seinem Amtskollegen Taro Kono; in Johannesburg starteten die BRICS-Staaten ihren diesjährigen Gipfel. Und überall stand explizit oder implizit dasselbe im Zentrum: Donald Trumps Handelskrieg.

In Washington ging es um Hahnenkämpfe im transatlantischen Bündnis. Die alternde Allianz leidet daran, daß der bisherige Hegemon, die USA, auf den Niedergang zusteuert und gleichzeitig die deutsch dominierte EU zur Weltmacht werden will. Trump droht dem deutschen Rivalen mit Kfz-Strafzöllen, um ihn dort zu packen, wo es ihm wehtut; Juncker sollte das abwenden. Wie, war vollkommen unklar: Er hatte vorab aus Berlin und Paris diametral gegensätzliche Direktiven erhalten. Berlin fürchtet um seine Paradebranche und will um jeden Preis verhandeln; Paris verkauft fast keine Autos in die USA und gibt, von den Strafzöllen kaum betroffen, den starken Mann.

In Tokio bemühte sich derweil Maas, für den Streit mit Washington Verbündete zu sammeln. Seit der USA-Präsident den Protektionisten macht, gibt die deutsche Bundesregierung das Freihandelsidol. China hat sich dabei mehrmals als Partner im Kampf gegen Trumps Strafzölle angeboten; Berlin ist darauf aber nicht eingeschwenkt: An der Seite des weiterhin erstarkenden Peking würde es wohl schnell zum Juniorpartner. Stattdessen bemüht es sich jetzt um einen Pakt mit Tokio, das ebenfalls von Trump mit Strafzöllen geprügelt wird. Gelänge es, die »Allianz der Multilateralisten«, wie sie heißen soll, um andere Staaten zu erweitern und mit ihr den Handelskampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika zu gewinnen, dann stünde Berlin vielleicht wirklich auf Augenhöhe mit den USA.

In Johannesburg suchen die BRICS-Staaten, von denen vier – Brasilien, Rußland, Indien, China – schon jetzt, das fünfte – Südafrika – womöglich bald von USA-Strafzöllen getroffen werden, nach Optionen, ihre Einbußen in den USA durch Umschichtungen im Handel untereinander auszugleichen. Ökonomisch und politisch äußerst unterschiedlich, haben sie sich aber mit der Gründung der New Development Bank, einem Gegenmodell zur Weltbank, als Führungsmächte der aufstrebenden Schwellenländer positioniert. Die USA-Strafzölle könnten helfen, sie enger zusammenzuschweißen; während die EU und die USA sich in den Haaren liegen und Berlin im fernen Tokio Achsenbildung betreibt, könnte die aufstrebende Welt – so verschieden ihre Teile auch sind – die Chance zum Durchstarten nutzen. Könnte: Prognosen verbieten sich in der heute so unübersichtlichen Welt wohl mehr denn je.

Jörg Kronauer

Chinas Präsident Xi Jinping auf dem BRICS Business Forum in Johannesburg (Foto: XinHua/dpa)

Donnerstag 26. Juli 2018