»Helfer« wollen nicht mehr helfen

Regierungsfeindliche »Weißhelme« sind nach Israel geflüchtet

Israel hat in der Nacht zum Sonntag 800 sogenannte »Weißhelme« und ihre Angehörigen aus dem Südwe­sten Syriens evakuiert. In er­sten Meldungen hieß es, daß unter den Evakuierten 270 Angehörige der »Syrischen Zivilverteidigungskräfte« (»Weißhelme«) und eine nicht genannte Zahl von »Bürger-Journalisten« seien.

Die Operation habe auf Wunsch von den USA und »europäischen Staaten« stattgefunden, sagte ein Sprecher der Israelischen Streitkräfte. Die Männer und ihre Angehörigen sollen über Jordanien nach Deutschland, Britannien, den Niederlanden und Kanada ausgeflogen werden. Die UNO begleitet den Transport.

Bereits am vergangenen Freitag hatte die US-amerikanische Nachrichtenagentur AP über die geplante Evakuierung berichtet. Der Plan sei am Rande des NATO-Gipfels in Brüssel am 12. Juli 2018 mit großer Dringlichkeit erörtert und zum Abschluß gebracht worden.

Das jordanische Außenministerium bestätigte, daß Jordanien »der UNO erlaubt hat, etwa 800 syrische Bürger durch Jordanien zu bringen, um in westlichen Staaten, jenseits der schriftlich vorgeschlagenen drei westlichen Staaten, namentlich Großbritannien, Deutschland und Kanada, eingebürgert zu werden«. Die Maßnahme sei erforderlich geworden, weil »ihr Leben bedroht ist«. Die gleiche Sprachformel wurde auch von einem israelischen Armeesprecher benutzt, der die Evakuierung als »außergewöhnliche humanitäre Geste« am Sonntagmorgen bestätigte. Man habe »auf Bitten der USA und europäischer Länder« reagiert und entsprechend der »Anordnung der israelischen Regierung« gehandelt. Israel verfolge weiterhin eine »Politik der Nichteinmischung hinsichtlich des syrischen Konflikts und macht das syrische Regime für alles verantwortlich, was auf dem syrischen Territorium geschieht«, behauptete der Sprecher.

Die »Weißhelme« werden seit ihrer Gründung 2014 von westlichen Staaten unterstützt. Die deutsche Bundesregierung zahlte ihnen 12 Millionen Euro, 33 Millionen US-Dollar kamen aus den USA, und Britannien überwies mehr als 74 Millionen Euro. Ihre Reputation wurde in der Öffentlichkeit medial durch eine Vielzahl von Auszeichnungen gefestigt. 2016 erhielt die Gruppe den »Alternativen Nobelpreis«.

Syrien und seine Verbündeten werfen den »Weißhelmen« vor, mit den bewaffneten Regierungsgegnern in Syrien gemeinsame Sache zu machen. Sie hätten Anschläge mit Giftgas arrangiert, um ein westliches Eingreifen in Syrien zu provozieren. Die »Weißhelme« agieren ausschließlich in Gebieten unter Kontrolle oppositioneller bewaffneter Gruppen. Aufgrund des Vormarsches der syrischen Armee und ihrer Verbündeten im Südwesten des Landes waren sie – mit den verbliebenen bewaffneten Extremisten und Angehörigen – zuletzt in einem Gebiet der Provinz Qunaitra eingeschlossen.

Seit 1974 wird dieses Gebiet von einer UNO-Blauhelmtruppe (UNDOF) überwacht und dient als entmilitarisierte Pufferzone zwischen den von Israel 1967 besetzten und 1981 annektierten syrischen Golanhöhen und Syrien. Seit 2012 wurde die Pufferzone von Süden her von bewaffneten Regierungsgegnern eingenommen, die Bewohner und die UNO-Blauhelme bedrohten, verschleppten und vertrieben. Entgegen seiner Behauptung, sich im Krieg in Syrien neutral zu verhalten, hat Israel diese Gruppen seit 2012 humanitär, logistisch und zuletzt auch mit Waffen und Geld unterstützt. Die Evakuierung der »Weißhelme« erfolgte nun über die »Alpha-Linie«, wie die Grenze der UNO-Pufferzone nach Israel heißt.

Die syrischen Streitkräfte und ihre Verbündeten haben derweil ihre Offensive gegen die »Armee des Khalid ibn al Walid« im Jarmuk-Tal fortgesetzt. Das Tal liegt im Süden der UNO-Pufferzone, im Dreiländereck zwischen Jordanien, Syrien und den von Israel besetzten syrischen Golanhöhen. Nach tagelangem Zögern hatten zuvor andere Gruppen von bewaffneten Regierungsgegnern ihrem Abtransport nach Idlib im Nordwesten Syriens zugestimmt. 1.500 Personen, darunter mehrere Hundert Kämpfer und ihre Angehörigen wurden am Wochenende abtransportiert. Ihre schweren Waffen wurden von der russischen Militärpolizei sichergestellt.

Karin Leukefeld

Flucht zu den israelischen Verbündeten: die sogenannten »Weißhelme« lassen sich im Schutz der Nacht von israelischen Soldaten »retten« (Foto: AFP/idf)

Montag 23. Juli 2018