Revolutionäre Wurzeln

Kubanische Journalisten diskutieren auf X. Kongreß Rolle der Medien für sozialistische Entwicklung

Auf dem X. Kongreß des kubanischen Journalistenverbandes (Unión de Periodistas de Cuba, UPEC) diskutierten am vergangenen Wochenende mehr als 260 Delegierte im Kongreßpalast von Havanna über zu geringe Gehälter, die prekäre materielle Situation vieler Medien und die Herausforderungen der neuen Technologien. Im Zentrum der zweitägigen Debatten stand jedoch immer die Frage, welche Rolle die Medien zukünftig in Kuba spielen werden.

»Aus historischen und politischen Gründen gleicht unsere Medienlandschaft keiner anderen. Sie ist das Ergebnis unserer eigenen Konzeption und Bedürfnisse«, erklärte Ariel Terrero, Präsident des »Internationalen Instituts für Journalismus José Martí«, am Samstag. Entsprechend der gegenwärtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen bei der sozialistischen Entwicklung müßten auch die Medien des Landes einen Aktualisierungsprozeß durchlaufen, gab Terrero zu bedenken.

Mehrere Delegierte untermauerten dies mit konkreten Beispielen. Die Kommunikationswissenschaftlerin Ana Teresa Badia von der Universität Havanna bemängelte das »Fehlen von Kreativität« und das »Wiederholen von Phrasen«. »Wir müssen mit mehr erzählenden, audiovisuellen und ästhetischen Elementen arbeiten«, sagte sie und forderte: »Wir brauchen lebendige, glaubwürdige Medien.« Enrique Ojito von der Tageszeitung »Escambray« meinte, es genüge nicht mehr, die Leser nur über das zu informieren, was geschehe. Die Presse müsse auch »Plattformen des Dialogs« bilden. Der Direktor des Onlineportals »Cubadebate« und der Fernsehsendung »Mesa Redonda«, Randy Alonso Falcón, appellierte an die jeweiligen Leiter, »die Kreativität in den Redaktionen zu fördern«.

Erweitert wurde die Debatte dann von Raúl Garcés Corra, dem Dekan für Kommunikation an der Universität Havanna. Er warf ein, die effizientere Nutzung der Informationskanäle, der Kommunikation und der Technologie sei eine Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit des sozialistischen Gesellschaftsmodells. Er sprach sich dafür aus, eine »strategische Vision« zu erarbeiten. Dies böte die Chance, den Sozialismus mit einem modernen, partizipativen, innovativen und demokratischen Antlitz neu zu entdecken, sagte der Dekan.

UPEC-Vizepräsidentin Rosa Miriam Elizalde hatte zuvor die besondere Rolle der Medien und der kubanischen Journalisten gewürdigt. Anders als in anderen Ländern seien Kommunikation und Information in Kuba kein Geschäft, sondern ein verfassungsmäßig garantiertes Bürgerrecht und ein öffentliches Gut, sagte sie. Staats- und Regierungschef Miguel Díaz-Canel nahm den Faden in seinem Grußwort zum Abschluß des Kongresses wieder auf. In Anspielung auf Massenentlassungen bei der argentinischen Nachrichtenagentur Télam versicherte der Präsident, daß »wir unsere Nachrichtenagenturen nicht für Markt öffnen und Journalisten auf die Straße setzen« werden.

»Der Internationale Währungsfonds bestimmt nicht in Kuba«, sagte Díaz-Canel. Er erinnerte daran, daß die Wurzeln der heutigen kubanischen Medien die revolutionären Zeitungen streikender Arbeiter, die Zeitungen der Guerilla, der Rundfunksender »Radio Rebelde« und die in der »Operation Wahrheit« gegründete alternative Agentur Prensa Latina seien. Auf den Hinweis von Delegierten, daß die kubanische Bevölkerung sich den öffentlichen Charakter der einst privaten Eigentümern gehörenden Rundfunk- und Kommunikationsdienste erkämpft habe, entgegnete Miguel Díaz-Canel zustimmend, deshalb werde es in Kuba weiterhin »nur zwei Arten von Eigentum an den Massenmedien geben: das staatliche und das gesellschaftliche«.

Volker Hermsdorf

Präsident Miguel Díaz-Canel bei der Abschlußsitzung des X. Kongresses der UPEC (Foto: Irene Pérez/Cubadebate)

Freitag 20. Juli 2018