Bauarbeiter manifestieren in der Hauptstadt

Für 4.5 Prozent mehr Lohn und gegen größere Flexibilisierung

Trotz regnerischer Wetterverhältnisse waren am Donnerstag zahlreiche Bauarbeiter dem Aufruf des OGBL gefolgt und manifestierten in der Hauptstadt für eine Erhöhung der Tariflöhne und der Reallöhne um 4,5 Prozent innerhalb von drei Jahren.

Anläßlich des Protestes, der an der Kreuzung Boulevard de la Pétrusse/Rue Schiller begann und auf der Place Clairefontaine endete, forderte der Zentralsekretär des OGBL für das Bauwesen, Jean-Luc De Matteis, die Unternehmer auf, ihre Blockadepolitik aufzugeben, ernsthaft über die Erneuerung des Kollektivvertrags zu verhandeln und die Forderungen der Bauarbeiter zu erfüllen.

Dabei geht es nicht allein um die Anpassung der Tariflöhne, wovon eigentlich nur knapp jeder dritte Bauarbeiter profitieren würde, sondern um die Erhöhung der realen Löhne insgesamt um jeweils 1,5 Prozent während drei Jahren.

Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft aber auch eine deutlich höhere Jahresprämie, die Ausweitung des Kollektivvertrags auf alle Beschäftigten, also auch auf das Büropersonal, den uneingeschränkten Zugang zur beruflichen Weiterbildung, der bisher in vielen Fällen vom Patronat blockiert wird, sowie bessere Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit am Arbeitsplatz.

Die Bauarbeiter sind allerdings auch deshalb gegen das Patronat aufgebracht, da dieses ihnen eine noch größere Flexibilisierung, verbunden mit Lohneinbußen aufzwingen will, gleichzeitig aber hohe Profite macht. Denn die Auftragsbücher sind gut gefüllt und der größte Teil der Mehreinnahmen durch Produktivitätssteigerungen landet in den Taschen des Patronats, während die Bauarbeiter nur Krümel abbekommen. Auch der LCGB, der zuvor der Gewerkschaftsfront den Rücken zugekehrt hatte, führte am Donnerstag zeitgleich mit dem OGBL eine eigene Manifestation in Esch/Alzette durch.

Am 11. Juli ist eine erste Verhandlungsrunde vor dem Schlichtungsamt eingeplant. Sollte das Patronat bei seiner sturen Haltung bleiben, wird ein Scheitern der Schlichtungsprozedur allerdings nicht zu verhindern sein, und die Bauarbeiter werden zur Waffe des Streiks greifen müssen, um ihre berechtigten Forderungen durchzusetzen.

A.R.

Ali Ruckert : Freitag 6. Juli 2018