Nora Back erste Generalsekretärin des OGBL

Gewerkschaftspräsident André Roeltgen kündigt Kandidatur für zweite Amtszeit an, weiß aber noch nicht, ob er sie zu Ende führen wird

Der OGBL hat den seit Jahren vakanten Generalsekretärsposten zum ersten Mal in seiner Geschichte mit einer Frau besetzt. Mit gut 89 Prozent der Stimmen wählte der Nationalvorstand am Dienstag in der Escher Maison du Peuple die Zentralsekretärin seines Syndikats Gesundheit und Sozialwesen Nora Back ins zweitwichtigste Amt der größten Gewerkschaft Luxemburgs. Als OGBL-Präsident André Roeltgen die Personalie am Nachmittag auf einer Pressekonferenz verkündete, erklärte er weiter, er werde auf dem nächsten ordentlichen OGBL-Kongreß im Dezember 2019 für ein zweites Mandat als Gewerkschaftspräsident kandidieren. Das bedeute »aber nicht zwangsläufig, daß ich das zweite Mandat auch zu Ende führen werde«, ergänzte Roeltgen später auf Nachfrage.

Die 38-jährige Nora Back arbeitet seit 14 Jahren für den OGBL, erst als beigeordnete Zentralsekretärin seines Syndikats Gesundheit und Sozialwesen, seit 2009 dann an der Spitze des Syndikats. Seit dem letzten Gewerkschaftskongreß Ende 2014 gehört sie dem geschäftsführenden Vorstand an. Bevor sie Präsidenten wurden, waren sowohl Roeltgen als auch sein Vorgänger Jean-Claude Reding OGBL-Generalsekretär. Auch sprach Roeltgen gestern davon, mit der Neubesetzung des seit seinem Amtsantritt 2014 vakanten Generalsekretärspostens bereite man sich rechtzeitig auf seine Nachfolge vor, und bisher habe es in der Leitung der Gewerkschaft »Löcher zwischen der alten Garde und der jungen Garde« gegeben. Es spricht also einiges dafür, daß die neue Generalsekretärin auch die erste OGBL-Präsidentin wird.

Bei den Sozialwahlen im Februar und März 2019 werden André Roeltgen und Nora Back ins Rennen geschickt, um Mandate in der Salariatskammer (CSL) zu holen. Die Finanzen des OGBL sind laut Roeltgen »absolut gesund«.

Neben dem »hundertprozentig erfolgreichen Streik im Gesundheitswesen«, zu dessen Erfolg die zuständige Zentralsekretärin Nora Back zweifelsohne viel beigetragen hat, sprach Roeltgen gestern die sehr vage formulierte Forderung der DP im Chamberwahlkampf an, im Privatsektor eine »Jahresarbeitszeit« einzuführen, die »individuell zwischen Patron und Salarié« ausgehandelt werden soll: Mit dem OGBL werde es keine »Flexibilisierung (der Arbeitszeit) à gogo« geben. Mit der ebenfalls von der DP vorgeschlagenen Möglichkeit, den Elternurlaub zu verlängern, ist der OGBL hingegen einverstanden. Roeltgen fragt sich aber, warum DP-Präsidentin und Familienministerin Corinne Cahen ihren »Elternurlaub plus« nicht schon in der zu Ende gehenden Legislatur in Angriff genommen hat, und warnt davor, Geringverdiener, die es sich schlicht nicht leisten können, unbezahlten Elternurlaub zu nehmen, zu diskriminieren.

Auch den Vorwurf hinsichtlich des Bipartiteabkommens vom November 2014, die Regierung aus DP, LSAP und Déi Gréng habe »Vertragsbruch« begangen, weil noch immer kein Mechanismus eingeführt wurde, mit dem die Familienleistungen regelmäßig und automatisch an die Entwicklung des Medianlohns angepaßt werden, hält der OGBL aufrecht.

oe

Der Nationalvorstand des OGBL wählte gestern Nora Back zur Generalsekretärin

Dienstag 3. Juli 2018