Square Mile und Belval Süd im Fokus
Agora bilanziert 2017 und gibt einen Ausblick auf die nächsten Bauvorhaben
In den kommenden Jahren werde es auf der ehemaligen Industriebrache Belval »noch extreme Veränderungen« geben, kündigte Agora-Präsident Frank Vansteenkiste am Dienstag auf der alljährlichen Bilanzpressekonferenz der jeweils zur Hälfte dem Staat und dem Stahlkonzern ArcelorMittal gehörenden Entwicklungsgesellschaft an. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Gesamtbaufläche auf Belval sei seit Ende vergangenen Jahres fertiggestellt oder befinde sich nun im Bau, erklärte Agora-Direktor Vincent Delwiche. Auch sei Ende 2017 die Marke von einer Million Quadratmeter an Bauträger und Investoren verkaufter Bruttogeschoßflächen überschritten worden.
Weil auf Belval »die auf dem hauptstädtischen Kirchberg gemachten Fehler« (viel zu viele reine Bürogebäude, die wochentags ab dem frühen Abend sowie an den Wochenenden leer stehen, kaum Wohnungen) möglichst vermieden werden sollen, freue man sich, daß auf Belval mittlerweile rund 2.400 Menschen in 931 Wohnungen und Häusern sowie in 833 Apartments für Studenten oder Senioren wohnen, erklärte Delwiche. Gleichzeitig nehme Belval mit 210.000 Quadratmetern fertiggestellter Büroflächen nun »Rang eins unter den Peripherie-Bürostandorten in Luxemburg« sowie »mit einem Gesamtmarktanteil von rund fünf Prozent den fünften Platz auf der nationalen Bürostandortliste ein«. Mehr als 12.000 Menschen hielten sich täglich in Belval auf – darunter 5.000 Schaffende, 3.500 Studierende, die an der Universität eingeschrieben sind, 1.000 Lehrkräfte und Forscher sowie 1.100 Schüler, die das Lyzeum Bel-Val besuchen.
Und es geht unaufhaltsam weiter: Derzeit wird laut Direktor Delwiche an den beiden »Maisons des Matériaux« und an der »Maison du Livre« gearbeitet, die alle drei zur »Cité des Sciences« auf der Hochofenterrasse gehören. Erstere sollen im kommenden Jahr fertiggestellt werden, während die Unibibliothek noch zum Beginn des Wintersemesters eröffnet werden soll. Parallel dazu habe ein privater Bauträger mit den Vorbereitungen für die Errichtung des »Omnia«-Wohnturms begonnen, der westlich von »Belvalplaza I« entstehen soll.
Vor allem aber konzentriere man sich derzeit auf die Square Mile, wo neben den Baustellen »Naos«, »Capelli-Towers«, »Rouden Eck« und »Southlane« im Süden des Quartiers neun weitere Projekte vor Baubeginn stünden, die bis 2020 und 2021 fertiggestellt werden sollen. Allein drei im Juli 2017 vergebene Projekte im Westen der sogenannten Zentralachse des Quartiers hätten eine Gesamtfläche von 38.000 Quadratmetern. 60 Prozent davon seien für Wohnungen reserviert, 35 Prozent für Büros und fünf Prozent im Erdgeschoß für Geschäfte. Hier soll Wohnraum für 400 Personen, vor allem für Familien, und Platz für rund 700 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Architekturbüro, das den Wettbewerb zur Gestaltung des Sinterbecken-Platzes im Herzen des Quartiers gewonnen hat, wolle sein Konzept eines autofreien Viertels in den kommenden drei Jahren umsetzen. Bislang befindet sich auf dem künftigen »Central Square« ein Parkplatz.
Wie der Agora-Direktor ausführte, wird auch im 2009 eröffneten Wohnquartier Belval Nord weiter gebaut. Der PAP für den letzten Bauabschnitt im Osten des Quartiers sei nun rechtskräftig und die vier letzten Projekte in diesem Bereich befänden sich in der Vergabe- bzw. Konzeptionsphase oder stünden kurz vor Baubeginn. Anfang dieses Jahres habe Agora mit den vorbereitenden Infrastrukturmaßnahmen für das zweite Wohnquartier Belval Süd begonnen. Hier sollen bis 2027 rund 550 Wohneinheiten entstehen, davon rund 120 als Einfamilienhäuser. Insgesamt 1.200 Menschen sollen künftig in dem Quartier wohnen, das aufgrund seiner Nähe zum Lyzeum Bel-Val, dem Park und dem sich ebenfalls bereits im Bau befindlichen Kannercampus der Gemeinde Sanem vor allem für Familien attraktiv sei. Der Baubeginn für die ersten Wohngebäude sei für 2020/21 vorgesehen.
Im Rahmen der allgemeinen Infrastrukturarbeiten wird seit Mai an der 120 Meter langen Brücke über die N31 gearbeitet, die Teil der neuen Autobahnanbindung von Belval an die A4 und damit des nächsten Streckenabschnitts der Liaison Micheville ist. Bis 2022 soll die neue Anbindung fertig sein.
oe
Anfang des Jahres wurde mit den Infrastrukturmaßnahmen für das Wohnquartier Belval Süd begonnen (Foto: Agora)
Dienstag 26. Juni 2018
