»Loterie Nationale« als Basis der Mildtätigkeit:

Viel faul im Staate Luxemburg

Jene, die meinen, in Luxemburg gäbe es keine wirklichen Probleme und keine wirkliche Armut, wir würden bestenfalls auf hohem Niveau klagen, sollten sich die am Montag veröffentlichte Bilanz der «Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte« auf www.oeuvre.lu im Detail anschauen. Sie werden erschaudern, was es alles nicht gäbe ohne das Geld, das da verteilt wird.

Das Geld, das die »Oeuvre« verteilt, kriegt sie von der Nationallotterie, die als einzige eine Glücksspiellizenz für Lotterien aller Art in Luxemburg hat. 2017 wurden an 450 Verkaufsstellen und auf loterie.lu (hier wird trotz 43.628 eingeschriebener Spieler erst 4,8% des Gesamtverkaufs getätigt, auch wenn’s da eine Zunahme von 15,4% gab) 101.536.417 € gesetzt (+4% zum Vorjahr), was 4,5 € pro Einwohner und Woche im Durchschnitt ausmacht. Allerdings ist die Mehrzahl der Spieler über 40 Jahre alt und es spielen deutlich mehr Männer als Frauen.

Als Gewinne ausgespielt wurden 2017 54.507.770 € (+3,1% gegenüber 2016), also rund 54% der Einsätze. An Kommissionen wurden an die Verkaufsstellen 7.316.945 € ausbezahlt. Nach Abzug aller Kosten und Abgaben (nur die Rubbel-Tickets und Zubito werden ohne Partner veranstaltet) blieben 23.733.607 € (+4,1%).

Dies trotz aller Klagen über die Konkurrenz im Internet und jene von illegalen Spielmaschinen in den Cafés und Bars. Das wirkt sich ganz besonders beim Zubito aus (2017 -37%), das nur noch ein Viertel dessen einspielt, was am Anfang einging. Hier ist auch die Zahl der Cafés gesunken, die das anbieten, da von den Illegalen weit höhere Kommissionen bezahlt werden. Polizei und Staatsanwaltschaft haben dafür wenig Zeit, umso mehr sie darauf verweisen können, daß alle anderen Spiele diesen Rückgang schließlich mehr als wettmachen.

Solche und andere Gesetze

Irgendwie sonderbar ist es allerdings schon, wenn festzustellen ist, daß es in Luxemburg zwei Sorten von Gesetzen gibt. Die einen, die prinzipiell nicht eingehalten werden, und andere, auf die mit Gewalt gepocht wird, etwa wenn es gegen Dealer oder Geschwindigkeitsübertretungen geht. In die erste Kategorie fällt übrigens auch das Gesetz zu den Organspenden, laut dem in Luxemburg alle Spender sind, die nicht ausdrücklich erklärt haben, keine sein zu wollen. Praktiziert wird das aber exakt andersrum, und so gab es 2017 nur 9 Spender. Auch wenn das 6 mehr als in den Jahren davor waren, sind das noch lange nicht jene 20, die Luxemburg in Anbetracht der Einwohner haben müßte. Damit es mehr werden, unterstützten die »Oeuvre« so auch den Verein, der für mehr Spendenwilligkeit wirbt.

Dem Projekt könnte mit mehr Gesetzestreue geholfen werden, dem Rest aber leider nicht. Und 2017 wurden immerhin 130 Projekte gefördert, die ohne dieses Geld gar nicht oder viel kleiner stattgefunden hätten, die aber allesamt wichtig sind, um den Deckel auf dem Druckkochtopf der Luxemburger Gesellschaft zu halten. »Sozialer Zusammenhalt« heißt das dann offiziell beschönigend, um die schlimmsten Auswirkungen der Umverteilung von unten nach oben im real existierenden Kapitalismus zu lindern.

Dafür standen nach Abzug der Kosten der »Oeuvre« noch 21,341 Mio. zur Verfügung, von denen 20.059.512,31 € tatsächlich verteilt wurden. Der Rest marschiert in die Rücklagen, die 2016 gewaltig erleichtert wurden, da in dem Jahr mit 35,49 Mio. weit mehr ausgeteilt als eingenommen wurde. Große Beträge gingen damals ans Resistenzmuseum und an die Flüchtlingshilfe.

Budgetstütze

Feste Anteile gehen jedes Jahr an den Nationalen Solidaritätsfonds (35,07%, die 7,113 Mio. 2017 ausmachten) und an die Sozialämter der Gemeinden nach Bevölkerungsschlüssel und Einsatz der Gemeinden (17,54% oder 3,557 Mio.), wobei die ersten drei Begünstigten die Stadt Luxemburg, Differdingen und Petingen waren. Das Geld, das hier fließt, braucht nicht aus dem Staatsbudget zu kommen!

Dann kommen acht regelmäßig Bedachte an die Reihe, und auch das ist eine Erleichterung fürs Staatsbudget: Rotes Kreuz wie Caritas kriegen 5,67%, was 2017 1,15 Mio. waren. Ebenso viel kriegt die Ligue Médico-Sociale. Das Olympische Komitee darf sich über 5,05% freuen oder 1,025 Mio. Der Nationale Kulturfonds kriegt 2,96%, was diesmal 0,6 Mio. waren. Die Stiftung Hëllef fir d’Natur kriegt noch 0,49% oder 100.000 €, der »Fonds de Secours des Luxembourgeois à Bruxelles« 0,2% oder 40.000 € und der Ständige Fonds zur Kriegsopferhilfe 0,17% oder 35.105 €. Nur der letzte Posten nimmt von Jahr zu Jahr ab, weil der Zweite Weltkrieg halt doch schon eine Weile her ist und die Opfer den Weg alles Irdischen gehen.

Gesellschaftlichen Zusammenhalt retten

Schließlich landen wir bei den 130 Projekten des Jahres 2017, die sich auf punktuelle Hilfen (8,35% oder 1,693 Mio.) und auf ausgewählte Projekte nach öffentlichen Ausschreibungen (12,6% oder 2,556 Mio.) aufteilen.

Das geht dann etwa von einem Abend mit acht Autoren aus der Einwanderung in der Nationalbibliothek, die von der »Maison d’Afrique« mit Hilfe von 5.000 € veranstaltet wurde bis zu 300.000 € für eine gedeckte Pferdemanege im »Liewenshaff« des Paerds Atelier. Wobei bei den punktuellen Hilfen von 120 Bittstellern 58 tatsächlich eine Stütze bekamen, während auf die Ausschreibungen 144 Dossiers eingingen und 72 etwas bekamen. Hier ist wohl nicht der Platz, die alle aufzuzählen, aber es wäre schrecklich sich auszumalen, was alles ohne diese Hilfe unmöglich durchzuführen wäre.

jmj

Montag 25. Juni 2018