KPL-Rat Ali Ruckert im Differdinger Gemeinderat:

»Eine Schule der Chancengleichheit sieht anders aus«

Der Differdinger Gemeinderat verabschiedete am gestrigen Mittwoch einstimmig die Schulorganisation für 2018/19. Der kommunistische Rat Ali Ruckert fand belobigende Worte für die Bemühungen der kommunalen Verwaltung und der Lehrkräfte, unter den gegebenen Umständen die bestmögliche Schulorganisation zu garantieren, machte aber gleichzeitig deutlich, dass die KPL die gegenwärtige Ausrichtung der Schule ablehnt.
»Es ist kein Geheimnis, dass die KPL für eine öffentliche, laizistische Gesamtschule mit einem »tronc commun« eintritt, welche allen Schülern Chancengleichheit garantiert – das aber kann die Schule, so wie sie heute funktioniert, nicht«, so der KPL-Vertreter. Die bestehende Klassengesellschaft habe auch ihren Niederschlag auf die Schule, und die Kinder aus Luxemburger Arbeiterfamilien und aus Familien von Arbeitsemigranten seien die Opfer dieses Zustands. Um das zu vertuschen, werde auch keine soziologische Untersuchung darüber angestellt, wie die Schule Kinder und Jugendliche ins Leben entlasse.
Der kommunistische Rat wies darauf hin, dass der Erziehungsminister und die Regierung die Schule zunehmend fraktionieren, nicht genug Geld für den Schulbetrieb ausgegeben wird und nicht genug Lehrer ausgebildet und eingestellt werden.

Gerade im Sinne der Kinder aus sozial benachteiligten Bevölkerungskreisen sei es aber, wenn die Schulklassen kleiner seien und es genügend Förderkurse gäbe, so dass eine Rundumbetreuung möglich werde.

Während andere das »digitale Klassenzimmer« über den grünen Klee lobten, meinte der KPL-Rat, die alten Probleme des Bildungswesens seinen wohl nicht durch neue Technologien zu lösen. Besser sei, wenn man den Kindern ordentlich Rechnen, Schreiben und Lesen beibringe. Die Digitalisierung, wie sie gegenwärtig in der Schule vorangetrieben werde, nutze wohl am meisten den Profiten der US-amerikanischen Privatfirmen.
Der KPL-Rat kritisierte auch, dass nicht genug in den Schulsport investiert wird. In Niederkorn werde zwar eine moderne Sporthalle gebaut werde, aber ohne Schwimmbad, so dass die Schüler aus Niederkorn, nachdem das alte Schulschwimmbad geschlossen wurde, nach Oberkorn in die Schwimmanlage von »Aquasud« gefahren werden müssen.

Deren Privatisierung, die von den Kommunisten kritisiert wird, führte bekanntlich zu neuen Problemen, so dass die Gemeinde sich sogar gezwungen sah, erneut einen kommunalen Schwimmlehrer einzustellen, um die Schwimmstunden von Schulklassen zu gewährleisten.
Die Container im Schulbetrieb erwähnte der kommuni­stische Rat nicht noch einmal in seiner Stellungnahme, da er erst vor kurzem in einer Gemeinderatssitzung die Containerpolitik des Schöffenrats scharf kritisiert hatte und es als Zumutung bezeichnet hatte, dass weitere Schulcontainer aufgestellt werden sollen.

Unterführung unter der Eisenbahnstrecke soll kommen

Einstimmig beschloß der Gemeinderat mehrere Geländeparzellen, auf welchem ab der Kreuzung Rue Pasteur-Rue Charlotte eine Stichstraße mit Unterführung unter der Eisenbahnstrecke gebaut werde könnte, mit einjährigen »Servitudes« zu belegen. Das heißt, dass die Besitzer auf dem Gelände keine Bauaktivitäten vornehmen dürfen.

Wird dieses Projekt, an welchem nicht nur die Gemeindeverwaltung, sondern auch die CFL großes Interesse haben, verwirklicht, würde der letzte Bahnübergang (PN 15) in Differdingen verschwinden. Doch das kann noch dauern.

KPL-Rat Ali Ruckert begrüßte die Entscheidung und zeigte sich gleichzeitig zufrieden darüber, dass damit das Projekt, eine neue Umgehungsstraße längs der Eisenbahnstrecke bis in die Rue des Mines in Oberkorn zu bauen, vom Tisch ist.

Differdingen braucht keinen Turm für Besserverdienende

Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung war der Teilbebauungsplan »Entrée en ville – Tower«, wo ein Privatpromotor mit dem Segen von Déi Gréng, CSV, LSAP und DP einen 73 Meter hohen Turm mit größeren Wohnungen für Besserverdienende, einem Apparthotel, »Servicewohnungen« für Senioren und Geschäftsräume – aber ohne eine einzige Mietwohnung – bauen wird.

Der Vertreter der KPL stimmte gegen das Projekt. Er hatte dem Schöffenrat bereits in einer vorangegangenen Sitzung »Größenwahn« vorgeworfen und hatte klargestellt, dass die KPL anderen Projekten auf diesem Gelände den Vorzug gegeben hätte – zum Beispiel dem Bau eines Kinos, eines Theaters und Mietwohnungen.

KPL gegen Teilbebauungsplan »Ouschterbur«

Der kommunistische Rat stimmte auch gegen den abgeänderten Teilbebauungsplan »Ouschterbur«.

In einer Grünzone mit gartenähnlichen Strukturen und Streuobstbeständen zwischen der Rue de Woiwer, der Rue de Belvaux und den angrenzenden Straßen Rue Pierre Martin, Rue Ste Etienne, Rue Duscher und Rue Ouschterbur sollen Eigentumswohnungen entstehen.
Bereits vor einem Jahr hatten mehr als 60 Einwohner aus der direkten Umgebung Einspruch gegen die Zerstörung der Grünzone in ihrem Wohnviertel eingelegt. Das hatte zwar zu einer Abänderung des Teilbebauungsplans geführt, ändert aber insgesamt nichts daran, dass die Grünzone nun doch weitgehend verschwinden wird.

Nik.

Mittwoch 6. Juni 2018