Ab 27. Juli bis Place de l’Etoile:

Tram wird weiter zu Hungerlöhnen gefahren

Um die Tram ab 27. Juli – also zwei Wochen später als zuvor angekündigt – bis Place de l’Etoile führen zu können, werden 10 neue Tramfahrer ausgebildet und auch die 25 bisherigen in den neuen Streckenteil eingeführt. Insgesamt zählt die Belegschaft damit 95 Personen mit an der Spitze dem Bestbezahlten André von der Marck als Direktor. Für Tramfahrer gibt es in der Luxtram SA, einer privatrechtlichen Gesellschaft, die zu einem Drittel der Stadt und zu zwei Drittel dem Staat gehört, nur Hungerlöhne, die ein Leben als Einwohner im Land nicht zulassen. Deshalb sind nur Grenzgänger dabei.

Die für uns wesentliche Frage ist die, ob die Regierung und der Schöffenrat bereit sind, dem Direktor eine über das bisherige interne Reglement hinausgehende Verhandlungserlaubnis zu erteilen im Verwaltungsrat. Er hatte ja den Gewerkschaften erklärt, dieser habe ihm verboten, über die Lohn- und Arbeitsbedingungen, wie sie in diesem Reglement festgehalten sind, hinauszugehen. Die Antwort von Minister Bausch, dem zuständigen Mehrheits-Eigentümervertreter, zeigt den asozialen Charakter der Regierung, seiner Partei und von ihm selbst: Direktor von der Marck wisse, wie ein privatrechtlicher Kollektivvertrag zu verhandeln sei, wir sollten uns keine Sorgen machen, es würden konstruktive Gespräche stattfinden. Der umständlichen langer Rede kurzer Sinn: Nein, es gibt keinen neuen großzügigeren Auftrag von DP, LSAP, Gréng und CSV.

Keine Antwort gab es auch von der Bürgermeisterin auf die Frage, welche Zu- und Abfahrt sie ins und aus dem Viertel Limpertsberg empfehle. Die Situation bei der Rue Victor Hugo ist seit der Schließlung der Ausfahrt aus der Avenue Pasteur bekanntlich problematisch, aus der Avenue de la Faïencerie war die Ausfahrt aus dem Viertel noch praktikabel, die Einfahrt vom Boulevard de la Foire oft bereits behindert, wenn mehr als ein Fahrzeug gleichzeitig auf den Glacis wollte und es zu einem Rückstau bei der Barriere kam. Daß das schlechter wird, wenn alle anderthalb Minuten eine Tram für Rotlicht sorgt, ist wohl leicht vorherzusehen. In Gesprächen mit Einwohnern des Limpertsberg wurde die Vermutung geäußert, raus ginge es dann wohl am leichtesten über den Pabéierbierg – ein schöner Umweg. Statt einer Empfehlung sagte die Bürgermeisterin nur, man möge das Rotlicht beachten. Friß und stirb oder nimm Proviant mit?

Egal, längs des Theaters wurde eine Antivibrationsplattform installiert und die Decke der Tiefgarage wurde verstärkt. Weil es nur mehr eine Spur in die Tiefgarage gibt statt davor zwei, wird während der Schueberfouer die Zufahrt nur mehr für Abonnenten möglich sein. Den Besuchern der Schueberfouer wird empfohlen, mit dem Zug zum Halt Pfaffenthal/Kirchberg, dann mit der Standseilbahn und der Tram zu kommen oder eine der Tiefgaragen am Kirchberg zu nutzen. Jedenfalls fährt die Tram bis 15.9. einschließlich zwischen Luxtram und Stäreplaz/Etoile gratis.

Ab 14. August werden auf dem zum Glacis zunächst gelegenen Gleis die Kramerbuden aufgestellt, weshalb die Tram ein Monat lang nur eingleisig mit 20 km/h verkehrt zwischen den Haltestellen Theater und Faïencerie. Es werde Absperrungen geben, damit niemand vor eine Tram laufe.

Viel mehr umsteigen ab 16. September

Bis zum 15. September fahren die RGTR-Busse, die am Halt Stäreplaz/Etoile vorbeikommen noch ihre Strecke wie bisher weiter, nachdem sie dort einen zusätzlichen Halt eingelegt haben. Ab 16. September haben die Busse für den Jungen-, das Mädchen-Lyzeum und Arts et Métiers, die an der Luxexpo vorbeikommen dort Terminus. Da heißt es zwangsweise umsteigen, mit der Tram bis zur Halt Theater fahren, wonach zu Fuß weiterzustiefeln ist. Da wird bei Wind und Wetter Freude aufkommen und etliche werden ihre Eltern anbetteln, sie doch mit dem Auto zur Schule zu bringen.

Ab 16. September haben die RGTR-Linien 218 und 248, die über die Route d’Arlon reinkommen, und die Linien 258, 262, 267 und 275, die über die Rue du Rollingergrund reinfahren Terminus beim Halt Stäreplaz/Etoile – Zwangsumsteigen ist angesagt, entweder in die Tram oder in einen anderen Bus. Die Linie 222 von der Route d’Arlon bedient weiterhin den Kirchberg über den Boulevard Adenauer. Aus der Rue du Rollingergrund fährt die Linie 270 weiter über den Boulevard Charlotte zur Avenue Monterey wie auch die Linien 215, 240, 250, 255 und 260, die über die Route d’Arlon reinkommen. Da gilt es dann wieder umzusteigen auf AVL-Busse. Die AVL-Busse, die heute vorbeikommen, fahren dann auch noch und halten an der provisorischen Umsteigeplattform, die bis dahin fertig sei.

Die BTB-Debatte hatte seinerzeit zum Ergebnis, mehr als ein Umsteigevorgang mache den öffentlichen Personennahverkehr uninteressant. Die hohe Politik behauptet heute das Gegenteil.
Umso mehr wird die Hyperauflade-Technik an den Haltestellen über Stromschienen mit 1.700 Amper während 20 Sekunden gefeiert. Für die Vorstellung vor der Presse war sogar ein Export-Direktor der CAF eingeflogen worden. Dieser behauptete, sein in zwei spanischen Städten funktionierendes System komme auch mit starkem Schneefall zurecht, weil eine Bürste unter der Tram die Stromschienen reinige, bevor sie ans Netz gehen und von oben die Kontaktschiene der Tram runterkommt. In Grenada und Saragossa geht’s im Winter, warum dann nicht in Luxemburg? Abwarten und spanischen Rotwein trinken!

Nicht erwähnt wurde übrigens gestern die Kapazitäts-Verringerung auf 7.000 Passagiere und die kommerzielle Geschwindigkeitsreduktion von 25 auf 20 km/h.

jmj

Montag 4. Juni 2018