Deutsche Firmen entsenden die meisten Arbeitskräfte

Wie aus dem Jahresbericht 2017 der Arbeitsinspektion (ITM) hervorgeht, kamen mehr als die Hälfte (57 Prozent) der im vergangenen Jahr gemäß der EU-Entsenderichtlinie hierher entsandten Schaffenden von Firmen aus Deutschland. Seit 2015 hat sich ihre Zahl von gut 43.000 auf über 68.000 erhöht. 2017 wurden insgesamt 119.893 entsandte Arbeitskräfte bei der ITM angemeldet, was laut Bericht einer Steigerung um 73 Prozent in zwei Jahren entspricht.

Die zweitmeisten nach Luxemburg entsandten Lohnabhängigen kamen aus Belgien (13 Prozent), dicht gefolgt von Polen mit über elf Prozent. Immer mehr polnische Unternehmen machen von der EU-Entsenderichtlinie Gebrauch. Die Zahl der von dort entsandten Schaffenden legte in zwei Jahren von knapp 6.000 auf 13.500 zu. Noch höhere Zuwächse waren – auf ganz anderem Niveau – bei Entsendungen aus Ungarn (mittlerweile 1.260) und Rumänien (4.691) zu verzeichnen. Die Zahl der aus Frankreich entsandten Schaffenden lag im vergangenen Jahr bei 5.647.

Im Jahresbericht heißt es weiter, bei 44,5 Prozent der 3.608 Unternehmen, die 2017 von der Entsenderichtlinie Gebrauch machten, habe es sich um Baukonzerne gehandelt, bei 23 Prozent um Industrie- und bei über 14 Prozent um Transportfirmen. Nachdem das EU-Parlament am Dienstag der Reform der EU-Entsenderichtlinie zugestimmt hat, sollen die Mitgliedsstaaten die neuen Regeln bis Mitte 2020 umsetzen.

Ab dann müssen ins Ausland entsandte Beschäftigte den gleichen Lohn bekommen und unter den gleichen Bedingungen arbeiten wie ihre ortsansässigen Kollegen. Die Kosten für die Reise in das Land und für ihre Unterkunft dürfen nicht mehr vom Lohn abgezogen werden, sondern sind vom Entsendeunternehmen zu tragen. Die Dauer einer Entsendung ist künftig auf ein Jahr beschränkt (mit der Möglichkeit einer Ausweitung auf 18 Monate). Ausgenommen bleiben die Fernfahrer, für die weiterhin viele Ausnahmen gelten – was von Gewerkschaftsvertretern heftig kritisiert wurde.

oe

Vor allem auf Baustellen arbeiten entsandte Schaffende
(Foto: dpa)

Oliver Wagner : Freitag 1. Juni 2018