Patiente Vertriedung asbl:

»Entkonventionierung bringt USA-Verhältnisse«

Im Vorfeld der gestrigen Krankenkassen-Tripartite meldete sich die Patiente Vertriedung asbl. am Mittwochmorgen zu Wort mit einer Reaktion auf die die Ankündigung der AMMD, die bestehende Konvention verlassen zu wollen, wenn das Thema tiers payant nicht vom Tisch komme.

Dabei, so René Pizzaferri einleitend, sei es mitnichten die gesamte Ärzteschaft, die man kritisiere. Denn die AMMD vertrete nicht alle Mediziner und es gebe durchaus eine beträchtliche Zahl von ihnen, die sich nicht von der Organisation vertreten fühlten. Gemeinsam mit der CMCM warnte die Patientevertriedung davor, daß US-amerikanische Zustände im luxemburgischen Gesundheitssystem Einzug halten könnten, mit den bekannten negativen Folgen für die Patienten, und das nur, weil die AMMD den Hals nicht voll genug bekäme. Die Forerung nach freien Tarifen nämlich würde bedeuten, daß Ärzte nach eigenem Gutdünken abrechnen könnten, ohne von der CNS gemaßregelt werden zu können.

Die heute existierende Nomenklatur sei ohnehin hoffnungslos überaltert und bedürfe einer dringenden Überarbeitung, was besonders bei Erkrankungen wie dem rezent durch die Medien gegangenen Lipödem gelte, allerdings auch in der Zahnmedizin, wo moderne Implantattechniken noch immer keinen Einzug in die aus den 1970er Jahren stammende Nomenklatur gehalten hätten. Die Folgen: Massive Unterschiede bei Preisen von Leistungen und schier unerschwingliche Kosten für Patienten bei Leistungen, die nicht gelistet sind.

Patientevertriedung und CMCM können die Argumente der Ärzte-Organisation beim tiers payant nicht nachvollziehen und sprechen von »falschen Argumenten«. IN den Nachbarländern sei der tiers payant an der Tagesordnung und die meisten Ärzte dort müßten bekanntlich nicht am Hungertuch nagen. Rund 96 Prozent aller Rechnungen würden etwa in Deutschland über tiers payant abgerechnet, so CMCM-Generaldirektor Fabio Secci. Pizzaferri erinnerte die AMMD an den geleisteten Eid ihrer Mediziner und an ihre soziale Verantwortung. Es sei unbestreitbar, daß gute medizinische Leistungen auch einen guten Preis haben dürfen aber hier gehe es darum, daß einige Ärzte schlicht Angst vor Preistransparenz gegenüber ihren Patienten hätten.

Eine Reglementierung sei aber unabdingbar, um eine Struktur garantieren zu können, in welcher Dienstleistungen angeboten würde.
Pizzaferri erinnerte daran, daß, sollte die AMMD die weitere Zusammenarbeit mit dem zuständigen Ministerium verweigern, dieses sehr wohl allein Entscheidungen treffen könne.

CK

Christoph Kühnemund : Mittwoch 30. Mai 2018