Immer weniger Arbeits- und Wegeunfälle werden anerkannt

Die Zahl der Arbeitsunfälle einschließlich der Wegeunfälle war seit dem Jahr 2000 nie niedriger als 32.000, sieht man einmal von den Jahren 2009 und 2014 ab. Das geht aus dem von der »Chambre des Salariés« erstellten »Sozialpanorama 2018« hervor.

Das heißt aber nicht, dass es während all der Jahre keine bedeutenden Schwankungen gegeben hätte. Zwischen 1990 und 2004 hatte die Zahl der Arbeitsunfälle regelmäßig zugenommen, was im Wesentlichen, aber nicht nur mit der wachsenden Zahl der Beschäftigten zu tun hatte.

2005 nahm die Zahl der Arbeitsunfälle hingegen stark ab. Das ist nicht darauf zurückzuführen, dass die Unternehmer über Nacht die Sicherheit am Arbeitsplatz entdeckt und entsprechende Investitionen zwecks Unfallvermeidung vorgenommen hätten, sondern geht auf eine Änderung in der methodologischen Erfassung der Arbeitsunfälle zurück.

Eine weitere methodologische Neuerung erfolgte im Jahre 2011. Damals wurde beschlossen, dass alle Unfalldossiers in Zukunft automatisch geschlossen würden, sollte dem Arbeits- oder Wegeunfall innerhalb von drei Monaten keine Arbeitsunterbrechung von mehr als drei Tagen folgen. Der nachfolgende Rückgang der Arbeitsunfälle hatte aber auch mit konjunkturellen Schwächen zu tun. Andererseits war der konjunkturelle Aufschwung von 2015 und 2016 von mehr Arbeitsunfällen begleitet.
Noch besorgniserregender ist allerdings, dass der Anteil der anerkannten Arbeits- und Wegeunfälle, im Vergleich zu den gemeldeten Unfällen immer kleiner wird.

Im Jahr 2000 wurden noch 94,38 Prozent der gemeldeten Arbeits- und Wegeunfälle anerkannt, 2005 waren es noch 81,56 Prozent, 2011 nur noch 79,36 Prozent und 2016 sogar nur 77,73 Prozent. Das heißt, dass inzwischen fast jeder vierte Arbeits- und Wegeunfall nicht anerkannt wird.
Zwischen 20 und 23 Prozent der anerkannten Arbeitsunfälle, darunter die schwersten, ereigneten sich im Bauwesen und in Industriebetrieben. Es folgen der Dienstleistungssektor (knapp unter 15 Prozent) und die Pflegeeinrichtungen (5%).

Die Salariatskammer hält im »Sozialpanorama 2018« weiter fest, dass junge Lohnabhängige deutlich mehr Wegeunfälle haben als ältere. In 55,4 Prozent der Wegeunfälle aus dem Jahr 2016 waren Lohnabhängige im Alter bis zu 40 Jahren verwickelt.

Viele Berufskrankheiten gar nicht anerkannt

Keine Überraschung ist, dass Berufskrankheiten in den Statistiken kaum eine Rolle spielen. Das bedeutet nicht, dass nur wenige Lohnabhängige Opfer einer Berufskrankheit werden, sondern ist damit zu erklären, dass das Spektrum der anerkannten Berufskrankheiten in Luxemburg nicht an die heutigen Belastungen in der Arbeitswelt angepasst und daher auch viel kleiner ist, als in unseren Nachbarländern.

Hinzu kommt, dass zum Beispiel die Zahl der Lohnabhängigen, die durch die Arbeitsverhältnisse krebskrank werden und anschließend sterben, zwar erfasst, nicht aber veröffentlicht wird. Warum eigentlich, Frau Gesundheitsministerin?

A.R.

Im Jahr gibt es in Luxemburg im Durchschnitt rund 32.000 Arbeits- und Wegeunfälle, aber es werden immer weniger anerkannt

Ali Ruckert : Donnerstag 24. Mai 2018