Kapitalaufstockung in Milliardenhöhe:

Weltbank soll künftig deutlich mehr Kredite gewähren können

Die 189 Mitgliedstaaten der Weltbank haben sich auf der mit dem Internationalen Währungsfonds gemeinsam veranstalteten Frühjahrstagung in Washington auf eine Kapitalaufstockung um 13 Milliarden US-Dollar geeinigt. Sie reagieren damit auf den globalen Einflußgewinn der Volksrepublik China – in mehrfacher Hinsicht.
Ziel ist, daß die Weltbank künftig deutlich mehr Kredite genehmigen kann. Beliefen sich die Darlehen, die sie im vergangenen Jahr gewährte, auf insgesamt rund 59 Milliarden US-Dollar, so soll das Kreditvolumen schon 2019 auf rund 80 Milliarden steigen und bis 2030 auf gut 100 Milliarden US-Dollar jährlich angehoben werden.

Damit stärkt die Weltbank ihre Position in der Konkurrenz mit China, das seinerseits über seine Banken Darlehen an Entwicklungsländer vergibt und darüber hinaus mit der vor etwas mehr als zwei Jahren eröffneten Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) ein weiteres Finanzierungsinstrument geschaffen hat, von dem auch ärmere Staaten profitieren. Die wachsende Bedeutung der Volksrepublik in der Kreditvergabe an Entwicklungsländer, die mit Einflußgewinnen für Peking verbunden ist, macht dem Westen schon seit Jahren Sorge. Bereits 2011 vermerkte die »Financial Times« kritisch, die China Development Bank und die Export-Import-Bank von China hätten in den Jahren 2009 und 2010 erstmals eine höhere Kreditsumme bewilligt (110 Milliarden US-Dollar) als die Weltbank (100 Milliarden US-Dollar).

Die Absicht, Chinas Rolle zurückzudrängen, dürfte für Washington den Ausschlag gegeben haben, seine bisherige Blockade einzustellen und der Kapitalaufstockung zuzustimmen. Die USA-Administration hatte den Schritt lange blockiert, weil mit ihm auch der Einfluß der Volksrepublik auf die internationalen Finanzinstitutionen wächst. So wird sich Chinas Anteil an der International Bank for Reconstruction and Development (IBRD), dem eigentlichen Kern der Weltbank-Gruppe, mit der zum 1. Juli wirksam werdenden Kapitalaufstockung von 4,68 Prozent auf 6,01 Prozent erhöhen. Gleichzeitig sinkt der USA-Anteil an der IBRD – und damit faktisch an der Weltbank – von 16,89 auf 16,77 Prozent. Auch der Anteil Japans geht zurück – von 7,27 auf 7,20 Prozent –, während derjenige Deutschlands minimal steigt – von 4,24 auf 4,27 Prozent. Allerdings behalten die USA nicht nur ihr Vetorecht; sie haben sich darüber hinaus ausbedungen, die Kreditvergaberegeln zu ändern. Demnach werden in Zukunft wohlhabende Schwellenländer – faktisch geht es um China – nicht mehr so günstig an Weltbank-Kredite kommen, während ärmere Staaten bessere Bedingungen erhalten, um sie aus Kreditgeschäften mit China zu lösen.

Jörg Kronauer

Mittwoch 23. Mai 2018