Korruption? Kein Problem

In mehr deutschen Unternehmen gibt es Fälle von Betrug und Korruption. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie, die die Beratungsgesellschaft Ernst and Young (EY) am Montag in Stuttgart vorstellte. »Nachdem der Anteil von Unternehmen, die innerhalb der letzten zwei Jahre einen größeren Betrugs- oder Korruptionsfall registrierten, 2016 noch auf 14 Prozent gesunken war, liegt er in diesem Jahr mit 18 Prozent wieder höher«, erklärte EY in einer Pressemitteilung. Für die Studie wurden 2.550 Manager aus 55 Ländern, 50 davon aus der BRD, befragt.

Trotz der gestiegenen Zahl hielten Deutschlands Manager Korruption in Deutschland nicht für ein generelles Problem. Bargeldzahlungen oder eine absichtliche Falschdarstellung von Finanzergebnissen zur Sicherung des Unternehmenserfolges lehnten deutsche Manager durchgehend ab. Im globalen Durchschnitt sehe das anders aus: Da würden 13 Prozent der Manager Barzahlungen leisten und fünf Prozent Finanzergebnisse falsch darstellen. »Unterhaltungsdienstleistungen« (16 Prozent) oder persönliche Geschenke (zwei Prozent) hielten aber auch manche deutsche Manager für gerechtfertigt. Weltweit liege der Anteil bei 21 Prozent beziehungsweise 11 Prozent.

Insgesamt gebe es eine höhere Bereitschaft der jüngeren Generation zu »unethischem Verhalten«: Jeder fünfte Befragte unter 35 Jahren weltweit würde Geldzahlungen leisten, um das Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten. Unter den Managern über 35 Jahren habe das nur jeder achte gesagt. Junge Manager sollten nicht mit überzogenen Zielvorgaben verleitet werden. »Nicht alles, was zu Geschäftsabschlüssen führt, ist auch erstrebenswert«, erklärte EY.

Deutschland hinke im internationalen Vergleich bei der Sanktionierung von Verstößen hinterher: In sieben von zehn Unternehmen gibt es klare Sanktionen bei einem Verstoß gegen die unternehmenseigenen Verhaltensregeln. International sanktionieren knapp acht von zehn Unternehmen derartige Verstöße.

So wurden in den vergangenen zwei Jahren in 54 Prozent der deutschen Unternehmen Mitarbeiter, die sich nicht an die Regeln hielten, sanktioniert. Weltweit sei der Anteil mit 57 Prozent leicht höher. Besonders kompromißlos zeigten sich die japanischen und US-amerikanischen Unternehmen, von denen 80 beziehungsweise 76 Prozent Mitarbeiter bei Verstößen ahndeten. (jW)

Mittwoch 23. Mai 2018