Post meldet Umsatzplus trotz Wegfall der Roaming-Gebühren

Generaldirektor Strasser will in allen drei Geschäftsbereichen »an Effizienz gewinnen«

Dank des sogenannten Roaming funktioniert das Mobiltelefonieren im Ausland in der Regel ohne Probleme: Das Handy verbindet sich automatisch mit dem sendestärksten Anbieter, und im EU-europäischen Ausland müssen seit Mitte 2017 normalerweise auch keine Extragebühren für die Handynutzung mehr gezahlt werden. Den Umsatz des Postunternehmens hat der Wegfall der Roaming-Gebühren hingegen um rund acht Millionen Euro gedrückt, klagte Generaldirektor Claude Strasser am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz der mittlerweile aus 24 Einzelunternehmen bestehenden Post Group. Trotz des »schwierigen Umfelds« seien dennoch »solide Ergebnisse« zu vermelden, hieß es im Hauptsitz der Post in der Rue de Reims im hauptstädtischen Bahnhofsviertel.

So sei der Umsatz der Gruppe 2017 um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 769,6 Millionen Euro gestiegen. Besonders erfreulich sei, daß alle drei Geschäftsbereiche – Telekommunikations-, Post- und Finanzdienstleistungen – Umsatzsteigerungen verbuchen konnten. Daß der operative Gewinn (nach Steuern) um 59 Prozent auf 36,7 Millionen Euro gesteigert werden konnte, führte Strasser auf »mehrere außergewöhnliche Ereignisse, darunter der Verkauf der Beteiligung an Eutelsat« zurück. Die Umsatzsteigerung sei hingegen unter anderem auf die Aufnahme von Elgon/Ainos in die Gruppe zurückzuführen.

Der Generaldirektor erklärte, die Post befände sich in allen ihrer drei Geschäftsbereiche »im Wandel«. »Obwohl wir zufrieden sein können, daß uns eine Stabilisierung unserer Ergebnisse gelungen ist, ist es uns nun wichtig, an Effizienz zu gewinnen«, erklärte er. Nachdem im Jahr 2016 34 Postbüros geschlossen wurden, blieb es 2017 bei den verbliebenen 63 Postbüros. Dafür wurde die Zahl der »Post-Points« unter anderem in Supermärkten um sieben auf nun 33 erhöht. Die längeren Öffnungszeiten der »Partnershops« hätten sich positiv auf die gesamten Öffnungszeiten der Verkaufsstellen für Postdienstleistungen ausgewirkt, schwärmte der Generaldirektor. So habe sich die Zahl der Wochenstunden, an denen Postbüros und »Post-Points« geöffnet haben, seit 2014 auf 5.235 Stunden oder um 47 Prozent erhöht. Dank des konsequenten Ausbaus des Glasfasernetzes liege die Zahl der angeschlossenen Haushalte nun bei 61,8 Prozent. Insgesamt seien 1,1 Millionen Kilometer Glasfasern im Land verlegt worden.

Das nationale Briefgeschäft schrumpfte 2017 weiter – um 4,2 Prozent. In den vergangenen vier Jahren habe die Post einen Rückgang um etwa 22 Millionen Briefe verzeichnet, klagte Strasser, zur Gewährleistung des Universaldienstes sei es aber nicht möglich, die Zahl der Zustellungen zu senken. Der Universaldienst sieht die Postzustellung an jeden Haushalt an fünf Tagen pro Woche vor. Das in den vergangenen vier Jahren um 15 Prozent oder 1,3 Millionen Pakete gestiegene Paketvolumen habe die Verluste im Briefgeschäft nur teilweise kompensiert. Deshalb sei man in die »vielversprechende Logistikaktivität von asiatischen E-Commerce-Betreibern eingestiegen«. Derzeit kommen täglich rund 10.000 Pakete aus Asien in Luxemburg an, von wo aus sie in ganz Europa verteilt werden. »Uns ist es wichtig, ein zusätzliches Aktivitätsfeld aufzubauen, das die traditionelle Postverteilung ergänzt, die durch die Digitalisierung Jahr für Jahr weiter reduziert wird«, erklärt Strasser.

Die Anfang 2017 durchgeführte Gebührenerhöhung sei nur eine »Tarifreform« gewesen, beteuerte er. Damit habe man »die Rentabilität des CCP« in Zeiten niedriger Zinsen verbessern und gleichzeitig die Kunden dazu bringen wollen, »daß sie weniger Papier für ihre Kontoauszüge verbrauchen« und verstärkt auf das (noch!) kostenlose Online-Banking zurückgreifen. »Personen, denen die digitale Lösung nicht zugänglich ist«, so der Generaldirektor, könnten eine persönliche Freistellung beantragen. Die Post beschäftigt derzeit 4.371 Mitarbeiter »aller Berufssparten und Qualifikationen«. Seit 2013 wurden 893 Millionen Euro investiert. oe

Post-Generaldirektor Claude Strasser (M.) erläutert die 2017er Bilanz. Rechts im Bild: Verwaltungsratspräsident Serge Allegrezza

Freitag 18. Mai 2018