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»Auf den Kirchberg wollen alle, nach Lamadeleine kaum wer«

Die »Société Nationale des Habitations à Bon Marché« will nicht von Wartelisten sprechen, denn laut ihrem Direktor Guy Entringer ist der Andrang stark unterschiedlich je nach Standort. So wird die SNHBM geradezu überschwemmt mit Anfragen für die gerade in Kirchberg aus dem Boden kommenden Wohnungen zum Durchschnittspreis von 3.070 €/m2, während etwa ein Haus in Lamadeleine für 374.000 € über ein Jahr fertig sein kann, bevor es einen Käufer findet, der Anrecht auf die staatlichen Prämien hat. In Käerjeng kostet so ein Einfamilienhaus 390.000 €, allerdings immer mit einem 99jährigen Baurechtsvertrag.

Bedingung zum Kauf einer SNHBM-Wohneinheit ist es beim Einzug nicht Besitzer einer anderen zu sein. Im Falle des Falles geht es mit der Zusage, die andere bis dahin zu verkaufen. Man verpflichet sich, selber dort zu wohnen: Leerstand wie Vermietung sind nicht gestattet. Generell gilt, daß das Grundstück nicht mitverkauft wird. Dafür gibt es einen Baurechtsvertrag für 99 Jahre, außer im oberen Ösling, wo es je nach Projekt 25 Jahre sein kann. Gesetzlich ist die SNHBM verpflichtet, mindestens 60% an Leute zu verkaufen, die Anrecht auf die staatlichen Beihilfen haben. Der Rest darf ein höheres Einkommen haben im Interesse der Mixität, aber auch nicht fünfmal den Mindestlohn. 2015 wurde der SNHBM das Ziel gesetzt, für 250 Wohneinheiten pro Jahr Baubeginn zu haben, wovon 50 Mietwohnungen sein sollten. Bis dahin lag man bei 80.

Zur Zeit verfügt die SNHBM über 206 Mietwohnungen, die entweder frisch renoviert oder neu sind. 40 wurden 2017 fertiggebaut, 115 sind in Bau auf dem Kirchberg, in Grevenmacher, Junglinster, Lamadeleine und Mersch. Die Priorität bleibt aber beim Verkauf.

War 2015 Baubeginn für 193 Wohneinheiten an 5 Orten, so steigerte sich das 2016 auf 232 Wohneinheiten an 6 Orten und 2017 auf 272 Wohnungen an 7 Orten. 2018 werden 300 Wohnungen an 9 Orten in Bau gehen.

Dazu wurde der Personalstand in den letzten Jahren stark gesteigert. 2014 waren erst 46 Vollzeitarbeitsplätze da im Jahresdurchschnitt, 2017 schon 81 und heute hält die SNHBM bei 91,7. Es gab seit 1.1.2017 18 Neueinstellungen, weshalb mehr auf »Team-Building« zur Integration der Neuen geschaut wurde. Das Organigramm wurde angepaßt und Strukturen geschaffen, die genau zeigen, wo die einzelnen Baustellen dran sind. Dabei wird den Gemeinden ebenfalls Planungs- und Baubegleitungs-Dienstleistungen angeboten – es laufen solche Projekte in Hesperingen, Mersch, Walferdingen, Grousbous, Bissen und 2019 in Niederkorn.

Zu wenig Bauarbeiter

Die SNHBM muß alle Arbeiten wie die Gemeinden über öffentliche Ausschreibungen vergeben, was »nicht hilfreich ist für die Qualität der Wohnungen«, wie Guy Entringer das formulierte. Eine Folge der regen Bautätigkeit im Hoch- wie im Tiefbau sind Preissteigerungen und die Tatsache, daß oft nur sehr wenige Firmen an einer Ausschreibung teilnehmen. Daher ist es nicht möglich, schneller mehr zu bauen.

Hier kann zwar die Idee der KPL Abhilfe schaffen, die mit einem staatlichen Baubetrieb zusätzliche Bauarbeiter in Arbeit bringen und daher die Fertigstellung von mehr Wohneinheiten ermöglichen würde. Allerdings wollen alle Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei keine staatliche Konkurrenz des »freien Marktes« und auch keine durch die Gemeinden. Das wird dann auch der Grund sein, daß anderswo weniger gebaut wird, wenn die SNHBM mehr baut. Der einzige Trost dabei ist, daß die Wohneinheiten der SNHBM günstiger zu haben sind.

Projekt Elmen

In der Gemeinde Kehlen unweit der Ortschaft Olm, angrenzend an die Gemeinden Koerich und Mamer, verfügt die SNHBM über 27 ha Wiese, auf der einmal 2.000 Leute in 750 Wohneinheiten leben werden. Irgendwann einmal, denn es wird sehr lange dauern bis es so weit ist. Im Juli soll Baubeginn sein für den ersten Teil der ersten Phase. Der umfaßt 100 der 388 Wohneinheiten und vier öffentliche Gebäude: Kinderkrippe, Schule mit Maison Relais und ein gemischtes Gebäude. In diesem wird es im Erdgeschoß einen Supermarkt geben, im ersten Stock Büros und im zweiten Stock Wohngemeinschaften. Angedockt daran ist eines der 8 zentralisierten Parkhäuser, die jeweils 200-250 Stellplätze haben. In diesem wird es 117 gebührenpflichtige Besucherparkplätze geben, was Probleme sicher erscheinen läßt zu Feiertagen, wenn das Projekt einmal fertig ist.

Denn da die Straßen zwischen den Häusern generell als Spielstraßen in einer Breite von 3,5 m ausgelegt sind, ist dort das Abstellen von Fahrzeugen nicht möglich. Denn steht ein Auto da, kommt nichts mehr vorbei. Es ist aber gestattet, vors Haus zu fahren, um auszuladen, und kein Haus wird weiter als 200 m vom Parkhaus entfernt sein.

Das vierte »Haus für alle« wird ein kleines Kulturzentrum mit Brasserie und Räumen für Vereine, während die Ligue HMC dort einen Theatersaal kriegt, der ganztägig belegt sein wird durch deren Theatergruppe. Die Einfamilienhäuser werden alle Holzhäuser in 9 verschiedenen Typen sein, die Mehrfamilienhäuser und die vier genannten öffentlichen Gebäude werden in tradtitioneller Bauweise errichtet.

Dieser erste Teil soll 2020 fertig werden. Neu in Bau gehen 2019 weitere 100 Wohneinheiten, dann vier Jahre lang jeweils 50. Damit ist dann fast die Hälfte der Fläche bebaut. Wie lange es dauern wird, bis auch der Rest fertig ist, steht leider in den Sternen. Klar, wir haben zu wenig Bauarbeiter, und daher dauert’s, auch wenn die insgesamt 750 Wohneinheiten schon gestern gebraucht worden wären!

jmj

Donnerstag 17. Mai 2018