Frontentwicklungen in Syrien

Die Fronten in Syrien klären sich. Im Nordwesten des Landes rückt die türkische Armee mit verbündeten islamistischen Söldnern weiter auf die Kleinstadt Afrin in der Provinz Aleppo vor. Mehr als 100 kurdische Dörfer entlang der syrisch-türkischen Grenze wurden bisher okkupiert. Ankara hat erklärt, Afrin einzukesseln. Der Syrische Arabische Rote Halbmond (SARC) forderte Garantien, um – gemeinsam mit UNO-Organisationen – Hilfsgüter nach Afrin liefern zu können. Zuletzt hatte ein Hilfskonvoi die Stadt Anfang März erreicht.

USA-Außenminister Rex Tillerson signalisierte Ankara gegenüber ein »Einlenken« im Streit um die Kontrolle der Stadt Manbij, die etwa 80 km nordöstlich von Aleppo liegt. Verschiedene (englischsprachige) Medien berichteten am Wochenende, Washington habe Ankara mitgeteilt, man wolle die kurdischen Verbände dazu bewegen, aus der syrischen Stadt Manbij abzuziehen und sich östlich des Euphrat neu zu positionieren. Von den syrischen Kurden, die seit Ende 2014 als »Partner« der USA-geführten »Anti-IS-Koalition« bis nach Rakka und in die Provinz Deir Ez-Zor vorrückten, gibt es bisher keine Erklärung dazu.

In der Provinz Idlib haben syrische Truppen und Verbündete am Wochenende Stellungen der Nusra-Front und deren Verbündeter attackiert. Präzisionsangriffe der russischen Luftstreitkräfte zerstörten am Sonntag das Hauptquartier einer »Syrischen Rettungsregierung«, die mit Al Nusra kooperiert. Möglicherweise handelte es sich dabei auch um eine Antwort auf einen erneuten Drohnenangriff auf die russische Basis Hmeimien. Die Stadt Idlib, die von Islamisten kontrolliert wird, war ebenfalls Ziel von Luftangriffen.

Um die zentralsyrische Stadt Al Qaryatayn (Provinz Homs) konnte derweil der Sicherheitsradius der syrischen Streitkräfte weiter ausgedehnt werden. Nach Angaben der Hisbollah wurde damit ein wichtiger Nachschubweg der Regierungsgegner abgeschnitten. Bisher waren durch das Gebiet Waffen und Kämpfer von der illegalen USA-Militärbasis Al Tanf für »Rebellen« u.a. in Idlib transportiert worden.

In den östlichen Vororten von Damaskus ließen die Kämpfe am Wochenende nach. Am Samstag erreichte ein Hilfskonvoi des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und von UNO-Organisationen die Stadt Douma mit Lebensmitteln und Medikamenten für 12.000 Personen.

Verhandlungen zwischen der syrischen Armee und den Regierungsgegnern in der Ghouta unter Vermittlung des russischen »Zentrums für die Versöhnung der verfeindeten Seiten in Syrien« führten am Wochenende zum Abzug einer ersten Gruppe von Kämpfern der Nusra Front mit ihren Familien. Nach Angaben des russischen Versöhnungszentrums wurden die Kämpfer in die Region Idlib gebracht.

Die syrischen Streitkräfte und ihre Verbündeten haben derweil die Kampfzone in der östlichen Ghouta in drei Gebiete aufgeteilt. Die Städte Douma und Harasta sowie die südlichen, zumeist landwirtschaftlichen Gebiete wurden voneinander getrennt. Weiteres militärisches Vorrücken der syrischen Armee wird wegen der in den städtischen Gebieten lebenden Zivilbevölkerung erschwert.

Offenbar sind weitere Regierungsgegner zum Abzug aus der Kampfzone bereit. Ein »Versöhnungskomitee« von Hammuriyeh verhandelt bereits seit Tagen intensiv über den freiwilligen und »freien Abzug« für »Zivilisten und Kämpfer«, hieß es aus anonymen Teilnehmerkreisen. Bei einem Treffen mit Vertretern der syrischen Regierung am vergangenen Samstag ging es darum, daß diejenigen, die die Orte Hammuriyeh, Sakba und Jisreen verlassen wollten, in die südliche Provinz Deraa oder nach Idlib gebracht werden sollten. Die drei Orte werden von der »Rahman-Legion« kontrolliert, die offiziell alle Verhandlungen ablehnt.

Die südliche Provinz Deraa ist teilweise unter Kontrolle bewaffneter Regierungsgegner, die auch von Israel finanziert werden. Die Provinz gilt als »Deeskalationsgebiet«. Bisher hatte Damaskus einer Evakuierung von Kämpfern nur nach Idlib zugestimmt. Die Regierung würde nach dem Abzug die Kontrolle über Hammuriyeh und die anderen Orte übernehmen, Zivilisten, die dort bleiben wollten, sollten bleiben. Die Verhandlungen wurden am Sonntag fortgesetzt.

Die »Armee des Islam« steht offenbar mit Unterhändlern der UNO in Kontakt, um den Abzug von Nusra-Leuten zu verhandeln. Am Montag wollten zwei Vertreter des vom Westen und Saudi Arabien unterstützten oppositionellen »Hohen Verhandlungskomitees« vom UNO-Sicherheitsrat gehört. Per Videolink sollte auch eine Person aus der östlichen Ghouta zugeschaltet werden.

Karin Leukefeld

Eine Einheit der syrischen Armee bezieht neue Positionen östliche von Damaskus (Foto: AFP)

Montag 12. März 2018