Kongress der Bréifdréieschgewerkschaft

Empörung der Briefträger über zunehmende Überstunden und Doppelrundgänge wächst

Die Lage hat sich weiter zugespitzt, die Unzufriedenheit der Briefträger hat zugenommen, erklärte der Präsident der Bréifdréieschgewerkschaft, Raymond Juchem, am 10. März auf dem Kongreß der Gewerkschaft in Walferdingen.

Besonders zu schaffen machen den Briefträgern die vielen Überstunden in Form von Doppeltrundgängen, die negative Auswirkungen auf die Beschäftigten und auf deren Gesundheit und Familienleben haben, während die späte Zustellung der Post viele Kunden verärgert. Die unhaltbare Situation trug wesentlich dazu bei, dass die Krankheitsrate inzwischen acht Prozent beträgt und damit so hoch ist, wie kaum jemals in der Vergangenheit.

Obwohl Überstunden eigentlich zu den Ausnahmen gehören sollten, hat sich die Lage inzwischen so zugespitzt, dass in einer Woche bis zu 80 Doppelrundgänge anfallen. Doch die Postdirektion tut so, als gäbe es das Problem nicht und wimmelte bisher mit stählerner Härte ab. Daher hat die Briefträgergewerkschaft Vorschläge ausgearbeitet, um die Situation zu entschärfen und diese Vorschläge der Direktion zukommen lassen. Das war vor drei Monaten.

Es stimme wohl, dass die Briefpost zurückgehe – 2017 gab es aber immerhin noch fast 40 Millionen Briefe bei der Post auszutragen – aber deutlich zugenommen haben die Werbeblätter und die Paketsendungen. Zusätzliches Personal einstellen,

Arbeitsbedingungen verbessern!

Es ist dringend notwendig, zusätzliches Personal einzustellen, so der Präsident der Bréifdréieschgewerkschaft am vergangenen Samstag. Er machte unter großem Applaus deutlich, dass die Gewerkschaft, die an die CGFP angegliedert ist, diese Schieflage nicht mehr lange hinnehmen werde und sich mit gewerkschaftlichen Mitteln dagegen wehren werde. Er verwies auch auf die Gewerbeinspektion, die eine Rolle zu spielen habe, die sie bisher aber nicht wahrnehme.

Scharf kritisierte der Präsident auch die schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhne der Kolleginnen und Kollegen mit Privatstatut. Er forderte angemessene Verbesserungen, insbesondere für die unteren Laufbahnen. Außerdem sprach er sich für eine Erhöhung des Mindestlohns aus – je höher desto besser, so Juchem.

Gegen die Schließung von Postfilialen

Ganz entschieden sprach sich der Gewerkschafter gegen die weitere Ausdünnung der Postfilialen aus, von denen vor zwei Jahren 35 geschlossen wurden, während laut Poststrategie von den verbleibenden 63 deren bis zum Jahr 2025 noch maximal 25 übrigbleiben sollen. Juchem verwies in diesem Zusammenhang auf die Verantwortung des Staates, der Hauptaktionär der Post ist. Filialschließungen und die Verlagerung von Postdiensten in Supermärkte und Tankstellen seien nicht im Interesse der Bürger. Er bleibe bei seiner Position, dass ein gutausgebildeter Schalterbeamter der Post in punkto Kompetenz eigentlich nicht zu ersetzen sei und ein Qualitätskriterium, das man den Postkunden bieten müsse.

Den Universaldienst verteidigen

Eingehend befasste sich der Präsident in seiner Grundsatzrede mit den Gefahren für den Universaldienst, der bekanntlich ein Mindestangebot an Postdienstleitungen, die flächendeckend in einer bestimmten Qualität und zu einem erschwinglichen Preis erbracht werden müssen, absichern soll.

Der Universaldienst soll ab 2020, erstmals vor dem Hintergrund einer vollständigen Liberalisierung der Postdienste, neu verhandelt werden. Hier gelte es, Einschränkungen des Universaldienstes zu verhindern. Im nahen Ausland werde bereits getestet, wie die Bevölkerung darauf reagiert, wenn die flächendeckende Postverteilung nur noch alle zwei Tage erfolgt.

Frühzeitig genug habe die Gewerkschaft daher vor wenigen Tagen alle Parteien angeschrieben und von ihnen in Wahlprüfsteinen gefordert, sie sollten eine klare Haltung zum Universaldienst und zur Frage der Postfilialen beziehen und diese Haltung auch in ihr Wahlprogramm schreiben.

KPL solidarisch

Eingangs des Kongresses hatte Sascha Petulowa sich im Namen der Bréifdréieschgewerkschaft für die Grußbotschaft der KPL (»Zeitung« vom 10. März) bedankt. Darin hatte die KPL, die auf dem Kongress durch ihren Präsidenten Ali Ruckert vertreten war, sich solidarisch mit der Gewerkschaft in ihrem Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen und den Erhalt der Postfilialen und des Universaldienstes erklärt und sich für das Angebot bedankt, ein Gespräch über die anstehenden Probleme im Postbereich zu führen.

Nik.

Montag 12. März 2018