Die im Dunkeln sieht man nicht

Deutsche Schattenbanken verwalten drei Billionen Euro. Fondsmanager sehen sich diffamiert

Die neoliberale Umverteilung hat zu neuen Höchstmarken geführt. Das in Fonds gehandelte Vermögen hat in Deutschland im vergangenen Jahr die Grenze von drei Billionen Euro überschritten. Das berichtete der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) am Montag in Frankfurt am Main. Seit 2007 habe sich das darin gesammelte Geld um 77 Prozent vermehrt.

»Die positive Grundstimmung an den Finanzmärkten«, so BVI-Präsident Tobias Pross, sei neben den niedrigen Zinsen auf die Privatisierung der Altersvorsorge zurückzuführen. Der seit 2011 anhaltende Aufwärtstrend habe sich fortgesetzt. Netto sammelten die Anbieter im vergangenen Jahr 160 Milliarden Euro ein. Nur 2015 war das Neugeschäft nach BVI-Angaben mit 193 Milliarden Euro noch erfolgreicher. Erneut sei der Großteil des Geldes mit 88,1 Milliarden Euro in Spezialfonds geflossen, in die vor allem Versicherer und Pensionskassen investieren. Fast zwei Drittel (63 Prozent) der rund 1,6 Billionen Euro, die die Branche in Spezialfonds verwaltet, seien dabei der Altersvorsorge zuzuordnen.

Nachdem im Vorjahr aus reinen Aktienfonds netto 1,7 Milliarden Euro abgeflossen waren, steckten »Anleger« genante Spekulanten 2017 unter dem Strich 18,2 Milliarden Euro frisches Geld in solche Fonds. Besonders beliebt sind dabei börsengehandelte Indexfonds (ETF), die einen Index nachbilden und nicht aktiv gemanagt werden. Wegen vergleichsweise geringer Gebühren sind ETF zunehmend gefragt.

Die Finanzhaie zielten mit ihrer Pressemitteilung auch auf mögliche Regulierungen durch eine neue Bundesregierung. Die Branche sei »inzwischen überreguliert«. Die vom Deutschen Gewerkschaftsbund erhobene Forderung nach einer Abschaffung der Abgeltungssteuer, wonach Finanzgeschäfte genauso wie Erträge aus Arbeitstätigkeit in der Steuererklärung erfaßt werden sollten, lehnt der BVI ab. Schädlich wäre auch die Einführung einer Finanztransaktionsteuer in Deutschland, heißt es. Sie würde nicht die Finanzbranche, sondern letztlich nur die »Anleger« treffen.

»Irritiert« zeigte sich der BVI davon, daß der unlängst zu den Akten gelegte Begriff der »Schattenbanken« wieder Eingang in den Koalitionsvertrag von SPD, CDU und CSU gefunden habe. Dabei hätten selbst nationale und internationale Aufsichtsbehörden wie die Bafin oder der Finanzstabilitätsrat von diesem Abstand genommen. »In der internationalen Diskussion hat der Begriff aus gutem Grund ausgedient, denn streng regulierte Investmentfonds sind weder Banken noch agieren sie im Schatten. Es gibt kaum eine Branche, die so gut ausgeleuchtet ist wie das Fondsgeschäft.«

(dpa/jW/ZLV)

»Es gibt kaum eine Branche, die so gut ausgeleuchtet ist wie das Fondsgeschäft«, sagen die Finanzhaie (Foto: dpa)

Mittwoch 14. Februar 2018