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Alles nur ein Missverständnis?

Bereits Monate bevor die Reform der Pflegeversicherung zum 1. Januar 2018 in Kraft trat, hatten Pflegedienste, Gewerkschaften, der Lëtzebuerger Rentner- an Invalideverband und die KPL die mit dem neuen Gesetz einhergehenden Verschlechterungen scharf kritisiert. Angeprangert wurden unter anderem die Einführung eines (ungerechten) Stufensystems, die Kürzung der spezialisierten Fördermaßnahmen und die Abschaffung der von der Pflegeversicherung bezahlten Begleitung beim Einkaufen.

Auch viele Pflegebedürftigen äußerten inzwischen Unverständnis und Protest ob der Abschaffung der bezahlten Einkaufshilfe, und manche machten ihrem Ärger damit Luft, dass sie ankündigten, am Wahltag werde Zahltag für den Sozialminister und seine Partei sein.

Das schlug hohe Wellen und führte schließlich dazu, dass der Sozialminister, der bis zu diesem Tag immer konkreten Antworten ausgewichen war, verkünden ließ, das alles sei nur ein Mißverständnis; Selbstverständlich werde die Begleitung beim Einkaufen beibehalten, und es bestehe ab sofort die Möglichkeit, vier Stunden (!) Gruppenbetreuung in eine Stunde (!) individuelle Betreuung, zum Beispiel in Form einer Einkaufsbegleitung, umzuwandeln.

Angesehen davon, dass dieser Umwandlung von vier kollektiven in eine individuelle Stunde alles andere denn nachvollziehbar ist, wagen wir zu behaupten, dass der Minister erst nach den wachsenden Protesten und möglichen verheerenden Auswirkungen für sich und seine Partei bei den anstehenden Chamberwahlen die Notbremse zog und ein Missverständnis geltend machte.

Fazit: Proteste haben große Aussicht auf Erfolg, wenn sie konsequent genug vorgetragen werden. Dem Pflegebereich sollten schnell weitere Beispiele folgen.

A.R.

Ali Ruckert : Dienstag 13. Februar 2018