Unser Leitartikel:
Wenn es um die Langzeitarbeitslosen geht, sind Patronat und Regierung taub

Seit Juli 2006 steigt die Zahl der Langzeitarbeitslosen rapide an. Waren damals »lediglich« 2.839 Arbeitsuchende länger als 12 Monate ohne Job, so stieg diese Zahl innerhalb von nur dreieinhalb Jahren dramatisch auf 4.688 an. Eine Steigerung demnach von 1.849 Frauen und Männern, deren Chancen, wieder zurück ins aktive Leben zu finden, von Monat zu Monat geringer werden. Insgesamt trifft dies derzeit auf jeden dritten Arbeitslosen zu.

In einem noch schlimmeren Ausmaß stieg in der gleichen Periode die Zahl der »älteren« Arbeitsuchenden. Waren im Juli 2006 »nur« 3.803 Arbeitsuchende älter als 40, so sind es deren inzwischen 6.480. Das sind 45,2 Prozent aller bei der ADEM eingeschriebenen Arbeitslosen. Menschen, die kaum noch Perspektiven haben und an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden.

Auch wenn Regierung und Patronatsorganisationen es immer wieder abzustreiten versuchen, so zeigen diese Zahlen jedoch in aller Deutlichkeit, dass zunehmend Menschen riskieren, schon mit 40 abgeschoben und ausrangiert zu werden. Ein Skandal.

Den »Experten« von EU und OECD, die nicht müde werden Luxemburg dafür zu kritisieren, dass im Großherzogtum die Menschen angeblich viel zu früh aus dem aktiven Leben treten, ist man jedenfalls geneigt entgegenzuhalten, doch mal die Schnauze zu halten und sich eingehender mit der Praxis »um Terrain« zu befassen. Dabei würden sie erkennen, dass Menschen zwischen 40 und 60, die auf Arbeitsuche sind, zunehmend vom Patronat als untauglich abgestempelt werden, wodurch ihnen die Türen ins aktive Leben regelrecht versperrt bleiben.

So und nicht anders sieht die Realität aus, auch wenn vor drei Jahren in einer Studie 95 Prozent der 1.300 befragten Firmen noch angab, die Bedeutung der langen Berufserfahrung von älteren Beschäftigten sei für die Betriebe von großem Nutzen. 75 Prozent vertraten ebenfalls die Ansicht, ältere Lohnabhängige würden die ihnen anvertrauten Arbeiten genau so gut und ähnlich schnell erledigen wie Jüngere. Sieht man jedoch die Einstellungspraktiken dieser Unternehmer, so kommt man nicht umhin, den Unternehmern Heuchelei und Unehrlichkeit vorzuwerfen. Sie täten besser daran, endlich Klartext zu reden und allen offen zu sagen, dass sie die Lohnkosten von Beschäftigten mit langer Berufserfahrung vielfach als Risiko … für höheren Profit sehen.

Doch nicht nur das allein auf Profitmaximierung orientierte Patronat ist wegen seiner Einstellungspolitik heftig zu kritisieren.

Auch die Politik ist gefordert. So müssen schnellstens neue Arbeitsplätze her. Dabei auch solche für Beschäftigte mit geringer Qualifikation, und zwar in ausreichendem Maße. Sektoren wie der Gemüse- und Obstanbau die Holzindustrie, aber auch einzelne Bereiche im Dienstleistungs- und Sozialwesen würden sich, so wie es die Kommunisten seit Jahren fordern, bestens hierzu eignen.

Auf diesem Ohr ist die Regierung jedoch taub. Mit dem Resultat, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen immer weiter wächst.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Donnerstag 14. Januar 2010