Unser Leitartikel:
Milliarden für Obamas Spin-Doktoren

Die Liste der historisch gesicherten Lügen und Manipulationen, um Kriege vom Zaun zu brechen und zu rechtfertigen, ist lang. Doch wie Ignacio Ramonet in seinem Buch »La Tyrannie de la communication« aufzeigt, haben die Militärs die mediale Präsentation ihrer Kriege erst zu Beginn der 90er Jahre, im Vorfeld des ersten Krieges der USA gegen den Irak, selbst in die Hand genommen.

Als es im Spätsommer 1990 darum ging, die Bevölkerung der USA in Kriegsstimmung gegen den Irak zu bringen, dessen Truppen sein damaliger Präsident Saddam Hussein gerade mit ausdrücklicher Billigung Washingtons im Nachbarland Kuwait hatte einmarschieren lassen, verbreitete die Regierung von Papa Bush die Nachricht von irakischen Soldaten, die in einem kuwaitischen Krankenhaus Frühgeborene aus ihren Brutkästen gerissen und auf den Boden geschleudert hätten.

Unter Tränen wurde die Geschichte am 10. Oktober 1990 von einer kuwaitischen Kinderkrankenschwester vor dem Kongreß in Washington erzählt und CNN sorgte dafür, daß diese Bilder weltweit ausgestrahlt wurden. Später stellte sich heraus, daß die Gruselgeschichte von Anfang bis Ende von der New Yorker PR-Agentur Hill & Knowlton erfunden war, die dafür zehn Millionen Dollar kassierte. Die junge »Kinderkrankenschwester« war tatsächlich Mitglied der al-Sabahs, einer der kuwaitischen Herrscherfamilien, und als Tochter des kuwaitischen Botschafters in Washington noch nicht einmal im Land, als der irakische Einmarsch erfolgte. Solche Einflüsterer im Schatten der Macht werden in den USA »spin doctors« (Nachrichtenverdreher) genannt, weil sie möglichst unauffällig versuchen, einem Thema in der Öffentlichkeit den von ihnen gewünschten Dreh (engl. spin) zu geben, um so ihre Sicht der Dinge in den Medien zu positionieren.

Zwar hat die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) – zumindest in ihrem deutschsprachigen Angebot – auf eine entsprechende Meldung verzichtet, doch wie andere Agenturen berichten, hat AP-Chef Tom Curley am Wochenende einen aufschlußreichen Vortrag in der Universität von Kansas gehalten. Der Druck des Pentagon auf Berichterstatter werde allmählich unerträglich, hatte Curley demnach geklagt. Hohe US-Generäle hätten sogar gedroht, daß man »die AP und ihn zerstören wird, wenn er und die Nachrichtenagentur weiterhin auf journalistischen Prinzipien bestehen«. Elf AP-Journalisten seien seit 2003 für längere oder kürzere Zeit verhaftet worden.

Curley zufolge hat das US-Militär seine Propagandamaschine enorm ausgebaut. AP habe recherchiert, daß das Pentagon für dieses Ressort über ein Jahresbudget von 4,7 Milliarden Dollar und 27.000 Mitarbeiter verfügt. Wozu diese Mittel eingesetzt werden, bleibe meist geheim. Wenn Journalisten sich an die Pressestelle des Pentagon wendeten, sei die Chance größer, daß Geheimdienste gegen sie ermittelten, als daß sie Auskunft bekämen. Es sei auch ständige Praxis, daß Experten des Kriegsministeriums Seiten ins Internet stellten, die den Eindruck erweckten, von unabhängigen Organisationen zu stammen.

Eine für den Informationskrieg zuständige Dienststelle namens »Joint Hometown News Service« ist nach AP-Informationen auf einem früheren Luftwaffenstützpunkt im texanischen San Antonio untergebracht. Dort würden Wort- und Bildberichte produziert, die unter falscher Quellenangabe in die Medien lanciert werden. Für 2009 sei die Herausgabe von 5.400 Pressemitteilungen, 3.000 Fernsehspots und 1.600 Radiointerviews geplant – doppelt so viel wie vor zwei Jahren unter Obamas Vorgänger Bush junior.

Oliver Wagner

Oliver Wagner : Donnerstag 12. Februar 2009