Spekulationen über Jordanien

Das jordanische haschemitische Königshaus will Online- und soziale Medien, die »Gerüchte, irreführende Behauptungen (…) und Lügen« über die Prinzen Feisal bin Al Hussein, Ali bin Al Hussein und Talal bin Muhammed verbreiten, strafrechtlich verfolgen. Am Sonntag hieß es in einer Erklärung, die verbreiteten falschen Nachrichten sollten »Jordanien und seine Institutionen schwächen«.

Hintergrund ist, daß der jordanische König Abdullah II. die drei Prinzen, die führende Posten in den jordanischen Streit- und Sicherheitskräften hatten, zum Ende des Jahres in den Ruhestand geschickt hatte. Feisal bin Al Hussein und Ali bin Al Hussein sind Brüder des jordanischen Königs, Talal bin Muhammed ist ein Cousin. Alle drei hatten knapp zwanzig Jahre im Dienst der jordanischen Streitkräfte gestanden, berichtete das britische Militärmagazin »Jane’s Defence Weekly« am 29.12.2017. Die jordanischen Streitkräfte sollen grundlegend umstrukturiert und professionalisiert werden.

Die regionale Online-Zeitung »Al Sura« – nach eigenen Angaben eine »unabhängige Plattform für Bürgerjournalisten, soziale Medienaktivisten und unabhängige Analysten« – hatte darüber spekuliert, daß die Prinzen festgenommen oder unter Hausarrest gestellt worden seien, weil sie angeblich zu enge Kontakte zu den Königshäusern von Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gehabt haben sollen. Eine angeblich »erneuerte ‚revolutionäre‘ Bewegung in verschieden Staaten des Mittleren Ostens« habe zu Verwerfungen zwischen den Golfstaaten Saudi Arabien, VAE einerseits und Katar andererseits geführt. Der saudische Thronfolger Prinz Mohammed bin Salman habe es sich offenbar wegen seiner neuen Politik mit etlichen arabischen Staaten, darunter auch mit Jordanien verdorben. Verschiedene Medien vermuteten daraufhin Vorbereitungen zu einem Sturz von König Abdullah, den die drei Prinzen gemeinsam mit Saudi-Arabien geplant haben könnten. Belege gibt es dafür nicht.

Das vom israelischen Geheimdienst verbreitete Online Portal »DEBKA-File« präsentierte gleichwohl einen weiteren Aspekt. Ein »eskalierender Wettbewerb« zwischen den Königshäusern von Jordanien und Saudi Arabien habe »das Potential zu explodieren«, der jordanische König habe Riad »den Fehdehandschuh hingeworfen«. Der »eskalierende Wettstreit« könne zu einer regionalen Konfrontation führen, von der auch Israel und Jerusalem nicht verschont blieben. Der jordanische König Abdullah – Hüter der Heiligen Al Aksa Moschee in Jerusalem – kritisiere zudem die Jerusalem-Entscheidung von USA-Präsident Donald Trump, hieß es bei »DEBKA-File«. Der saudische Kronprinz und die Emirate sollen ihn dagegen »aufgefordert haben (…) die Kritik zu stoppen«.

Das jordanische Königshaus wies alle Spekulationen zurück und veröffentlichte Briefe an die drei Prinzen, in denen es u.a. heißt, »(….) die Modernisierung, Entwicklung und der Umbauprozeß (der Jordanischen Streitkräfte, kl) erfordert es, daß Sie ebenso wie ihre hochrangigen Brüder in der Armee in den Ruhestand versetzt werden.«

Tatsächlich regierte das haschemitische Königshaus einst den Hejaz, der heute zu Saudi Arabien gehört. Seit dem 10. Jahrhundert waren die Haschemiten die Hüter der Heiligen Muslimischen Stätten in Mekka und Medina, aus denen sie 1924 gewaltsam vom saudischen Königshaus vertrieben wurden.

Die Berichterstattung über den Vorgang, daß der jordanische König als Oberbefehlshaber der Streitkräfte hochrangige Offiziere in den Ruhestand versetzt – und dabei noch großzügig je einen Rang nach oben befördert – deutet eher auf eine Medienkampagne hin als auf ernst zu nehmende Aufklärung. Ein real vorhandener Dissens unter den arabischen Staaten über die Politik von Donald Trump in Sachen Palästina soll offenbar angefeuert werden.

Jordanien hatte die Jerusalem-Erklärung von Trump zurückgewiesen und u.a. eine Sitzung der Arabischen Liga einberufen. Zudem versucht das Land seit einem Jahr, seine Kontakte zu den Nachbarländern Irak und Syrien wieder herzustellen, weil es durch die Kriege in den beiden Ländern massive wirtschaftliche Verluste zu verkraften hat. Jordanien will auch mit dem Iran enger wirtschaftlich zusammenarbeiten, was vor allem Israel und Saudi Arabien versuchen zu verhindern.

Der fünf Jahre lang geschlossene Grenzübergang in den Irak war vor wenigen Monaten wieder geöffnet worden. Auch der Grenzübergang nach Syrien, der von bewaffneten oppositionellen Gruppen kontrolliert wird, soll nach dem Willen der Regierung in Amman wieder geöffnet werden.

Karin Leukefeld, Damaskus

Der jordanische König Abdullah II. am 19. Dezember bei Frankreichs Präsident Macron in Paris (Foto: EPA-EFE)

Mittwoch 3. Januar 2018