Unser Leitartikel:
Nur so ist das Handwerk aufzuwerten

Das Handwerk benötige bestens ausgebildetes und flexibles Personal, so eine der vielen Forderungen der Handwerksföderation. Darüber hinaus müsse das Handwerk als Solches unbedingt aufgewertet werden. Eine Forderung, die für uns Kommunisten nicht neu ist, treten wir doch schon seit vielen Jahren dafür ein.

Die geforderte Aufwertung darf allerdings nicht zu Lasten der Schaffenden erfolgen. Genau dies fordert das Patronat. Wer nämlich für eine bessere Berufsausbildung und eine Aufwertung des Handwerks eintritt, und im gleichen Atemzug ständig gegen den Mindestlohn stänkert, für eine moderate Lohnpolitik und eine Kürzung der Arbeitslosenunterstützung eintritt, sich für eine Beschneidung hart erkämpfter Errungenschaften stark macht und eine Anpassung der Löhne an den Index lieber heute als morgen abgeschafft sieht, fordert unmissverständlich, dass ihre Forderungen in erster Linie durch Sozialabbau finanziert werden soll.

Das kann so nicht akzeptiert werden. Wer junge Menschen für das Handwerk begeistern will, muss ihnen Perspektiven bieten. Hierzu gehören eine Arbeitsplatzgarantie, eine angepasste Entlohnung sowie Aufstiegschancen im erlernten Beruf.

Dazu gehört allerdings auch die Zusicherung, nach bestandener Lehre vom Betrieb übernommen zu werden. Was heutzutage beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. So kommt es immer häufiger vor, dass jungen Menschen nach bestandener Gesellenprüfung kein Arbeitsvertrag angeboten wird.

»Perspektiven« die dazu führen, dass immer weniger junge Menschen das Risiko einzugehen bereit sind, während drei Jahren als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, um anschließend trotz Diplom auf der Straße zu landen.

Eine weitere Hemmschwelle eine Lehre anzutreten besteht darin, dass die Arbeit, die man im Privatsektor als Handwerker zu verrichten hat – sollte man nach Ende der betrieblichen und schulischen Ausbildung im erlernten Beruf eine Anstellung finden – meistens unterbezahlt ist. Und dies nicht nur in den Anfangsjahren der beruflichen Laufbahn. Ein Blick in so manchen Kollektivvertrag zeigt, dass Handwerker vielfach nur mit dem qualifizierten Mindestlohn abgespeist werden – oder nur wenig mehr als die gesetzlich vorgegebenen 2.398 Euro verdienen. Zu wenig, um ein Leben in Würde führen zu können.

Eine nicht minder große Hürde, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, ist die anhaltend hohe Zahl an Handwerksbetrieben, die sich in Schwierigkeiten wähnen und reihenweise für negative Schlagzeilen sorgen. So wurde beispielsweise nicht später als gestern bekannt, die Firma Sermelux aus Kehlen, die nahezu 80 Erwerbstätige beschäftigt, stehe vor dem Konkurs.

Eine Aufwertung des Handwerks kann also nur über eine Umverteilung der Gewinne erreicht werden. Gewinne, die nicht weiter vorrangig in die Taschen der Betriebsinhaber fließen dürfen, sondern zu großen Teilen in eine qualitativ bessere Berufsausbildung, in neue Arbeitsplätze – auch solche für Hilfshandwerker mit weniger Qualifikation – in höhere Löhne und in die Absicherung der Arbeitsplätze investiert werden müssen.

Wer jedoch, so wie es die Handwerkskammer fordert, verlorene Markanteile über Sozialabbau und eine Reduzierung der Lohn- und Lohnnebenkosten zurückgewinnen will, muss mit der Kritik leben, dass ihre Forderung, das Handwerk aufzuwerten, nicht im Interesse der Schaffenden, sondern allein im Sinne der Profitmaximierung erfolgt.

gilbert simonelli

Dienstag 14. November 2017