Angriff auf LAR und Private:
CMCM-Werbefeldzug
Albert Glod, Präsident des Verwaltungsrats (links) und Fabio Secci, Gneraldirektor, freuten sich, daß die Jouranlisten durch das Chaos am Kirchberg zur Pressekonferenz gefunden hatten
Die 1956 gegründete CMCM (»Caisse Médico Complémentaire Mutualiste«) verweist mit Stolz darauf, nicht die Absicht auf Profit zu haben wie private Anbieter. Auch wenn die Beitragshöhe nach dem Alter beim Beitritt gestaffelt ist, wird zur Aufnahme kein medizinisches Dossier verlangt und somit niemand abgelehnt als zu hohes Risiko.
Zum 6.11.2017 hatte die CMCM 132.923 Verträge, die für den ganzen Familienhaushalt gelten. Ein Haushalt umfaßt im Lande Luxemburg durchschnittlich 2,1 Personen, weshalb rechnerisch 279.138 Leute abgesichert sein müßten, wobei nur 7.000 Verträge im nahen Ausland sind.
Für Junggesellen unter 30 wurde ein Sonderrabatt von 10 Prozent eingeführt, der bis zu einer Heirat, einem Partenariat oder dem Erreichen des Alters von 30 Jahren gilt, um Jüngere anzuziehen, denen private Anbieter laut Generaldirektor Fabio Secci nahezu unanständig niedrige Angebote machten, in der Hoffnung, ihnen wegen guter Gesundheit dennoch nichts zurückzahlen zu müssen, bis sie älter werden, und ihnen dann konsequent mehr abverlangt wird.
Solch ein Vorgehen verbiete der Solidaritätsgedanke der Mutualität, die aber für ihr Umlagensystem auch junge Gesunde braucht. Denn der Altersdurchschnitt der seit 1.1.2017 neu geschlossenen 3.466 Verträge liegt bei 36.
Ausgetreten sind seit diesem 1.1. ganze 690, wobei die CMCM neuerdings alle, die noch nicht über 55 sind, anruft, um den Grund zu erfahren. Die meisten gaben da an, Osteopathie sei nicht abgedeckt – und so wird es ab 1.1.2018 dann auch in der Basisversicherung 10 € dafür im Jahr geben und mit Prestaplus nochmals 15 €. Ob das als Anreiz reicht, wird 2018 zeigen. Weil der Altersdurchschnitt der Mitglieder relativ hoch ist, waren auch 1.414 Verträge durch Todesfall des letzten Mitglieds im Vertrag zu schließen. Wobei bei Eheschließung oder Partenariat im Fall des Falles am nächsten Neujahrstag aus zwei Verträgen einer wird.
Gegenüber privaten Anbietern ein Werbeargument ersten Ranges sind die kürzeren Wartezeiten: nur 3 Monate bei Prestaplus, die im Fall einer Schwangerschaft zum Beispiel das 1. Klasse-Zimmer zahlt, und 9 Monate bei Denta & Optiplus. Wobei aber nicht anzuraten ist, nach Erhalt der Leistung gleich wieder zu kündigen: diesen Verstoß gegen den Solidaritätsgedanken verbieten die Statuten.
Eine weitere Stoßrichtung des Werbefeldzugs, der mit wöchentlichen Gesundheitstips 2017 anlief und der nun mit etlichen Leistungsverbesserungen ab 1.1.2018 winkt, geht in Richtung von Gruppenverträgen fürs ganze Personal eines Betriebs – wohl auch ein Mittel mehr Grenzgänger einzufangen, wobei das Mutualitätssystem bei der Krankenversicherung in Belgien und Frankreich der Hauptgrund ist, warum da bislang wenig Verträge zustande kamen.
Die Verbesserung vieler Leistungen soll 4,2 Mio. im Jahre 2018 kosten. Das werde möglich mit einer Beitragserhöhung von 0,5 € im Monat pro Familie, weil das Defizitloch von 9 Millionen, das Denta & Optiplus bei der Einführung 2011 riß, wieder aufgearbeitet und obendrein sogar Reserven geschaffen wurden laut Generaldirektor Secci.
Hilfe im Ausland
Ohne sie anders zu nennen als die Gesellschaft mit den drei Buchstaben auf den Fluggeräten, richtete Fabio Secci der LAR aus, sich doch bitte nicht mit Krankenrückführungen zu brüsten, die von der CMCM bezahlt wurden. Letztere arbeite mit der IMA (»Intermutuelle Assistance«) zusammen, die einen Vertrag mit der Air France habe. Das Nutzen derer Linienflüge werde selbst dann um die Hälfte billiger als ein eigens fliegender Lear Jet, wenn in das Linienflugzeug eine Kabine wie ein Krankenzimmer eingebaut wird – und da sei dann natürlich auch ein Arzt oder Krankenpfleger dabei, wenn das nötig sei.
In 60 Prozent der CMCM-Assistenzfälle, die von der Spitalspflege vor Ort bis zur Heimführung gehe, erfolgten übrigens weil einfach wer krank wird. In 36% sind Unfälle die Ursache, aber nur in weiteren 2% Autounfälle. 84 Prozent oder 290 Dossiers von 472 in den Jahren 2016/17 beträfen Europa, 35 Dossiers Afrika und den Orient, 20 Dossiers Asien und Ozeanien sowie 13 Dossiers Nord- und Südamerika.
Neue Wohltaten
Die neuen Leistungen sind im Detail auf www.cmcm.lu zu finden. Neben der bereits genannten Osteopathie hob der Generaldirektor bei der gestrigen Pressekonferenz 15 € über die Basisversicherung und 10 € über Prestaplus für den Belastungstest beim Kardiologen hervor, womit alles abgedeckt sei, was die Gesundheitskasse nicht zahle. Die CMCM zahle nun auch bei gewissen Analysen von Kardiologen bzw. in der Schwangerschaft, die von der Gesundheitskasse nur bezahlt werden bei einem positiven, nicht aber bei einem erfreulich negativen Ergebnis. Für den Besuch beim Kinderpsychologen gibt es mit Prestaplus neu 25 € einmalig im Jahr. Neu wird auch mit der IMA zusammen eine Reiseabsicherung im Krankheitsfall mit mindestens einer Spitalsübernachtung oder bei einem Sterbefall von 750 € maximal mit 50 € Selbstbehalt und das zweimal im Jahr geschaffen. Bei den Zahnbehandlungen gäbe es bei vielen Positionen mehr, zu nennen sei vor allem vier statt drei Implantate im Jahr mit 350 € bis zu maximal 75% nach Rückzahlung der Gesundheitskasse.
jmj
Mittwoch 8. November 2017
