ACEL will vor allem beraten:

Werkstudenten-Statut gefordert

Die 1984 als unpolitische und von allen Parteien unabhängige Vertretung Luxemburger Studierender gegründete »Association des Cercles d’Etudiants Luxembourgeois« hat heute 40 Zirkel in der BRD, in Österreich, Belgien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und auch in Luxemburg selbst.

Die ACEL versteht sich als Service-Organisation. Folglich berät sie Studienwillige in den Lyzeen und bei der Studentenfoire, aber auch danach vor Ort, wo dann aber das gesellige Beisammensein in heimelig-nationaler Runde die Oberhand gewinnt. Dazu gibt es ein neu aufgelegtes Liederbuch mit 73 Klassikern aus Luxemburg wie aus deutschen und französischen Landen. Weil alles auch digital sein muß, wurde auch eine »ACEL Lidderbuch«-App mit sogar 100 Liedern geschaffen.

Im Juli gibt es jedes Jahr fürs Wiedersehen mit alten Bekannten, die es in andere Uni-Städte verschlagen hat, den Studentenball (am 14.7. fand der 17. statt) und Ende Dezember gibt’s zum selben Zweck das Weihnachtsturnier mit Fußball, Basket- und Volleyball. Wobei der Gewinn aus dem Studentenball an die Zirkel geht, die beim Auf- und Abbau tätig sind und am Tag selbst für Speis und Trank sorgen – es waren 31 letztes Mal. Beim Turnier geht der Gewinn an soziale Zwecke, zuletzt an Hariko und die Krebsstiftung.

Denn die ACEL hat ansonsten in der Staatssparkasse einen finanzstarken Partner und hat obendrein einen guten Draht zu CEDIES und Regierung. So sind die regelmäßig neu aufgelegten aufwendigen Broschüren »Guide du Futur Etudiant« und »Guide du Futur Diplômé« überall dort erhältlich – bei der Spuerkees sogar in allen Filialen.

Gute unpolitische Kontakte machen sich bezahlt. Letztes Jahr gelang es so der ansonsten außerhalb des Militärischen aufs Sparen versessenen Regierung ein Gratis-Studentenabo bis 30 Jahre für den öffentlichen Personennahverkehr abzuringen statt der bis dahin angebotenen Jumbo-Karte für 75 €, die es nur bis 25 Jahre gab.

Die Stadt Luxemburg ihrerseits stellte nicht nur die Örtlichkeit für den Studentenball beim Park&Ride Bouillon, sondern half auch technisch aus.
Rifkin und die billige Batterie

Als Belohnung für ein Gutachten zu Rifkins 480 Seiten, um das die Regierung die ACEL gebeten hatte, gab es einen Sitz im »Comité de suivi stratégique«, worauf das Komitee richtig stolz ist.

Das obwohl das Gutachten sich nicht mit der gesamten Problematik befaßt, ganz besonders nicht mit der Frage, ob das Reich der billigen Batterie, mit der die Rifkin-Strategie steht und fällt, wirklich kommen kann. Der gute Mann bereist seit 2004 die Welt als Wanderprediger der billigen Batterie, doch 13 Jahre später gibt es sie noch immer nicht. Lithium ist weiterhin eine der seltenen Erden, und die heißen so, weil es nicht wirklich viel davon gibt. Im Lithium-Bergbau werden tausende Tonnen Erde und Gestein bewegt für ein paar Kilo Lithium, was weder ökologisch noch billig ist.

Auf unsere Nachfrage hieß es gestern, die ACEL sehe das Ganze durchaus kritisch. Ein guter Teil werde nicht umsetzbar sein, wie auf den vielen Seiten beschrieben. Dennoch gäbe es da gute Anregungen und Denkansätze, um die Luxemburger Gesellschaft zum Nachdenken anzustoßen.

Nachgedacht hat die ACEL vor allem über die dynamischere Berufswelt, auf die es sich einzustellen gelte. Allerdings könne es – im Gegensatz zur Rifkin-Forderung dazu – nicht darum gehen, den Anteil der Akademiker im Land noch gewaltig zu steigern, da der doch schon recht hoch in Luxemburg sei.
Zwar solle die Luxemburger Uni weiterentwickelt werden zu einer Forschungsuni in Europa, wozu das Einwerben von Drittmitteln gefördert werden müßte. Unpolitisch wird also hier sehr rasch kapitalfreundlich, denn über die Drittmittel kriegt das Kapital Einfuß auf die utilitaristische Ausrichtung der Forschung, was ganz schlecht ist, da sie damit nicht mehr ergebnisoffen erfolgen kann. Das ist absolut tödlich für Grundlagenforschung aber auch für alle Bereiche, die nicht sofort als profitabel verwertbar ins Auge springen.

Immerhin verteidigt die ACEL die Mobilität der Studierenden als weiterhin nötig: Luxemburg könne zu vertretbaren Kosten nicht alles anbieten. Als Beispiel genannt wurden Ingenieur-Studien.

Klar müsse sein, daß es ohne lebenslanges Lernen nicht gehen könne, wobei dazu konkrete Projekte oder zumindest Ideen bei Rifkin fehlen. Fix ist jedenfalls, daß das, was heute gelehrt wird, in 10 Jahren überholt ist – außer bei der Sprachwissenschaft, trauen wir uns hinzuzufügen.

REEL und Studentenstatut

Die »Réunion Européenne des Etudiants Luxembourgeois« (REEL) gibt es wie die ACEL vom 21.-24.9. zum 33. Mal und zwar diesmal in Köln. Weil der ACEL aufgestoßen ist, daß heute selbst von Berufsanfängern Berufserfahrung verlangt wird, es aber in Luxemburg verwaltungstechnisch sehr kompliziert ist, in einen Stage oder ein Dienstverhältnis als Studierender zu kommen, ist das Thema Studentenstatut Teil der diesjährigen REEL. Der Arbeitsminister wird eine Rede am 23.9. vormittags halten, am Nachmittag gibt’s ein Rundtischgespräch mit ADEM und Patronat und der Premier eröffnet am Abend das Gala-Diner mit einer Rede. Über das Ergebnis wird nächstes Jahr berichtet.

jmj

Freitag 15. September 2017