Der große Kommunikator hat gesprochen:

Alle Schulprobleme gelöst?

Lobt dich keiner, dann lob dich selbst, scheint die Devise von Erziehungsminister Meisch zu sein. Und so lobte er sich gestern ausführlich in diesem »aufregendem Moment für uns alle«, wo soooo viel anders wird oder zumindest für den offiziellen Teil anders heißt.

Der große Kommunikator hat der Presse keinerlei Dossier mit Zahlen vorgelegt, ihm sind auch keine bekannt, wenn er danach gefragt wird. Dafür gibt es ein vierfarbiges »Infomagazin«, das auf teurem Papier in 160.000 Exemplaren gedruckt wurde und an die Eltern verteilt wird. Laut Claude Meisch »um zu erklären, was wir machen«, in Wirklichkeit auch nur, um sich zu loben. Aber immerhin, alle Schulferien des kommenden Schuljahres sind auf der zweitletzten Seite aufgeführt.

Nachdem das nun also genauso klar ist wie die Gesetz bekannt sind, die allein von den Regierungsparteien gestimmt wurden, sind wir gebeten uns über die 15 Direktionen auch in der Grundschule zu freuen, die das bisherige Inspektorat ersetzen, wir sollen glauben, daß die »Education différenciée« nun die Mittel hat für eine inklusive Schule, wir sollen begeistert sein über die Sprachförderung für die Kleinsten in der Kinderkrippe samt 20 Gratis-Stunden, und wir sollen uns freuen, daß vormalige Moral- wie Religionslehrer nun den einheitlichen »Werteunterricht Vie et Société« auch in der Grundschule unterrichten und das Fach gemeinsam weiterentwickeln werden. Und wenn wir uns nicht freuen, weil da erstens je nachdem, wer am Werk ist, ganz was anderes rauskommt, und weil wir zweitens eigentlich überhaupt nicht scharf sind auf die Pseudo-Werte des real existierenden Kapitalismus, dann haben wir eben Pech.

Gewinn für Apple

Dafür jubelt Meisch weiter über die »digitalen Kompetenzen«, die gestärkt würden, ganz besonders mit der Sektion I in ganzen zwei Lyzeen (mehr ging wohl nicht, weil 17 Informatiklehrer rekrutiert werden sollten, aber nur 2 sich fanden), und über »iPad-Klassen« für Tausende. Da sollen »gewinnbringend« neue Technologien eingesetzt werden – Gewinn bringt dasl zunächst für Apple. Damit kann sich diese Firma aus den USA dann darüber freuen, daß ansonsten der Luxemburger Staat wie die Gemeinden haufenweise Kohle über den großen Teich schaufeln für Microsoft-Lizenzen. Aber an Linux will man nicht »exklusiv« ran, obwohl »Open Source« in jedem Fall günstiger kommt, stabiler ist und weniger Ressourcen bei der Hardware nötig macht. Egal, sollen sich halt die Jugendlichen weiter ärgern mit dem langsamen Server von www.education.lu, auch wenn (oder weil) da die Microsoft -Programme »webbasiert« laufen, und damit auch auf Linux. Aber eben teuer und langsam!

Aber wir haben’s ja, und so soll’s in fünf Jahren jedes Schulbuch digital geben und Mathematik computerbasiert.

Schmelztiegel ade

Die »Differenzierung des schulischen Angebots« wird wieder gerechtfertigt mit der »Heterogenität der Schulpopulation«, wobei nicht gesagt wird, daß damit das Ziel aufgegeben wird, alle – vielleicht au verschiedenen Wegen, wogegen ja nichts einzuwenden wäre – gleich weit zu qualifizieren. Meisch gibt später immerhin auf Nachfrage zu, daß Leute aus englischsprachigen Zweigen nicht mehr Grundschullehrer oder Staats- und Gemeindebeamte werden können, weil das Niveau bei Deutsch und Französisch danach nicht paßt. Aber, so der Neoliberale, in Luxemburg gäbe es so viele Arbeitsplätze mit derartig unterschiedlichen Sprachanforderungen, daß sich sicher für alle etwas finden lasse.

Der vom SEW verdammte Schulentwicklungsplan wird von Meisch hoch gelobt, weil wir genau damit »wegkommen vom Einheitsmodell im ganzen Land, wo überall dasselbe geboten wird«. Nächstes Jahr wird das dann in einer »Informationsoffensive über die Diversität der öffentlichen Schule« allen klargemacht – als Wahlkampf mit Steuergeld!

Die Kinder, die mit 10 herkommen und mit 12 wieder weggehen, sind nun die offizielle Rechtfertigung für die vom SEW kritisierten internationalen Zweige, als ob für die nicht genug Platz wäre in der Internationalen Schule, im Lycée Vauban und in der sogenannten Europaschule. Daß für die Zweige Lizenzen bezahlt werden, Luxemburg keinen Einfluß mehr auf diese Programme hat, und die Abschlußprüfungen des Michel Lucius in England korrigiert werden, läßt sich der Minister von uns kommentarlos vorhalten. Auf dieses »Outsourcing« weiß er nur ablenkend zu antworten, indem er behauptet, es finde »massives Insourcing« statt, weil der Staat Leute einstelle, die bisher in Privatschulen unterrichteten, und Schüler von dort zurückkämen.

Meisch vermißt beim SEW Anerkennung des Positiven, als ob diese Gewerkschaft zu Lob verpflichtet sei, weil doch bei der Berufsausbildung 95% ihrer Vorschläge übernommen worden seien. Das war bei der Pressekonferenz am Vortag übrigens als alleinig positive Nachricht vom SEW mit dem Bedauern mitgeteilt worden, daß der Verantwortliche dieses Bereichs demissioniert hat und nicht gewußt ist, wer ihm nachfolgt und wie der da rangehen wird.

Flucht aus dem Beruf

Auf den Vorwurf, es seien statt 180 im Vorjahr nur 80 Leute zum Aufnahmeexamen auf die Uni angetreten, um zugelassen zu werden zum Studium für Grundschullehrkraft, reagiert Meisch überhaupt nicht. Daß beim »Concours de recrutement« gleich 80 zu wenig da waren, um alle Posten zu besetzen – etwas noch nie Dagewesenes – führt nur zur Mitteilung, das habe ihn überrascht. Aber egal, keine Angst, es fällt keine Schulstunde aus, auch nicht in Clerf, denn es wurden genügend »Chargés de cours« gefunden. Lieb Vaterland, magst ruhig sein? jmj

Donnerstag 14. September 2017