Schlichtungsamt im Pflege- und Sozialsektor eingeschaltet

Es geht um Lohnerhöhungen und
eine Aufbesserung der Laufbahnen

Es ist alles andere denn eine Überraschung, dass die Verhandlungen zwecks Erneuerung des Kollektivvertrags für 12.000 Beschäftigte aus dem Pflege- und Sozialbereich scheiterten, hatte das Patronat sich doch seit 2006 systematisch geweigert, ernsthaft auf die gewerkschaftlichen Forderungen einzugehen.

Nach dem Patronat Anfang Februar, befassten die Gewerkschaften OGBL und LCGB am 10. Februar 2009 das nationale Schlichtungsamt mit dem Streit.

In dem Brief an das Schlichtungsamt weisen die Gewerkschaften insbesondere darauf hin, dass das Patronat die den Beschäftigten infolge der Anhebung des Punktwerts zustehende Lohnerhöhung von 1,5 % ab 2009 lediglich als einjährige Prämie zugestehen will.

Statt die Laufbahnen der Beschäftigten, die mit viel Ausdauer und Geduld unter komplizierten Bedingungen arbeiten und in vielen Fällen überausgebeutet werden, aufzubessern, will das Patronat ein neues Lohnsystem einführen, das weniger auf der Qualifikation beruhen, dafür aber mehr Flexibilität und zweifelhafte Bewertungskriterien beinhalten würde.

Wie der OGBL gestern anlässlich einer Pressekonferenz bekräftigte, sei ein solcher Lohnabschluss für die Beschäftigten nicht akzeptabel.
Am 4. Februar hatten die Personaldelegierten der Gewerkschaft – vier Fünftel der Delegierten des SAS-Sektors gehören dem OGBL an – deshalb das Patronatsangebot abgelehnt und beschlossen, die vom Patronat in eine Sackgasse manövrierten Verhandlungen zu beenden.

Sie hatten zudem beschlossen, eine progressive Angleichung an den Kollektivvertrag im Spitalwesen und ab 2013 einen einzigen Kollektivvertrag für die 20.000 Beschäftigten des Pflege-, Sozial- und Krankenhaussektors anzustreben.

Das ist offensichtlich auch eine Reaktion darauf, dass eine Reihe Häuser, auf Druck des Patronatsverbandes COPAS, in jüngster Zeit laut darüber nachgedacht hatten, vom Krankenhauskollektivvertrag auf den Kollektivvertrag des Pflege- und Sozialsektors umzusteigen, was für zahlreiche Beschäftigten zu einer Verschlechterung der Arbeits- und Lohnbedingungen führen würde.

Wie gestern anlässlich der Pressekonferenz von Seiten der Gewerkschafter betont wurde, hoffen sie, dass sich die Patronatsseite im Rahmen des Schlichtungsverfahrens einsichtig zeigen und bereit erklären wird, Löhne und Laufbahnen der 12.000 Beschäftigten aufzubessern.

Sollte das nicht der Fall sein, dürfte nach der gescheiterten Schlichtung, im Pflege- und Sozialbereich erstmals ein Streik anstehen.

A.R.

Ali Ruckert : Mittwoch 11. Februar 2009