Wie stark ist Al Qaida im Jemen?

Houthi-Bewegung wehrt sich gegen den Vorwurf der Zusammenarbeit

Der vereitelte Anschlag auf ein US-Flugzeug soll angeblich im Jemen von Al Qaida geplant und in Auftrag gegeben worden sein. Das Armenhaus der arabischen Halbinsel wird mit Washingtoner Militärhilfe massiv unterstützt. Doch gibt es die von Sanaa beschworene Gefahr wirklich?

Auftrag, Sprengstoff und Anleitung für den Anschlag habe er im Jemen erhalten, so der in einem Flugzeug der US-amerikanischen Fluglinie Delta festgenommene junge Nigerianer. Er habe im Auftrag von Al Qaida gehandelt, die angeblich im südarabischen Armenhaus zu neuer Blüte gelangt ist. Das zumindest behaupten sowohl der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh als auch USA-Präsident Barack Obama, der mit der neuen Gefahr eine umfangreiche Militärhilfe begründet.

Sicherheitsexperten leisten nicht nur Ausbildungs- und Aufklärungshilfe, bei jüngsten Luftangriffen auf angebliche Al-Qaida-Lager waren sie wohl aktiv beteiligt. Am 24. Dezember wurden dabei 34 Personen getötet. Nach Auskunft eines Augenzeugen seien allerdings normale Wohnhäuser zerstört worden, man habe die Leichen von mindestens sieben Frauen und Kindern geborgen.

Saleh beschwört aber nicht nur eine angebliche Gefahr neuer Al-Qaida-Zellen in seinem heruntergewirtschafteten Land, die »Terroristen« machten zusätzlich gemeinsame Sache mit einer anderen »Terrorgruppe«, die den Nordwesten des Landes destabilisieren und eine Basis für den Iran und die libanesische Hisbollah errichten wolle. Saleh meint damit die schiitische Houthi-Bewegung, gegen die die Armee seit Anfang August die Militäroperation »Verbranntes Land« führt. Unterstützt wird sie nicht nur von den USA, sondern auch von Saudi-Arabien.

Die Zusammenarbeit von Al Qaida und Houthis habe sich auch bei der Entführung der deutschen Familie gezeigt, die seit Juni 2009 als vermißt gilt und von deren drei kleinen Kindern kurz vor Weihnachten ein Video aufgetaucht sein soll. Der jemenitische Militärminister Raschad al Alaimi behauptet, Al Qaida habe drei der entführten Frauen getötet. Schon unmittelbar nach der Entführung hatte die Regierung die Houthis verantwortlich gemacht, die bestritten den Vorwurf aber immer.

Der Sprecher der Gruppe, Mohammed Abdulsalem, wiederholte das kürzlich gegenüber der Autorin: »Dieses Verbrechen verstößt gegen unsere Werte, gegen unsere Moral und gegen unsere Bräuche.« Die Familie habe Jahre lang in Saada gelebt, nie sei ihr ein Leid geschehen.
Die Regierung des Jemen in Sanaa bezeichnete Abdulsalem als korrupt und verantwortungslos gegenüber der eigenen Bevölkerung. Ausländische Hilfsgelder, die allen Jemeniten Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung garantieren könnten, kämen nicht an. Sie habe einen »Stellvertreterkrieg« erfunden, den die Houthis angeblich für den Iran führten, doch seien die kein »Anhängsel für irgendeine andere Partei, egal ob es Iran oder eine andere Macht der Welt ist«, sagte Abdulsalem.

»Dieses Gerede über iranische Einmischung dient lediglich dazu, Saudi-Arabien zu erpressen. Die Saudis sollen das mittellose und fragile jemenitische Regime unterstützen. Wir sind nicht so dumm, daß wir unsere Kinder, Frauen und unser eigenes Blut opfern, unsere Häuser, Dörfer und Moscheen zerstören lassen und unser ganze Leben blockieren, nur um die politische Position irgendeines Staates zu vertreten.«

Die Regierung habe nicht einen Beweis für die falschen Vorwürfe vorgelegt. Das gelte auch für eine angebliche Zusammenarbeit von Al Qaida und Houthis.

Karin Leukefeld

Donnerstag 31. Dezember 2009