Unser Leitartikel:
Der Jugend Perspektiven bieten
Morgen geht ein recht schwieriges Jahr zu Ende. Erfolgserlebnisse gab es 2009 in großen Teilen der Bevölkerung jedenfalls kaum zu feiern. Denn Fakt ist, dass bei vielen die dramatischen Folgen der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise überwogen. So bestimmten seit dem Beginn der Krise vielerorts Arbeitsplatzabbau, Einstellen der Produktion, Pleiten, Firmenschließungen, Auslagerung, Kurzarbeit, Entlassungen und ansteigende Arbeitslosigkeit die Schlagzeilen.
Es wundert demnach nicht, dass aufgrund der katastrophalen Situation auf dem Arbeitsmarkt zunehmend Menschen ins soziale Abseits gedrängt werden. Darunter auch viele Jugendliche. Immer häufiger führt bei jungen Menschen der Weg von der Schulbank nämlich direkt in die Arbeitslosigkeit. So sind derzeit rund 30 Prozent aller Arbeitslosen jünger als 30, 18 Prozent sogar jünger als 26. Auch unter den Langzeitarbeitslosen nimmt der Anteil an jungen Menschen permanent zu.
Viele fühlen sich verlassen. Die Leiter, die sie nach Schulabschluss voller Hoffnung zu besteigen gedachten, um Fuß in der Gesellschaft zu fassen und sich ein Leben in Würde zu leisten, führt zunehmend in die andere Richtung, ... nämlich schnurstracks ins Bodenlose. Nicht wenige landen auf der Straße, werden somit schon als Jugendliche zum Sozialfall. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie ohne Job nicht die Möglichkeit haben, sich eine Wohnung zu leisten. Jedoch nicht allein junge Arbeitslose stoßen bei der Suche nach einer adäquaten Bleibe auf Probleme. Wer nicht mehr als den Mindestlohn verdient – und das sind immerhin mehr als 16% aller Schaffenden – , kann sich eine ordentliche Mietwohnung kaum noch leisten. Von einem Eigenheim ganz zu schweigen.
Und diesen jungen Menschen hat man von dem Wenigen, das sie besaßen, auch noch was abgezockt. Erinnert sei in dieser Hinsicht an die skandalösen Verschlechterungen, die über das Gesetz 5611 eingeführt wurden – allen voran die Unterhöhlung des Mindestlohns. Eine andere Politik muss her. Der Jugend müssen endlich Perspektiven geboten werden. Dies kann nur geschehen, indem in die Jugend investiert wird. Sowohl in ihre Ausbildung – allen voran gilt es, allen die gleichen Chancen zu ermöglichen – wie auch in die Beschäftigungspolitik. Sozial schwachen jungen Menschen kann auf Dauer nur geholfen werden, wenn schnellstens neue Arbeitsplätze geschaffen werden – dabei auch solche für Arbeitsuchende mit geringer Qualifikation. Darüber hinaus muss der Mindestlohn um 20 Prozent aufgebessert werden.
Des Weiteren müssen bezahlbare Wohnungen für alle her. Schließlich hat ein jeder, ob alt oder jung, das Recht auf eine seinen Bedürfnissen entsprechenden Wohnung. Neben der Beschäftigungspolitik muss also auch der Wohnungsfrage hohe Priorität eingeräumt werden.
Vor den Verhandlungen der Tripartite im Frühjahr muss die Parole im Interesse aller Jugendlichen deshalb unmissverständlich lauten: Keinesfalls weitere soziale Verschlechterungen. In diesem Sinne: Hände weg vom Index und merkliche Anhebung des Mindestlohns.
gilbert simonelli
Mittwoch 30. Dezember 2009
