Unser Leitartikel:
Wer hat Angst vor weißem Pulver?

Einen besser geeigneten Zeitpunkt hätte der verhinderte Flugzeug-Attentäter von Detroit kaum finden können. Und diejenigen, die sich den Termin in der nachrichtenarmen Zeit um Weihnachten ausgedacht haben, gehen in die Annalen der medialen Manipulation ein.

Daß es der Nigerianer mit seinem dilettantischen Versuch, eine Sprengladung an Bord einer vollbesetzten Passagiermaschine zu zünden, wirklich ernst gemeint hat, steht zu bezweifeln. Eine plausible Antwort auf die Frage nach dem Motiv und folglich nach dem Sinn der Sache zu finden, wird den Anklägern schwer fallen – falls es überhaupt zu einem Prozeß kommen sollte. Die angebliche Verbindung zu Al Kaida wird wohl kaum nachzuweisen sein. Warum sollte das vielzitierte »Terrornetzwerk« mit seinen »weltweiten Verbindungen« und schier unbeschränkten Ressourcen ausgerechnet bei der Landung in Detroit ein Passagierflugzeug sprengen wollen? Sollte etwa der schwer angeschlagenen Autoindustrie der USA der Todesstoß versetzt werden?

Den Nutzen dieser Aktion können sich wieder einmal die Berufsschnüffler der offiziellen und inoffiziellen Geheimdienste zugute schreiben und alle diejenigen, die mit deren Betreiben und Ausstattung Profit machen. Vor allem aber diejenigen, die daran interessiert sind, das Netz der Ausspähung und Kontrolle der Bürger noch enger zu ziehen.

Kaum war das erste Foto einer »Handykamera« über die TV-Stationen veröffentlicht worden, da verbreitete sich auch schon die Nachricht, daß die »Sicherheitsvorkehrungen« auf den Flughäfen verschärft werden. Und wieder ist von den berüchtigten »Nacktscannern« die Rede, mit deren Hilfe jeder und jede Flugreisende buchstäblich bis auf die Haut durchleuchtet werden kann. Die zigfach angekündigte Aufhebung des Flüssigkeitsverbots wird selbstverständlich auf den Sankt-Nimmerleins-Tag aufgeschoben. Und da über Weihnachten nur etwa ein Drittel der sonst üblichen Nachrichtenmenge anfällt, wurde die Zeit ausgiebig genutzt, die angebliche Terrorgefahr in allen Schattierungen darzustellen.

Allerdings werden dabei gewisse Fragen übergangen. Zum Beispiel, warum eine »Handykamera« Aufnahmen machen konnte, wo doch bekanntlich kurz vor der Landung eines Flugzeuges sämtliche Mobiltelefone ausgeschaltet sein müssen. Oder die schon mehrmals gestellte Frage nach dem Sinn des Verbots der Mitnahme von Flüssigkeiten, wo man doch nach der Sicherheitskontrolle in Zollfrei-Läden nicht nur Flüssigkeiten, sondern auch Rasierklingen kaufen kann. Und natürlich wird auch nicht erwähnt, daß all diese Vorschriften nur für das gemeine Volk gelten, denn die Reichen und Mächtigen müssen sich auf dem Weg zum VIP-Raum nicht diesem Unfug unterwerfen.

Somit wird auf einen Schlag wieder einmal »legalisiert«, was die demokratisch gewählten Abgeordneten nationaler Parlamente nie beschlossen haben, sondern was uns von den USA und über Umweg aus Washington von der EU aufgedrückt wird. Die Ausweise und verschiedenen Karten, die wir mit uns herumtragen, enthalten immer mehr private Informationen, die jeder Geheimdienst jederzeit abrufen kann. Fluggesellschaften sammeln persönliche Daten und geben sie an Geheimdienste weiter. Und mit der Angst vor »Terroristen« lassen sich ganz einfach die immer größeren Rüstungsanstrengungen begründen, und wenn es den Herrschenden in den Kram paßt, auch neue Kriege.

Uli Brockmeyer

Uli Brockmeyer : Dienstag 29. Dezember 2009