Miese Stimmung zum Jahresende in zahlreichen Betrieben

Nahezu 14 Prozent der Be-völkerung sind von Armutsri-siko gefährdet oder leben bereits unter der Armutsgrenze, die Zahl der Obdachlosen hat abermals zugenommen – sämtliche Schlafstellen in den Nacht-asylen sind derzeit »ausge-bucht«, fast 14.000 Frauen und Männer sind bei der Adem als Arbeitsuchende eingeschrieben, um die 4.000 müssen in diesen Wo-chen wegen Kurzarbeit auf 20 Prozent ihres üblichen Lohns verzichten und Tausende von Beschäftigten sind wegen den Finanz- und Wirtschaftskrise um die Zukunft ihres Arbeitsplatzes besorgt.

Bestes Beispiel hierfür ist der Stahlkonzern ArcelorMit-tal. Um die 1.000 Arbeitsposten sollen in nächster Zukunft in der Stahlindustrie vernichtet werden. Bekannt war schon seit einigen Wochen, dass 400 Stellen in Verwaltung und Vertrieb gestrichen werden sollen, ehe am 20. Dezember am Rande der Ju-belmeldungen über die letzte »erfolgreiche Ret-tungsaktion« mitgeteilt wurde, dass im Rahmen von Lux2011 in der Produktion ebenfalls zwischen 570 und 660 »überflüssige« Stellen vernichtet werden. So weit sind wir gekommen, dass von Erfolg die Rede ist, wenn Standorte auf Kosten eines massiven Abbaus abgesichert werden, … zumindest bis zur nächsten Rettungsaktion.

Doch nicht nur in der Stahlindustrie macht sich das Salariat so seine Sorgen. Auch in anderen Sektoren rumort es mächtig. Angefangen im Finanzsektor, in dem ebenfalls der Rotstift weiter eingesetzt werden dürfte. Wie viele Arbeitsplätze schlussendlich Opfer der in den USA ausgelösten Krise sein werden, ist schwer vorauszusagen. Allerdings hat man sich in den Zentralen der im Sektor tätigen Gewerkschaften nach den Ereignissen der letzten Wochen – siehe Schließung von Landsbanki – aufs Schlimmste eingestellt. Auch wenn von Regierungs-seite nach wie vor versucht wird, die bestehende Gefahr für Arbeitsplätze im Finanz-sektor hinunterzuspielen.

Groß sind die Sorgen auch unter den Beschäftig-ten aus Betrieben, die bereits massiv von der Wirtschaftskrise betroffen wurden und in den beiden letzten Monaten Kurzarbeit beantragt haben. Um die 100 Firmen waren es im letzten Monat. Und wenn schlussendlich auch »nur« 53 Anträge vom Konjunkturkomitee zurückbehalten wurden, so betraf diese Maßnahme immerhin 4.082 Be-schäftigte. Sie kommen allen voran aus Au-tozuliefererbetrieben und Transportfirmen.

Vom Arbeitsmarkt also vorrangig schlechte Nachrichten. Und dabei könnte es sich womöglich nur um die Spitze des Eisbergs handeln, meinte uns gegenüber ein Gewerk-schaftssekretär. Denn über die zahlreichen kleinen Be-triebe, in denen ebenfalls abgebaut oder die Lichter endgültig ausgehen, wird in der Öffentlichkeit kaum geredet. Auch dass immer öfter ausstehende Löhne gerichtlich eingeklagt werden müssen, werde bewusst verschwiegen. Dabei seien das Vorenthalten von Lohnauszahlungen oder verspätete und unregelmäßi-ge Auszahlungen in der Re-gel Vorboten von Abbau oder Betriebsschließungen.

Ein rezentes Beispiel ist das »Supermarché Boon« in Esch/Alzette, das erstmals im September dieses Jahres wegen verspäteter Lohnaus-zahlungen in ein schlechtes Licht geriet – anstehende Schwierigkeiten wurden da-mals allerdings von der Fir-menleitung vehement dementiert – nun jedoch dem konsternierten Personal mitteilte, dass im kommenden Monat alle Ge-schäftsaktivitäten im Supermarkt eingestellt wür-den. Schlecht sieht es angeblich auch um die Boon-Filiale in Schifflingen aus.

Dabei ist die kleine Su-permarktkette nur ein Beispiel von vielen. Fakt ist, dass bei Schließungen von Betrieben und Geschäften sowie bei einem Herunterfahren der Pro-duktion in erster Linie stets die Schaffenden am här-testen betroffen sind. Schicksale, über die allerdings kaum geredet oder geschrieben wird. Dies wird auch in Zukunft der Fall sein. Zumal stets ein Großteil der Betroffenen Grenzgänger sind und somit nicht in den Statistiken auf-tauchen.

An den Gewerkschaften, ihre defensive Haltung ein für allemal aufzugeben und für anstehende Aufgaben »aufzurüsten«. Mit dem Ziel, die Folgen der kapitalistischen Krise im Interesse aller Schaffenden so weit wie möglich in Grenzen halten zu können.

g.s.

Gilbert Simonelli : Freitag 2. Januar 2009