Unser Leitartikel:
Der Tanz um das Goldene Kalb geht weiter

Auch wenn die Hofsänger des Kapitals schon wieder Silberstreifen am Horizont sehen wollen, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abzusehen, welche Verwüstungen die kapitalistische Krise im Endeffekt auf dem Finanzplatz anrichten wird.

Sicher ist, dass innerhalb eines Jahres rund 1.000 Arbeitsplätze durch Entlassungen im Rahmen von Sozialplänen, durch individuelle Entlassungen und natürliche Abgänge abgebaut wurden, und dass Hunderte weitere Arbeitsstellen verschwanden, indem befristete Arbeitsverträge nicht mehr verlängert, Verträge mit externen Mitarbeitern gekündigt und die Arbeit von Leiharbeitern weniger in Anspruch genommen wird.

Dieser Aderlass ist keineswegs abgeschlossen, und der erst kürzlich angekündigte Abbau von weiteren 180 Beschäftigten durch die Fusion von Dresdner Bank Luxembourg und Commerzbank International ist vielleicht nur ein Vorgeschmack auf das Erdbeben, das während des Jahres 2010 die Niederlassungen deutscher Banken in Luxemburg erschüttern könnte.

Gar nicht sicher ist, ob das Bankgeheimnis, das seit langem für den US-amerikanischen Fiskus nicht mehr gilt und während der vergangenen Jahre zunehmend durchlöchert wurde, die Krise überstehen wird. Auch wenn das Finanzkapital und die reichen Bourgeois Steuerparadiese brauchen, um ihre Vermögen vor der Steuerverwaltung in Sicherheit zu bringen, so hat die Krise dazu geführt, dass unsere Nachbarländer angesichts der wachsenden öffentlichen Schuld die massive Steuerflucht der Reichen nach Luxemburg nicht länger dulden und die hiesige Steueroase zumindest teilweise trockenlegen wollen.

Das und die Tatsache, dass viele Großbanken aus unseren Nachbarländern den Hals nicht voll genug bekamen und sich verspekulierten, wird dazu führen, dass der Bankplatz während der nächsten Jahre in jeder Hinsicht schrumpfen wird.

Als der Finanzplatz, der sich durch weniger Steuern, weniger Reglementierung, weniger Eigenkapital der Banken und weniger Kontrolle auszeichnete, geschaffen wurde, hatten die Kommunisten als einzige politische Partei davor gewarnt, die Zukunft des Landes auf einen Bereich mit teilweise parasitärem Charakter, in welchem kein Mehrwert geschaffen wird, aufzubauen.

Sie hatten gefordert, alle Anstrengungen auf die Entwicklung der realen Wirtschaft, die Weiterverarbeitung im Stahl- und Metallbereich, innovative Industrieproduktionen, Handwerksaktivitäten und mittelständische Betriebe zu konzentrieren.

Doch die »staatstragenden« Parteien bauten auf den Finanzplatz und unterzogen die Bevölkerung und die Jugend, die sie in entsprechende Studienrichtungen drängten, einer regelrechten Gehirnwäsche, indem sie ihnen vorgaukelten, dank der »Leistung« der Bankangestellten entwickle sich eine »Finanzindustrie« mit »innovativen Produkten«, vergleichbar mit den Erfindungen und Entwicklungen in den Bereichen Wissenschaft und Technik. Doch das war eine Illusion.

Heute rächt sich das, doch der Tanz um das Goldene Kalb geht munter weiter, und es scheint nicht so, als hätten die »staatstragenden« Parteien und die Regierung etwas dazugelernt. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sie – statt sich um Investitionen in die reale Wirtschaft zu kümmern und Strategien zu entwickeln, um aus der Sackgasse Steueroase herauszufinden – schon wieder nach zusätzlichen Nischen in der Kapital- und Vermögensverwaltung der Reichen Ausschau halten und an neuen »Produkten« arbeiten, um den Spekulanten aus aller Welt den Finanzplatz schmackhaft zu machen.

Das kann nicht gut ausgehen.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Mittwoch 23. Dezember 2009