Kronospan 4.0:

Einstieg in die Kreislaufwirtschaft

Kronsopan ist ein international tätiges Unternehmen im Besitz der österreichischen Familie Kaindl, das 1897 mit einem Sägewerk startete und heute an 40 Standorten weltweit 14.000 Leute beschäftigt. Knapp mehr als 250 davon sind in Sanem tätig in einem Werk, das 1994 errichtet und ein Jahr später mit der Produktion von Spanplatten begann. Der Umsatz belief sich 2016 auf 135 Mio.

Der Sanemer Bürgermeister Georges Engel bezeichnete den Anfang von Kronospan als »Reizthema« mit viel Lärm und Geruch, doch in den letzten Jahren sei es viel besser geworden. Durch Transparenz sei es zu Akzeptanz gekommen. Daß das damit zusammenhängen muß, daß Kronospan selbst auch den Klebstoff erzeugt, der für die Erzeugung der verschiedenen Plattenarten gebraucht wird, und dieser inzwischen formaldehydfrei ist, sagte bei der gestrigen Friede-Freude-Eierkuchen-Pressekonferenz niemand, ist dafür aber umso deutlicher auf dem Kronospan-Auftritt im Internet ersichtlich.

Wer spart, verdient mehr

Peter Stadler, Direktor des Krononspan-Werks Sanem, unterstrich nicht nur die gute Partnerschaft mit Gemeinde und Wirtschaftsministerium, sondern machte auch deutlich, daß ökologisch korrekte Kreislaufwirtschaft Kosten spart. Das bringt mehr Profit, was er nicht betonte.

Jedenfalls wird jetzt der Standort modernisiert in zwei Phasen mit je 150-170 Mio. Die erste Phase läuft ab sofort bis 2020, die zweite schließt direkt an, und Papa Staat schießt 10 Mio. als Subvention zu.

Seit 2006 wurde der CO2-Ausstoß im Sanemer Werk deulich reduziert – von 81.130 t auf 15.260 t 2016. Eben wurde eine erste KWK (Kraft-Wärme-Koppelungsanlage) in Betrieb genommen von 41 MW, eine doppelt so große folgt bis 2018. Damit wird das Werk CO2-passiv. Es wird mehr Energie erzeugen als verbrauchen.

Die KWK-Anlagen sollen mit Holzabfall betrieben werden. In der neuen Anlage werden die hohen Temperaturen 20 MW Strom erzeugen, wonach 105 MW thermisch genutzt werden. Und zwar die mittleren Temperaturen für Industriedampf aus Recycling-Wasser (etwas bisher nie Dagewesenes) und die niedrigen Temperaturen zwischen 90 und 120 Grad für die Trocknung der Späne. Das ist ein in Sanem entwickeltes Verfahren (die Konkurrenz braucht erheblich höhere Temperaturen), das die positive Nebenerscheinung aufweist, daß die Verformungsgefahr sinkt und das Fertigprodukt weniger Gerüche von sich gibt.

Zur ersten Phase gehört eine neue OSB-Presse, die flexibler und für alle Raumhöhen geeignet ist. Diese »oriented strand boards« oder Baustoffplatten werden aus mehreren Schichten unterschiedlich angeordneter langer Späne hergestellt und sind daher noch stabiler als Vollholz. Sie lassen sich im Hausbau einsetzen, auch in Stahlbetonkonstruktionen.

Erstmals sollen diese OSB-Platten nun in Sanem aus Recycling-Material hergestellt werden, bisher werden sie überall aus Rundholz produziert, während im Spanplattenbereich bereits bis zu 50-60% wiedervertetes Material verwendet wird.

Generell werden in Westeuropa erst 20% des Holzabfalls wiederverwertet. Das ist zu entwickeln, so Peter Stadler, wobei er gerade in der Großregion eine gute Recyclingkultur und ein starkes Aufkommen an Recyclingholz sieht.

Im Sinne einer möglichst langen CO2-Speicherung gelte es die Kaskade vom Schnittholz zum Sperrholz über die OSB-Platten zu Spanplatten und zu Schluß Faserplatten vor einer thermischen Verwertung voll zu durchlaufen.

Sanem ist Vorreiter

Das Sanemer Werk sei bereits in der Energie- und Wassernutzung Vorreiter im Konzern und habe immer viel auf Forschung und Entwicklung gesetzt. Jetzt werde ein neuer Rohstoffstandard gesetzt, den andere Krononspan-Werke nachvollziehen werden. Es geht darum, so viel wie möglich wiederaufbereiteten Rohstoff zu verwenden nebst Beiprodukten aus der Sägeindustrie und so wenig wie nötig FSC-zertifiziertes Holz, also solches aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung.

Daß mit dem ganzen vielen Geld nur 100 zusätzliche Arbeitsplätze verbunden sind, liegt daran, daß ein Teil der Kohle der Roboterisierung dient – neben der Optimierung des Energie- und Wasserverbrauchs. In der zweiten Phase kommt eine weitere Spanplattenanlage hinzu, und der Anteil von Recycling-Material soll weiter gesteigert werden. Das Ganze ist jedenfalls eine Investition in die Zukunft des Standorts – für 20 (1. Phase) und 50 Jahre (2. Phase). Wobei Kronospan seine Werke so plant, daß die Kundschaft in maximal 8 Stunden mit dem LKW erreichbar bleibt. Und auch im Logistik-Bereich soll der CO2-Ausstoß um ein Viertel sinken: wer viel bewegt, bei dem schlägt sowas richtig ins Geld. Und wer weniger Geld ausgibt, hat mehr Profit übrig.

jmj

Um solche Platten dreht sich die Kronospan-Welt. In Sanem werden seit 1996 OSB-Platten erzeugt, als die Nachfrage dafür bei 400.000 m³ im Jahr lag. 2016 wurden 6 Mio. m³ nachgefragt, und es werden 10-15% mehr pro Jahr erwartet.

Freitag 19. Mai 2017