Vorfälle vor Ort untersuchen

Rußland kritisiert Erklärung der OPCW

Das russische Verteidigungsministerium hat die Erklärung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zur Anwendung von Sarin am 4. April im syrischen Chan Scheihun (Provinz Idlib) als übereilt kritisiert. Der Sprecher des Ministeriums, General Igor Konaschenkow, wies darauf hin, daß die Erklärung »große Fragen« aufkommen lasse.

Die voreilige Erklärung des Generaldirektors der OPCW, Ahmet Üzümcü, habe der von ihm geleiteten Organisation »stark geschadet«, sagte Konaschenkow. Der Sprecher verwies darauf, daß kein Mitarbeiter dieser Organisation bisher Chan Scheihun besucht habe. »Wer hat Proben entnommen und wo und auf welche Weise? Wer war es, der in der OPCW biologische Proben so schnell analysieren konnte, wenn die OPCW-Standardverfahren (…) einen dauernden Untersuchungskomplex vorsehen?«, fragte der General.

Er forderte den OPCW-Chef auf, »baldigst klare Antworten« auf die wichtigen Fragen zu geben und unter anderem zu erklären, wieso die »Weißhelme« in Chan Scheihun keine Schutzmasken trugen, wenn dort tatsächlich Sarin eingesetzt worden sei.

Am Mittwoch hatten Agenturen berichtet, Üzümcü habe mitgeteilt, ihm lägen Beweise für die Anwendung des Kampfstoffs Sarin oder eines Analogons bei der Chemiewaffenattacke in der Provinz Idlib vor. Der OPCW-Chef berief sich dabei auf die Ergebnisse von Laboranalysen, die OPCW-Fachleute nach der Attacke vorgenommen haben sollen.

Der ständige Vertreter Rußlands in der OPCW, Alexander Schulgin, hat der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) derweil Belege dafür vorgelegt, daß die angebliche Giftgasattacke in der syrischen Provinz Idlib Anfang April inszeniert wurde. Michail Uljanow, Ressortleiter für Nichtweiterverbreitung und Rüstungskontrolle im russischen Außenministerium, habe bei der Sitzung des OPCW-Exekutivrates Fotos vom Ort des Vorfalls im syrischen Idlib. Diese sollen veranschaulichen, daß es in der Version über die angebliche Anwendung von C-Waffen durch die syrische Armee viele Unstimmigkeiten gebe.

»Die Fotos waren zumindest in dem Sinne wichtig, daß sie auf den Inszenierungscharakter der angeblich unmittelbar nach den Ereignissen vom 4. April aufgenommenen Videos hindeuten, die wir auf YouTube gesehen haben«, so Schulgin. Die Bilder zeigten, daß die verletzten Kinder erweiterte Pupillen hatten, was der Version des Einsatzes von Sarin widerspricht. Denn die Verwendung dieses Giftstoffs verengt eher die Pupillen.

Der Trichter, der sich angeblich nach dem Bomben- oder Raketenangriff der syrischen Armee gebildet habe, sehe auf den von Rußland vorgelegten Fotos eher wie eine Explosionsspur auf der Erde aus, erklärte der russische Botschafter weiter.

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte zuvor mitgeteilt, daß es immer mehr Hinweise darauf gebe, daß der Zwischenfall inszeniert worden sei.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad wirft den USA vor, die Ermittlungen zu blockieren. Syrien habe in einem offiziellen Schreiben die UNO gebeten, eine Expertendelegation zur Aufklärung des Vorfalls schicken. »Bis jetzt haben sie niemanden geschickt – wegen des Widerstands der westlichen Staaten und der USA«, sagte Assad in einem Interview. (Agenturen/ZLV)

Die USA-Botschafterin am 5. April im UNO-Sicherheitsrat. Für die USA reichten Fotos, um die syrische Regierung als schuldig zu bezeichnen und einen Raketenangriff zu rechtfertigen (Foto: EPA)

Freitag 21. April 2017