»Für manche ist die Schule ein Ort der Qual«

PISA-Auswertung: Jeder sechste Schüler in Luxemburg klagt über Mobbing

Hänseln, Ausgrenzen, Schubsen, Schlagen, Gerüchte streuen – es gibt viele Formen, mit denen sich Kinder und Jugendliche in der Schule untereinander das Leben schwermachen können. Daß die Bildungseinrichtungen keine geschützten Räume sind, haben die nun veröffentlichten Ergebnisse der Studie »Students’ Well-Being: PISA 2015 Results« der in Paris ansässigen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erneut bestätigt.

In Luxemburg wird demnach fast jeder und jede sechste 15-Jährige (15,7 Prozent) regelmäßig Opfer von teils massivem Mobbing an der Schule. Im Schnitt aller OECD-Länder ist sogar nahezu jeder Fünfte (18,7 Prozent) mehrmals im Monat von körperlicher oder seelischer Mißhandlung durch Mitschüler betroffen. »Für manche ist die Schule ein Ort der Qual«, heißt es in der Zusammenfassung der Auswertung. Insgesamt sind Jungen im OECD-Schnitt häufiger Mobbing-Opfer als Mädchen. Diese sind aber in der Schule stärker von Ausgrenzung und bösen Gerüchten betroffen.

Allerdings gaben im OECD-Schnitt auch 71 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, daß sie mit ihrem Leben »zufrieden« oder »sehr zufrieden« sind. In Luxemburg haben das deutlich weniger 15-Jährige, nur 66 Prozent, so gesehen. Auf einer Zufriedenheitsskala von null bis zehn kamen die im Großherzogtum Befragten dennoch auf einen Wert von 7,4. Damit liegt Luxemburg im Mittelfeld; der Durchschnitt des Ländervergleichs betrug 7,3.

Auch Fragen zum Zuhause der Schüler

Bei der Sonderstudie wurden erstmals umfangreiche PISA-Daten zu Lernumfeld und Lernverhalten veröffentlicht. Der Report untersucht die Beziehung von Schülern zu ihren Mitschülern, Lehrern und Eltern, außerdem Freizeitgestaltung und Zukunftswünsche. Damit wurde das Blickfeld der Studie über kognitive Fähigkeiten hinaus erweitert. Den Angaben zufolge wurden für »PISA 2015« computergestützte Tests verwendet. Dabei handelte es sich um Multiple-Choice-Aufgaben sowie Fragen, bei denen die Jugendlichen eigene Antworten formulieren sollten. Sie füllten außerdem einen Hintergrundfragebogen aus, in dem Fragen über sie selbst, ihr Zuhause sowie Schul- und Lernerfahrungen gestellt wurden.

»PISA« steht für »Programme for International Student Assessment«. Der weltweit wichtigste Schulvergleichstest wird alle drei Jahre von der OECD im Auftrag der Regierungen ihrer Mitgliedstaaten organisiert. In Luxemburg gibt das Erziehungsministerium die Studien in Auftrag. An »PISA 2015« nahmen gut eine halbe Million 15-Jährige aus 72 Ländern und Regionen teil, darunter rund 5.300 aus Luxemburg. Den Schwerpunkt der Kompetenztests bildeten die Naturwissenschaften, weitere Testfelder waren Mathematik sowie Text- und Leseverständnis. Die Ergebnisse stellte die OECD im Dezember 2016 vor. In einer Sonderauswertung veröffentlichte sie am Mittwoch Daten zu Lernumfeld und Lernverhalten der 15-jährigen.

Bei der Präsentation des Schulvergleichstests »PISA 2015« landete das luxemburgische Bildungssystem erneut in allen drei getesteten Bereichen in der unteren Hälfte der weltweiten Ranglisten. Die im Großherzogtum geprüften 15-Jährigen kamen in Naturwissenschaften auf Rang 33 und büßten demnach zwei Plätze ein. Im Bereich Lesekompetenz rutschte Luxemburg um vier Plätze auf Rang 36 ab, im Testbereich Mathematik ging es ebenfalls vier Plätze runter auf Rang 33. Eine Spitzenleistung in wenigstens einem der drei getesteten Bereiche brachten nur 14,1 Prozent der luxemburgischen Schüler, also jeder siebte. Hingegen gilt jeder sechste als leistungsschwach. Sieger von »PISA 2015« war der südostasiatische Stadtstaat Singapur.

oe

Oliver Wagner : Donnerstag 20. April 2017