Unser Leitartikel:
Hurra, wir rüsten auf

Kriegsgegnern dürfte sich bei der Lektüre der Wochenendausgaben von »Wort«, »Tageblatt« und »Journal« der Magen umgedreht haben. Als handele es sich um bezahlte Anzeigen der Rüstungsindustrie wurde da über den mit fast dreijähriger Verspätung absolvierten Jungfernflug des Airbus-Militärtransporters A400M berichtet, dessen Beschaffungskosten freilich schon seit langem abgehoben hatten.

Während das »Journal« den Bericht auf Seite 13, die erste Seite seines Wirtschafts- und Finanzteils, verbannte und mit dem Merkel-Zitat »Darauf haben wir lange gewartet« überschrieb, titelte das Bistumsblatt wertungsfrei auf Seite 4: »Der Militär-Airbus fliegt«. Dafür bemühte sich der Madrid-Korrespondent des »Wort« um eine metaphernreiche Sprache, die wohl vergessen machen soll, daß mit dem »kraftvoll und voller Eleganz« abhebenden »Riesenvogel« ein hochmodernes Kriegsgerät gemeint ist.

Eine geradezu pennälerhafte Begeisterung für Technik, deren Verwendungszweck darin besteht, Soldaten zusammen mit ihren Mordwerkzeugen zu außereuropäischen Kriegsschauplätzen zu bringen, entwickelten die Kollegen in der Escher Kanalstraße. So machte das »Tageblatt« auf der Titelseite mit dem etwas umständlich formulierten, aber vor Erleichterung nur so strotzenden Satz »Der Airbus A400M, den auch Luxemburg bestellt hat, sprengt alle Budgets, aber… Er fliegt doch!« auf.

Zudem widmete die Gewerkschaftszeitung dem erfolgreich absolvierten Jungfernflug des sogenannten Kampfzonentransporters die ganze Seite 6. Auch wenn die Infokästen etwas gezwungen wirken, sich ständig wiederholen und teilweise widersprechen, und vor allem längst wieder revidierte Herstellerangaben wiedergeben.

Denn der Flieger, mit dem sich dem »Tageblatt« zufolge »große Hoffnungen der europäischen Armeen (verbinden)«, kann längst nicht alles, was vereinbart wurde. Ursprünglich war eine Reichweite von 8.700 Kilometern, eine Nutzlast von 37 Tonnen und eine Geschwindigkeit von 790 Kilometern pro Stunde vorgesehen – laut dem deutschen Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung kann der A400M aber nur maximal 25 Tonnen bis in das 5.000 Kilometer entfernte Afghanistan bringen. Der neue Schützenpanzer »Puma«, den die deutschen Besatzungshelfer dort gerne hätten, ist damit zu schwer. Seine Panzerung muß deshalb in Deutschland zunächst wieder demontiert und separat an den Hindukusch geflogen werden.

Auch die immensen Beschaffungskosten, die trotz leerer Kassen auf den Staatshaushalt zukommen, werden von den Bellizisten aus der Kanalstraße kleingeredet. So ist in dem »Tageblatt«-Artikel von einem Stückpreis von »etwa 100 Millionen Euro« die Rede, der sich noch um etwa ein Viertel erhöhen könne, während es im »Wort« korrekt heißt, die von Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, der Türkei, Südafrika, Belgien, Malaysia und Luxemburg für zusammen 20 Milliarden Euro bestellten 184 Maschinen »(könnten) am Ende (…) bis zu zehn Milliarden Euro mehr« kosten. Für Luxemburg würde dies also einen reinen Anschaffungspreis von 163 Millionen Euro bedeuten. Doch wie heißt es so schön in der Überschrift des »Tageblatt«-Artikels? »Geld ist heute nicht wichtig. Wichtig ist, daß er fliegt.«

Oliver Wagner

Oliver Wagner : Donnerstag 17. Dezember 2009