Unser Leitartikel:
Da kommt keine Feiertagsstimmung auf
Dem verdutzten Nachwächter wurde dieser Tage in einem kurzen Schreiben mitgeteilt, dass ihm die üblich im Dezember anstehende Gratifikation in diesem Jahr leider nicht ausbezahlt werden könne. Als Grund für diese Maßnahme gab die Direktion die kapitalistische Finanz- und Wirtschaftskrise an, die der Firma schwerer als erwartet zu schaffen mache.
Nicht besser bestellt ist es um den jungen Handwerker, der in einem Zulieferbetrieb beschäftigt ist und seit fast einem halben Jahr schon Kurzarbeit aufgebrummt bekommt. Dass er dieser Tage davon ins Bild gesetzt wurde, dass er (mindestens) auch im Januar weiter auf 20 Prozent seines Monatsgehalts verzichten muss, hat sicher nicht dazu geführt, ihn in Feiertagsstimmung zu versetzen.
Gleiches gilt für den Lkw-Fahrer, der immer noch nicht weiß, wann, wo oder ob er überhaupt in den nächsten Wochen hinter dem Steuer sitzen wird. Ob er an den Weihnachtstagen mit seinem Brummi unterwegs ist oder mit Frau und Kinder zu Hause Weihnachten verbringen wird. Geschenke wird er dieses Jahr so oder so keine machen können. Denn hierzu sind seine Lohneinbußen aufgrund der vielen Feierschichten seit Monaten ganz einfach zu groß.
Weihnachtsstimmung will auch bei unserer Verkäuferin nicht aufkommen. Dies besonders, nachdem sie Einsicht in ihren Schichtenplan nehmen konnte und dabei erfuhr, dass sie bis zum Monatsende praktisch jeden Tag hinter der Theke zu stehen hat. Zuschüsse dafür wird es keine geben. Dies wurde ihr schon im voraus angekündigt. Durch die Krise sei es dem Geschäftsinhaber nicht möglich, seinem Personal irgendwelche »Extras« zu gewähren. Sogar die übliche Jahresendprämie sei dieses Jahr in Frage gestellt. Ankündigungen, die nicht dazu angetan waren, die allein erziehende Mutter vor Freude aufspringen zu lassen.
Dies trifft auch auf den Hilfsarbeiter einer kleinen Baufirma zu. Mit dem Unterschied, dass seine Stimmung bereits seit Monaten alles andere als gut ist. Denn obwohl er täglich mehr als 8 Stunden im Einsatz ist, wird ihm schon seit den Sommermonaten sein Lohn nur mehr unregelmäßig ausbezahlt. Die Lohnrückstände belaufen sich inzwischen auf mehrere Wochen, so dass bei ihm zu Hause die finanziellen Engpässe immer größer werden. Verständlich demnach, dass auch ihm derzeit nicht nach Feiern ist.
Was übrigens genau so für den Busfahrer gilt, dem bei seiner Einstellung mitgeteilt wurde, dass er jederzeit (auch an Sonn- und Feiertagen) abrufbar sein muss, wie auch für den Stahlarbeiter, der sich in der »CDR« von Tag zu Tag unwohler fühlt, oder den Bankangestellten, der kürzlich abgeschoben wurde, nur weil er sich gewerkschaftlich betätigen wollte.
Der raue Wind, der in vielen Betrieben weht, ist seit dem Beginn der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise um ein Vielfaches kälter geworden. In so manchen Sektoren reicht nicht einmal mehr die beste Winterkleidung, um sich gegen die aufkommende Eiseskälte zu schützen. »Sozialpartnerschaft« und »Modell Luxemburg« haben die Schaffenden und ihre Vertreter allerdings dermaßen abgestumpft, dass sich diese kaum noch gegen die zunehmenden Verschlechterungen zur Wehr setzen. Statt aufzumucken, resignieren die meisten. Vielfach aus Angst, den Job zu verlieren.
Kein Wunder also, dass das Patronat immer arroganter und rücksichtsloser wird. Hieran werden auch die anstehenden Feiertage nichts ändern.
gilbert simonelli
Gilbert Simonelli : Mittwoch 16. Dezember 2009
