USA-Bomben auf Zivilisten

Russisches Verteidigungsministerium nimmt zum Antiterrorkrieg Stellung

Mindestens 20 Zivilisten sind nach russischen Angaben bei einem USA-Luftangriff in der syrischen Provinz Idlib getötet worden. Ein B-52 Bomber habe am 3. Januar die Stadt Sarmada angegriffen, in der eigentlich die Waffenruhe gilt, teilte der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow (Foto) bei einer Konferenzschaltung im Moskauer Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Laut Gerassimow hätten die USA vereinbarungsgemäß Rußland über die Attacke vorher informieren müssen, taten das jedoch nicht.

Idlib liegt im Nordwesten Syriens. Der Armeegeneral erinnerte daran, daß die USA-Luftwaffe am 17. September 2016 im ostsyrischen Deir Essor Einheiten der syrischen Regierungsarmee, die von Banden des »Islamischen Staats« (IS) belagert wurden, zerbombte, »worauf die IS-Formationen zur Offensive übergingen«. Dabei waren 83 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden.

Nach Gerassimows Angaben hat die USA-geführte internationale Koalition während ihrer seit Mitte 2014 andauernden Operation gegen den »IS« in Syrien um ein Vielfaches weniger Schläge – etwa 6.500 – geführt als die russischen Luftstreitkräfte. Sie habe »keine nennenswerten Ergebnisse erzielt«. Dabei seien aber zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung und den Regierungstruppen registriert worden.

General Gerassimow teilte außerdem mit, mehr als 110.000 Flüchtlinge in Syrien seien in ihre Häuser zurückgekehrt, 9.000 Kämpfer hätten die Waffen niedergelegt. Zur Zeit werden erste russische Truppenteile schrittweise abgezogen. Die Befreiung der Vororte der syrischen Hauptstadt Damaskus werde abgeschlossen, große Terrorgruppierungen seien bei Hama und Homs zerschlagen worden, die wichtigste Verkehrsader, die Damaskus mit dem Norden des Landes verbindet, sei befreit.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu kommentierte ebenfalls am Dienstag in Moskau Äußerungen seines US-amerikanischen Amtskollegen Ashton Carter. Der hatte am Montag den Beitrag Rußlands zur Bekämpfung des »IS« in Syrien als »gleich Null« bezeichnet. Schoigu spöttelte, Carter habe sich offenbar versprochen, denn diese Einschätzung treffe eher auf die Leistung seines eigenen Landes zu. Die USA und die von ihnen angeführte Koalition hätten den Antiterrorkampf in der Region sogar »ins Minus« gedreht.

Arnold Schölzel

Mittwoch 11. Januar 2017