Störanfällige Verkehrsnetze Luxemburgs:

Fehlende Redundanz aus falscher Sparsamkeit

Techniker wissen, warum sie Systeme so auslegen, daß sie immer noch funktionieren, wenn Teile davon ausfallen, denn überall wo Technik im Spiel ist, gibt es Un- und Ausfälle. Ihnen ist daher »Redundanz« ein Begriff, und sie wissen, daß funktional gleiche oder gleichwertige Teile in einem technischen System im Fall des Falles wesentlich sind für dessen weiteres Funktionieren, wenn sich ein Teil mal verabschiedet – und das auch, wenn niemand vorhersagen kann, wann das sein wird, und wenn die zusätzlichen Teile im Normalbetrieb völlig überflüssig sind. Weil das so ist, funktionieren bisher Gas-, Strom- und Wassernetze hervorragend: gibt’s wo eine Panne, kann drumherum gefahren werden, was den Ausfall nur äußerst kleinräumig wirksam werden läßt.

Kleine Ursache, . . .

Drumherum gefahren werden kann aber bei den Auto- und Eisenbahnen des Landes nicht: da liegt die Entscheidungsgewalt bei Politikern, und wenn es nicht direkt um Schäden für die größtmöglichen Profite des Kapitals geht, denken die nur bis zur Nasenspitze statt zumindest um die nächste Ecke. Bei einem Unfall oder nur durch querstehende LKW mit Sommerreifen bei ein paar Zentimeter Schnee in einer Steigung ist daher schnell Schluß auf der Autobahn. Da es keine Alternativstrecken gibt, geht dann sehr schnell gar nichts mehr, ist doch das niederrangige Straßennetz gar nicht in der Lage, eine Ableitung des Verkehrs von der Autobahn aufzunehmen.

Nun ist das Land eindeutig zu klein, um die Autobahnen doppelt auszulegen. Es müßte daher viel mehr in Richtung Vorbeugung und Verkehrsvermeidung getan werden durch intelligente Landesplanung. Das ganz besonders durch dezentrale Ansiedlung der Arbeitsplätze, aber da ist die Gier der Lokalpolitiker im Weg. Da sie kaum einsichtig werden, gehören sie abgewählt.

Bei der Eisenbahn gäbe es jedoch sehr wohl Möglichkeiten, auch wenn mit der Schleifung der frisch renovierten Attert-Linie seinerzeit dafür gesorgt wurde, daß kein Zug mehr zwischen dem Norden und dem Süden des Landes fährt, wenn irgendetwas im Alzette-Tal schief geht. Daran hat seinerzeit kein Poltiker gedacht, den die Sparwut plagte, denn schließlich wurde an sowas auch kein Gedanke verschwendet, als die Schienen zwischen Echternach und Wasserbillig rausgerissen wurden.

So bleibt nur noch der Kreis zwischen Hauptstadt und dem Landessüden – einmal über Bettemburg (Linie 60) und einmal über Dippach (Linie 70), die sich in Petingen treffen. Wobei das Bahngleis zum Militärlager Sanem ab der Linie 70 mit wenig Kosten zur Linie 60 verlängert werden könnte, denn es endet unweit davon. Das brächte im Eck dort eine gute Portion mehr Redundanz, die es übrigens auf der Linie 30 von und nach Trier zwischen Ötringen und der Hauptstadt so ähnlich gibt über ein Gleis, das zunächst nur für Frachtverkehr gebaut wurde, zwischenzeitlich aber oft auch für Personenzüge genutzt wurde.

. . . große Wirkung!

Ganz besonders oft hat sich fehlende Redundanz bei den Stellwerken zuletzt auf der Bahn negativ ausgewirkt, denn wenn da was ausfällt, ist eben Pause. Und dann stehen alle Züge still, manchmal für eine habe Stunde, manchmal für anderthalb und etliche Male noch länger, wie z.B. als in Bettemburg der Keller voll Wasser gelaufen war.

Das ist umso erstaunlicher, als es keinem Datenzentrum der Welt einfallen wird, derart auf Risiko zu fahren – und das Stellwerksystem ist mit allen digitalen Schaltungen damit direkt vergleichbar. Dabei war den Technikern auf der Bahn das Problem durchaus bewußt, und ein früherer CFL-Generaldirektor hat sich uns gegenüber bei Gelegenheit bitterlich beklagt über das Unverständnis einer ganzen Reihe von Verkehrsministern, die regelmäßig Kredite ablehnten, mit denen zumindest etwas Redundanz ins Stellwerksystem hätte gebracht werden können.

Die Politikerfrage lautete da immer wieder: »Wie oft brauchen Sie das denn, wenn es gar so viel kostet?« Die ehrliche Antwort des Technikers darauf kann nur lauten, bei entsprechendem Pech werde das morgen und übermorgen gebraucht, bei viel Glück vielleicht die nächsten drei Jahre gar nicht. Womit das Thema für den Politiker erledigt ist, wird er doch vom Chauffeur zu Hause abgeholt: »Sie werden ohne auskommen.« Der Politiker kommt ohnehin bestens ohne Zug aus.

Und so wird von der Haltestelle Pfaffenthal auf den Kirchberg ein System gebaut, das nie ausfallen darf. Wobei es eigentlich auch nicht gewartet werden darf, denn sonst ist es damit wie mit dem Lift vom Pfaffenthal hinauf in die Oberstadt hinter die Zentralbank, den es eben einen Tag im Monat einfach nicht gibt. Bei einem Dutzend Lifte (oder wie viel auch immer rechnerisch in einer bestimmten Größe nötig gewesen wären für die gebrauchte Kapazität zur Spitzenzeit) wäre so viel Redundanz da gewesen, daß es nie zum Totalausfall gekommen wäre. Aber da hieß es noch, die Leute würden nicht gerne Lift fahren!

So haben wir den Salat, und die Politiker haben ihr Denkmal, das keinesfalls billiger war. Einem Techniker wäre das landesweite Unikum vielleicht noch eingefallen, er hätte es aber schnell wieder verworfen wegen der fehlenden ständigen Betriebssicherheit. Wobei auch die Hauptstadttram so ein Unding ist, wo es zum Totalausfall kommt, wenn an irgendeinem Punkt der Strecke aus welchem Grund auch immer eine Störung ist: da waren dieselben Politiker am Werk. Weg mit ihnen!

jmj

Dienstag 10. Januar 2017